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Faire Jeans: So anziehend kann Glücksökonomie sein

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JEANS
OlegKov via Getty Images
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Mit fortschreitender Globalisierung werden Handlungsketten von transnationalen Konzernen anonymer, intransparenter und unethischer. Im Gegensatz dazu zeichnen sich verantwortlich agierende Unternehmen durch Investments in technologische Innovationen, Fokussierung auf transparente Abläufe und kollaborative Ansätze aus - zudem setzen sie auf einen verstärkten Einsatz nachhaltiger Materialien und legen Wert auf einen ganzheitlichen Blick auf die Produktionsprozesse.

Eine Jeans durchläuft beispielsweise weit mehr als ein Dutzend Stationen - angefangen von usbekischen Kinderarbeitern, die zur Baumwollernte gezwungen werden, über die Färbung in Bangladesch, die Flüsse vergiftet, bis hin zu jungen unterbezahlten Näherinnen in Vietnam.

2013 hatte Andreas Güntzel genug davon: Der vierfache Familienvater, ursprünglich als Betriebswirtschaftler im Metallbau tätig, machte sich in der Modebranche selbstständig. Er suchte Lieferanten für hochwertige Bio-Stoffe und -Garne, entwickelte in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Bielefeld erste eigene Schnitte und stellt seitdem Jeanshosen her. Aus verschiedenen Stoffen und über 20 Garnfarben kann man sich seine Jeans zusammenstellen und nach Maß schneidern lassen.

Nachhaltig ist auch die vegane MUD Jeans ohne Lederpatch, die nicht nur gekauft, sondern auch für 7,50 im Monat ausgeliehen werden kann. Nach einem Jahr kann sie entweder behalten, zurückgeben oder gegen eine neue eingetauscht werden. Die zurückgegebenen Hosen werden im Sinne der Kreislaufwirtschaft recycelt und zu neuer Kleidung verarbeitet.

Jeans aus 100 % Bio-Baumwolldenim, die auch für Veganer und Allergiker geeignet sind, findet man unter anderem bei ökologischen Onlineversendern. Es sollte darauf geachtet werden, dass sie gemäß dem Global Organic Textile Standard (GOTS) hergestellt sind. GOTS ist als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Auf hohem Niveau definiert er umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und gleichzeitig die einzuhaltenden Sozialkriterien. Die Qualitätssicherung erfolgt durch unabhängige Zertifizierung der gesamten Textillieferkette (vgl. memolife).

Viele Unternehmen verbinden ihre Damen- und Herrenkollektionen aus 100% organischem Denim auch mit einer Story und einem Projekt, das wie beim Atelier GARDEUR mit „Greening The Blues" unterstützt wird.

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Copyright: Atelier GARDEUR

Das Engagement reicht von der ersten Fairtradehose Deutschlands über eine eigene Kläranlage bis zu ökologischen Think Tanks mit Universitäten.

Am Jeansthema zeigt sich in besonderer Weise, dass die Relokalisierung unserer Wirtschaft heute eine enorme Chance ist. „Wenn wir unsere eigenen Hosen nähen, Räder reparieren, Lebensmittel erzeugen, vermindert das die Ausbeutung von Mensch und Natur, schafft Transparenz und Jobs, spart Unmengen von Ressourcen und Transporte und belebt den lokalen Geist von Gemeinden und Gemeinschaften", schreiben Annette Jensen und Ute Scheub in ihrem Buch „Glücksökonomie", in dem sie nachweisen, dass, wer teilt, hat mehr vom Leben hat.

Das erkannten auch die Macher der Blaumann-Jeanshosen, die das Jeans-Handwerk zurück nach Deutschland geholt haben: Die Idee zur traditionellen Jeans hatten sie 2013. Nach Deutschland werden jährlich weit über 100 Millionen Jeans importiert. Die Vielzahl der Jeansmarken ist inzwischen kaum mehr überschaubar. Gleich geblieben sind jedoch die Produktionsweise und Machart sowie die Produktionsstandorte in Ländern wie Bangladesch, Pakistan oder Indien. Alle Materialien wie Knöpfe, Nieten, Garne, Leder- und Papieretiketten werden von den Blaumännern aus Deutschland bezogen.

Denimwebereien gibt es hier nicht mehr, deshalb werden die Stoffe von handverlesenen Produzenten aus Japan bezogen. Japanischer Denim gilt als der weltweit hochwertigste Jeansstoff, der sich durch besondere Spinnverfahren, hochwertigste Baumwollfasern und spezielle Färbeverfahren auszeichnet. Dieses Niveau wird nach Unternehmensangaben nur von ganz wenigen Produzenten außerhalb Japans erreicht, namentlich in den USA und Italien.

Die neue Warenwelt der Jeans ist eine nachhaltige, der Schönheit und Qualität verpflichtete Alternative zur Welt der austauschbaren Massenprodukte. Sie gedeiht an sozialen Orten wie nicht-virtuellen Werkstätten, wo Menschen mit Händen, Können und Kreativität an einer besseren Gesellschaft arbeiten.

Weitere Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut in Mode: Wissenswertes über nachhaltige Bekleidung und Textilien. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017. Sowie: Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen (mit Claudia Silber) Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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