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Fairer Fußball - faire Wirtschaft: So wird Gerechtigkeit ins Rollen gebracht

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FUSSBALL
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Der Geist der Fairness

Fußball ist nicht nur die am meisten verbreitete Mannschaftssport der Welt, sondern auch eine Metapher des Lebens, die alles umfasst: Kreativität und Ordnung, Planbarkeit und Zufall, Individualität und Kollektivität, Athletik und Ästhetik, Talent und Disziplin, Show und Drama, Erfolg und Scheitern.

Eine Gesellschaft braucht aber auch Projektionsgestalten, die ihren Gemeinschaftsbedarf reguliert und über den üblichen Alltag von Menschen hinausweisen. Solche Vorbilder bringt der Fußball (auch) hervor: Sie geben eine Vorstellung davon, was in Zukunft erstrebenswert erscheint.

Vorbilder als Identifikationsgestalten haben eine große gesellschaftspolitische Bindungskraft über alle sozialen Schichten hinweg.

Sie sind das, was der Vorstand und Gesellschafter der Stephan Unternehmens- und
Personalberatung, Dr. Dražen Mario Odak, „erfolgreiche Fairführer" nennt:

Sie eint nicht ein bestimmter Stil von Führung, sondern die weise und pragmatische Einsicht, dass Fairness (der Begriff lässt sich auch mit „anständig" und „ordentlich" umschreiben)„Spielregeln sind, die dem Unternehmen dann nutzen, wenn sie Führern und Geführten gleicher Maßen dienen. Diese Einsicht bedingt die Überzeugung, eine Mannschaft als Gemeinschaft zu verstehen und kein egomanes Führunsgverständnis zu haben."

Führung ist für den Personalexperten Pflicht und Fähigkeit, neue Horizonte aufzuzeigen - als Fachmann/Fachfrau und Mensch. „Vielleicht gibt es deshalb wenige erfolgreiche Fairführer und viel Manager die lediglich der Verführung ihres eigenen Wunschbildes als Führungskraft erliegen."

Fairness ist für Odak das Maß und Muss von Führung in Unternehmen und Organisationen, weil sie mit klaren und verlässlichen Spielregeln ist, z.B. in den Bereichen Transparenz, Anreizsysteme und gesellschaftliche Verantwortung.

Der Geist der Fairness, Chancengleichheit, Toleranz und Menschenwürde kann von jedem Menschen gelegt werden - unabhängig von seiner Kultur und Religion.

Fairness vermittelt ein Verständnis, warum einer Führung gefolgt werden soll. Führung ohne Fairness und Akzeptanz ist ineffektiv, „weil es zum ständigen Hinterfragen und Opponieren gegen Führung führt".

Ein Fairführer im Fußball ist beispielsweise Otto Rehhagel, der immer wieder dafür plädierte, dass wir uns „auf die alten Werte" besinnen und anders miteinander umgehen sollten:

„Heute ist es leider so, dass die Berater ihren Jungens sagen: Ich mache aus dir einen Millionär. Sie sagen nicht: Ich mache aus dir einen guten Fußballer."

Warum wir die Zukunft nicht verspielen dürfen

Etwas gut und mit Leidenschaft verantwortungsvoll zu tun verbindet alle, die die Zukunft buchstäblich nicht verspielen wollen. Sie zeichnen sich durch fachliches Wissen, Können, Überzeugungskraft, feinfühlige Menschenführung und Erfahrung aus - und sie wissen instinktiv, was „nachhaltig" ist, wenngleich der Begriff nicht immer verwendet wird.

„Nachhaltigkeit als Fairness hat aus psychologischer Sicht eine evolutionäre Struktur und das Ergebnis einer sich entwickelnden, expansiven Introspektionsfähigkeit jedes Einzelnen", schreibt der Ökonom und Psychiater Prof. Stefan Brunnhuber in seinem aktuellen Buch „Die Kunst der Transformation".

Das englische Wort für „nachhaltig" („sustainable") leitet sich aus dem Lateinischen („sustinere) - ab und bedeutet u.a. „aushalten", „stützen" oder „tragen".

Die Begriffe „halten", „stützen" und „tragen" eint die aktive Ausübung einer Tätigkeit, die aktive Einbindung des Beteiligten. „Halten" wurde ursprünglich im Sinne von „Vieh hüten" gebraucht. Das Wort „tragen" bedeutet „fortbewegen", „stützen" oder „irgendwo hinbringen". Nachhaltigkeit beinhaltet also Aktivität und Bewegung.

Damit verbunden ist auch Motivation. Oliver Kahn sagte einmal, dass ihn Geld allerdings nicht motiviert, weil es ein extrinsischer Faktor und somit zeitlich begrenzt ist: „Motivation sollte immer aus einem selbst kommen." Sein „Antrieb" war nie Geld, sondern die Freude und Leidenschaft, das nächste Spiel zu gewinnen.

Nachhaltig am Ball

Zwischen Fußball und Wirtschaft gibt es allerdings einen wesentlichen Unterschied, denn in Unternehmen ist vergleichsweise wenig Zeit für Trainings. Auch ist ein Freundschaftsspiel gegen den härtesten Wettbewerber nur schwer vorstellbar.

Globaler Wettbewerb, hoher Ergebnisdruck bei dauernder Veränderung, stetige Wachstumsansprüche, das Streben nach kurzfristigen Profiten ohne moralische und sozial geprägte Bedenken und ein Management von oft profitgetriebenen und nicht in Handlungsverantwortung stehenden Managern prägen aktuelle Entwicklungen Wirtschaft und Fußball gleichermaßen.

Vor diesem Hintergrund ist es eine besondere Herausforderung, sich in einem globalen wirtschaftlichen Umfeld zu behaupten und gleichzeitig positive Entwicklungen im Bereich der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit konsequent voran zu treiben.

Aber auch der Umgang mit der zunehmenden Komplexität gehört im Fußball und in der Wirtschaft zu einer der wichtigsten Herausforderungen.

Das Ziel im Fußball ist klar: Es muss ein Tor geschossen werden. Das Spiel wird aber nicht nur durch Regeln, Planung, Training und Leidenschaft bestimmt, sondern auch durch den Zufall:

Hier kommen Dinge zusammen, die bei gleicher Handlungsweise auch anders hätten ausgehen können. „Man weiß nie, wie es ausgeht." Dieser Satz von Sepp Herberger benennt einen der wichtigsten Gründe, warum Fußball so faszinierend ist.

Komplexität im Wirtschaftsleben bedeutet, dass Prozesse zwar von außen beobachtbar sind, aber eine Vielzahl von unvorhergesehenen Überraschungen erzeugen. Das nicht Planbare haben Fußball und Wirtschaft ebenfalls gemeinsam.

Wie stark der Fußball die Wirtschaftswelt prägt, zeigt auch ein Blick auf das häufig verwendete Vokabular: „in einer anderen Liga spielen", „Abstiegskampf" „Mauertaktiken", „Rote Karte", „Abseits", „auf Ballhöhe sein", „ein Eigentor schießen", „den Ball flach halten", „gut aufgestellt", „vor den Kopf stoßen" oder „gegen das Schienbein treten".

Fair ist mehr

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Copyright: memo AG

Der Fußball ist in der Wirtschaftswelt, die für Fairness und Nachhaltigkeit steht, allerdings nicht nur eine Metapher - es gibt ihn wirklich, auch wenn er neben den bekannten Marken nur ein Nischenprodukt ist.

„Vermutlich wird es im Profi-Fußball nie einen fairen und FSC-zertifizierten Fußball geben", sagt die Nachhaltigkeitsexpertin Claudia Silber. Dennoch sei es wichtig zu vermitteln, dass es „einen derartigen Ball gibt - ähnlich wie beim Fairphone". Das regt zum Nachdenken und genauerem Hinsehen an.

Im Schulsport und im Vereinssport kommen verschiedene Fußbälle zum Einsatz - doch wo kommen diese her, und wie wurden sie hergestellt? „Diese Frage muss bei einem Fairtrade Fußball nicht gestellt werden", sagt sie, „denn er wurde unter sozial gerechten Bedingungen hergestellt - ohne dass soziale Fairness und Ökologie ins Abseits geraten".

Der für die optimal austarierte Blase und die Laminierung verwendete Naturkautschuk für diesen Ball (Größe 5, nach offiziellen Normen gewichtet und gemessen) ist FSC-zertifiziert. Die Außenschicht ist aus Polyurethan, vier Innenschichten aus Polyester. Polyurethan und Polyester lassen sich recyceln (Quelle: memolife) .

Das Fairtrade-Siegel wird von TransFair vergeben, einer unabhängigen Zertifizierungsstelle, die gewährleistet, dass die gekennzeichneten Produkte unter fairen sozialen Handels- und Arbeitsbedingungen produziert und angeboten werden.

Der Ball ist ein wirksames Symbol dafür, wie Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft weiter ins Rollen gebracht werden kann, zumal internationale Nachhaltigkeitsstandards heute immer mehr Beachtung finden. Eine glaubhafte Nachhaltigkeitsberichtserstattung ist für viele Unternehmen kein „nice to have" mehr (für die Nachhaltigkeitspioniere war er das noch nie), sondern ein „must have".

Es besteht heute ein positiver Zusammenhang zwischen ethischen Standards und gesellschaftlicher Akzeptanz, Produktqualität sowie der Gewinnung guter Mitarbeiter, die die Basis für unternehmerischen Erfolg sind. Das macht nachhaltiges Wirtschaften aus.

Dafür braucht es Menschen, die Nachhaltigkeitskommunikation und CSR-Management als eine langfristige Schnittstellenaufgabe begleiten, abteilungsübergreifend denken und arbeiten: Nachhaltigkeits- bzw. CSR-Manager. Sie sind - um den Fußballvergleich noch einmal aufzunehmen - wie Spieler, Trainer und Berater in einem.

„So geht das! Fußball" lautet der Titel eines aktuellen Buches, das Grundlagen wie Spielfeld-Größe oder Abseitsregel bis hin zu Insiderfakten wie den teuersten Transfers oder der Definition des Cryuff-Turns enthält.

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Es geht um Regeln, Spielen, Zuschauen und Wissen für Einsteiger. Es gibt aber auch Nachhaltigkeitsbücher für Einsteiger, die man parallel lesen kann. Denn auch Nachhaltigkeit ist eine runde Sache.

Weitere Informationen:

Warum Nachhaltigkeit im Fußball keine „Zentralverwaltung" braucht

Der deutsche Fußball auf dem Weg zu Nachhaltigkeit?

Literaturhinweise:

So geht das! Fußball. Edel Books. Hamburg 2016.

Péter Pesti und Tobias Friedrich: Fußbälle. Edel Books. Hamburg 2016.

Alexandra Hildebrandt: CSR und Sportmanagement: Jenseits von Sieg und Niederlage. Sport als gesellschaftliche Aufgabe verstehen und umsetzen. Springer Gabler Verlag, Heidelberg/Berlin 2014.

Frank Stolze, Anna Petrlic: Nachhaltigkeit für Einsteiger. Geschichte, Konzepte und Praxis. Oekom Verlag, München 2016.

Stefan Brunnhuber: Die Kunst der Transformation. Wie wir lernen, die Welt zu verändern. Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016.

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