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Gekommen, um zu gehen: Was wir von Interimsmanagern lernen können

28/02/2016 18:19 CET | Aktualisiert 28/02/2017 11:12 CET
David Lees via Getty Images

Heute hier, morgen dort

Der digitale Wandel ist ein dynamischer Prozess, bei dem es nicht darum geht, wo man steht, sondern wie schnell man sich weiterbewegen und Dinge verändern kann, die verbessert werden sollen.

„Heute hier, morgen dort" ist ein Titel des Liedermachers Hannes Wader. Das Lied erschien erstmals 1972 auf seinem Album „7 Lieder" und gewinnt vor dem Hintergrund neuer Arbeits- und Lebenswelten erneut an Bedeutung.

Denn es geht im Zeitalter der Digitalisierung immer auch um Selbstbestimmung, um das Aufbrechen von Routinen und den Umgang mit Veränderungen, also der Bereitschaft, neue Chancen zu suchen und mit Mut und kalkuliertem Risiko auch einmal andere Wege zu gehen:

„Heute hier, morgen dort

Bin kaum da, muss ich fort

Hab' mich niemals deswegen beklagt

Hab' es selbst so gewählt

Nie die Jahre gezählt

Nie nach Gestern und Morgen gefragt!"

Der Interimsmanager (lat. ad interim „unterdessen, einstweilen") wird in diesen Zeiten zum Symbol des „Vorübergehenden", der temporär tatsächlich helfen kann und von dem eine Kraft und Botschaft ausgeht, die inspiriert und motiviert, weil die Stärken des zeitlich Befristeten sichtbar werden.

„Durch den vermehrt auftretenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, wovon auch das Top-Management betroffen ist, werden verstärkt Manager auf Zeit zur Überbrückung eingesetzt, bis für die relevanten Positionen / Vakanzen geeignetes Personal zur langfristigen Einstellung gefunden worden ist - zur temporären Abdeckung von Arbeitsspitzen oder im Fall des plötzlich Ausfalls z.B. des geschäftsführenden Gesellschafters (Generationenwechsel)", sagt Dipl.-Ing. (FH) Werner Neumüller, Geschäftsführer der Neumüller Unternehmensgruppe.

Hier sind ca. 350 Mitarbeiter/innen, davon ca. 220 Ingenieure / Naturwissenschaftler/innen an fünf Standorten beschäftigt. Das Unternehmen ist Partner der Industrie im Umfeld der Personal- und Ingenieurdienstleistung und spezialisiert auf das Research und die Rekrutierung von anspruchsvollen Qualifikationen über den Weg der Personaldienstleistung.

Zum Leistungsangebot gehören u.a. Arbeitsvermittlung, Personalberatung, Arbeitnehmerüberlassungsverträge im kaufmännischen, medizinischen und technischen Bereich, On-Site-Management, Outplacement, Coaching, Ingenieurdienstleistungen sowie Interimsmanagement (die Consilium Interimmanagement GmbH ist Teil einer Unternehmensgruppe Neumüller). .

Interimsmanager: Wer sie sind und was sie tun

Vor einigen Jahren wurden Interimsmanager vor allem mit Krisenmanagement in Verbindung gebracht, „zur Überbrückung von personellen Ausfällen und zeitweise als Bereichsleitung eingesetzt, um einen Unternehmensteil zu sanieren", sagt Werner Neumüller.

Ihnen haftete deshalb der Begriff „Feuerwehr" oder "Trouble-Shooter" an, der mit einer Umstrukturierung oder Schließung und Abwicklung eines Unternehmens verbunden ist.

In jüngerer Zeit werden Interimsmanager verstärkt im Rahmen von Projektarbeit eingesetzt, „wenn die eigenen Kapazitäten des jeweiligen Unternehmens nicht ausreichen. Gleiches gilt für Spezialthemen, für die ein Unternehmen Kapazitäten nicht auf Dauer vorhalten muss", so Neumüller.

In unterschiedlichen Phasen der Unternehmensentwicklung sowie bei Problemen und Aufgaben, in denen Expertenwissen „länger als nur ein paar Beratertage gebraucht wird, oder wenn das bestehende Management die anstehenden Aufgaben nicht allein lösen kann oder möchte", stellt Interimsmanagement für ihn eine hervorragende Ergänzung für die Leitung des Unternehmens dar.

Auch im Bereich Unternehmensübergang und -nachfolge, bei Kauf oder Verkauf eines Betriebsteiles oder des gesamten Unternehmens bietet Interimsmanagement die notwendige Unterstützung für die Geschäftsleitung.

Probleme, die beim Interimsmanagement auftreten können, betreffen beispielsweise das Führungsteam, das den Manager nicht akzeptiert, Investitions- und Sanierungsentscheidungen werden von den Banken nicht mitgetragen oder die Unternehmensleitung „unterstützt" den Manager mit Entscheidungen in seinem Bereich.

Es kann nach Ansicht Neumüllers allerdings auch passieren, dass nach Beendigung des Mandats „neu gefasste Strukturen noch anfällig sind und eine auf das Ziel der neuinstallierten Organisation ausgerichteten Kontrolle nicht in angemessenem Maße" erfolgt.

Ein Interimsmanager kommt und geht als Fremder, wahrt Distanz, denkt als Externer vor allem an den Prozess, stellt sich selbst nicht in den Mittelpunkt und hinterlässt etwas Nachhaltiges: eine handfeste Lösung in der Praxis und nicht nur vage Formulierungen auf dem Papier.

Denn er ist ausdrücklich dafür zuständig, dass Dinge umgesetzt werden, was nicht immer einfach ist, weil die Einarbeitungszeit häufig knapp bemessen ist.

Seine Daseinsberechtigung bezieht er nicht aus Hierarchie oder Status, sondern aus seiner persönlichen Expertise: Ihn zeichnet das aus, was Karl Popper als „common sense" bezeichnet hat: der gesunde Menschenverstand.

Er setzt seinen Fokus auf Effektivität, konzentriert sich auf das Wesentliche. Dass er wie ein Schiedsrichter vom Rand ins Mittelfeld schaut, führt dazu, dass er schwierige Phasen besser aushalten kann und resilienter ist, weil er sich auch besser herausziehen kann.

Dass häufig Manager als Interimsmanager tätig werden, die bereits in verschiedenen Unternehmen als Führungskraft oder als Gesellschafter / Unternehmer erfolgreich tätig waren, ist aufgrund ihres Erfahrungswissens ein Gewinn.

„Aber auch Nachwuchskräfte ab Mitte dreißig sind im Markt vertreten", bestätigt Werner Neumüller. Allerdings weist er auch darauf hin, dass die Bandbreite im Interimsmanagement wesentlich weiter reicht - „bis zu absolut erfahrenen Fachleuten und Spezialisten oder Generalisten mit langjähriger praktischer Branchenerfahrung und Bewährung in schwierigen Situationen, die für das Unternehmen ein Glücksfall sind."

Auch sei zu beobachten, dass Interimsmanager jünger werden, und dass auch Frauen in die bisher „rein männliche Domäne" einbrechen.

Unsere Zeit verstehen

Sich mit Interimsmanagement eingehender zu beschäftigen, kann dazu beitragen, auch unsere Zeit besser zu verstehen und das eigene Denken und Handeln neu auszurichten, weil nichts bleibt, wie es war - und wir dennoch nicht orientierungslos durchs Leben steuern können.

Jeder sollte sich heute auch zum „Interimsmanager" entwickeln, weil niemand mehr einfach nur seinen Job nach Vorschrift machen kann, sondern überlegen muss, wie er seine Ziele auch in komplexen Zeiten erreicht.

Ein Blick auf das Interimsmanagement kann dabei helfen, sich auch in Krisenzeiten nicht zu verlieren.

Es ist eine Art des betriebswirtschaftlichen Managements, das zuweilen auch Management-auf-Zeit (MAZ) genannt wird und zeichnet sich durch Vielseitigkeit und Verantwortung aus:

So übernehmen Interimsmanager die Ergebnisverantwortung für ihre Arbeit in einer Linienposition und verlassen das Unternehmen, sobald das Problem gelöst und eine stabile neue Unternehmens- oder Bereichsführung etabliert ist. Als Externe nehmen sie eine neutrale Position ein. Zu ihren Aufgaben gehören:

• die Erarbeitung von Unternehmens- und Sanierungskonzepten

• die Übernahme von Aufgaben als Führungskraft (Bewerbungs- und Mitarbeitergespräche, Projektverantwortung etc.)

• Sonderaufgaben für Projekte, bei der Restrukturierung oder bei der Expansion in neue Märkte.

• Steuerung und Kontrolle von komplexen Vorhaben auf Unternehmensseite

Ein Interimsmanager sorgt für „richtiges" Management, dessen Organe und Prozesse der Managementexperte Fredmund Malik unter dem Begriff „Sachebene" oder „Sachaufgaben" zusammengefasst hat. Der Manager auf Zeit hat dieselben fünf Schlüsselaufgaben zu erfüllen, damit die Sachebene funktioniert:

1. für Ziele sorgen

2. Organisieren

3. Entscheiden

4. Kontrollieren

5. Menschen entwickeln.

In seinem Longseller „Führen. Leisten. Leben" finden sich die Details dazu, ebenso Managementwerkzeuge, die in jeder Organisation gleich sind:

1. Sitzungen

2. Berichte

3. Job Design

4. Arbeitsmethodik

5. Budgetierung

6. Leistungsbeurteilung

7. Systematische „Müllabfuhr".

In Deutschland ist Interimsmanagement noch immer vorwiegend im Bereich größerer mittelständischer und industrieller Unternehmen angesiedelt.

„Die meisten Interim-Einsätze werden über persönliche Netzwerke vermittelt und nur etwa 20 % durch Interim-Management-Provider. Aber auch einzelne Handwerkskammern bieten solche Kontakte für ihre Kammermitglieder mit Zielrichtung Unternehmensnachfolge und EU-Ausrichtung an", sagt Werner Neumüller.

Mit wachsender Verbreitung von Interimsmanagement nimmt auch die Zahl der Unternehmen zu, die Interimsmanager wiederholt einsetzen. Zudem sind Unternehmen, „die bereits im Ausland Erfahrungen mit Interimsmanagern gesammelt haben, eher bereit, diese Form der Zusammenarbeit zu wählen", so der Personalexperte.

Denn mit enormer Geschwindigkeit verändern sich Strukturen und die Art und Weise, wie wir (zusammen)arbeiten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssen frühzeitig die richtigen Antworten gefunden werden, weil sie eine Voraussetzung dafür sind, richtiges Management umzusetzen. Am Beispiel des Interimsmanagements zeigt sich, was möglich ist.

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