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Faire Finanzen: Welchen Mehrwert bieten nachhaltige Versicherungen?

16/01/2017 17:10 CET | Aktualisiert 17/01/2018 11:12 CET
tuk69tuk via Getty Images

Die Finanzwirtschaft steht vor einer Wende in Richtung Nachhaltigkeit

Claudia Behringer ist Generationenberaterin IHK, Fachberaterin für nachhaltiges Investment und unabhängige Finanzberaterin/Finanzmaklerin mit Schwerpunkt ethische Finanzplanung sowie Partnerin und Gesellschafterin der MehrWert GmbH in Bamberg. 2013 wurde sie zur Wirtschaftsrätin der Deutschen Umweltstiftung benannt. Sie kennt den Finanzdienstleistungsmarkt und seine Schwächen, deshalb setzt sie auf transparente Information.

Im Interview spricht sie über ihre Vision, die Welt zu verbessern, was nicht von heute auf morgen geschehen kann, sondern nur Schritt für Schritt. Doch sie ist sich sicher: „Wenn viele ‚kleine' Menschen an vielen kleinen Orten kleine Dinge tun, kann sich das Gesicht der Welt verändern."

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Foto und Copyright: Claudia Behringer

_ Frau Behringer, beruflich und privat stehen Sie zu klaren Werten, die für Sie die Grundlagen Ihres Handelns sind. Woran orientieren Sie sich?

Ich habe mich dem Verein Ehrbare Versicherungskaufleute e.V. (VEVK) angeschlossen, der den Zweck verfolgt, Versicherungsvermittlern mit den seit Jahrhunderten bewährten Tugenden des „Ehrbaren Kaufmanns" ein Leitbild ihres Handelns zu geben. In Bezug auf Nachhaltigkeit verfolge ich klare Ziele in meiner Arbeit. Meine Vision ist, Menschen Überblick und Orientierung zu geben, denn wir leben in einer Zeit mit hoher Komplexität und Orientierungsschwierigkeiten. Eine individuelle, unabhängige, lebenszielorientierte Finanzgestaltung hilft bei der Lebensplanung und somit dazu, ein besseres Leben zu führen.

_ Inwiefern zeigt sich im Nachhaltigkeitskontext das Kleine im Großen?

Die zur Umsetzung der persönlichen Wünsche und Ziele eingesetzten nachhaltigen Finanzinstrumente haben Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft. Ich bin der Überzeugung, dass es auf Dauer ohne ethische und ökologische Nachhaltigkeit keine stabile Ökonomie in unserer Welt geben wird.

_ Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie derzeit im Bereich nachhaltige Geldanlagen?

Rund 55 % der Deutschen legen heute Wert darauf, dass ihre Geldanlagen und Vorsorgeprodukte ökologischen, sozialen oder ethischen Kriterien entsprechen. Diverse Umfragen belegen jedoch, dass ca. 80 % dieser Klientel bei der Finanzberatung keine ihren Überzeugungen entsprechenden nachhaltigen Anlage- und Vorsorgeformen angeboten werden. Hinzu kommt, dass es zu wenig ganzheitliche Beratung gibt, bei der der Mensch und seine Ziele und nicht der Verkauf von Produkten im Mittelpunkt stehen. Es ist deshalb Zeit für einen Richtungswechsel in der Finanzwelt.

_ Wie sieht es mit dem Thema Nachhaltigkeit bei den Versicherungen aus?

Wer bei der Geldanlage bzw. Altersvorsorge vorrangig auf nachhaltige Investments setzt, hat es nicht leicht. Die Zahl der nach ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien ausgerichteten Finanzprodukte ist zwar aufgrund einer zunehmend gesellschaftlichen Sensibilisierung erheblich gestiegen, doch nicht jedes als nachhaltig angepriesene Produkt hält, was es verspricht.

Dazu bedarf es eines versierten Beratungsprozesses mit sich anschließender Produktauswahl, um die Lebensplanung des Kunden auch nach dessen individuellen Vorstellungen unterstützen zu können. Die Vorsorgesicherheit in Einklang mit den ethischen Grundüberzeugungen zu gestalten ist oberste Maxime.

_ Können Sie bestätigen, dass das Thema Nachhaltigkeit bei den Versicherern im Vorsorge- und Versicherungsbereich einen immer höheren Stellenwert einnimmt?

Ja, denn immer mehr Versicherer entwickeln gute nachhaltige Rentenversicherungen, bei denen das Geld der Sparer gezielt in ökologische und soziale Projekte investiert wird. Mit einem jährlichen transparenten Anlagebericht sieht dann jeder dieser Altersvorsorgesparer detailliert, in welche Produkte das Geld investiert wurde.

_ Wer sind die wichtigsten Anbieter für nachhaltige Altersvorsorge in Deutschland?

vor allen Dingen bei Rentenpolicen die Oeco Capital, die Stuttgarter Versicherung und der Volkswohlbund, die das Kapital der Anleger nahezu zu 100 % mit öko-sozialer Wirkung anlegen. Zunehmend werden fondsgebundene Policen genutzt, weil sie im Niedrigzinsumfeld effektivere Ergebnisse liefern. Bei dieser Version legen die Anleger aus einem Portfolio von grünen Investmentfonds je nach individueller Risikomentalität und Auswahl der Nachhaltigkeitskriterien monatliche Sparraten an.

Mit jeder Anlageentscheidung bestimmen sie ein Stück weit mit, wie die Welt morgen aussehen wird. Nachhaltige Entwicklungen fördern Anleger auch mit ihrer betrieblichen Altersvorsorge. Für Unternehmer, die heute schön öko-effizient wirtschaften und nachhaltig produzieren, ist die grüne baV eine logische Ergänzung ihres Gesamtprofils. Die Sparbeträge dieser Altersvorsorgeverträge fließen in Anlagen, die nachhaltigen Kriterien unterliegen. Der Arbeitgeber verleiht seiner Fürsorgepflicht und seiner sozialen Verantwortung konkret Ausdruck.

_ Seit einiger Zeit haben Versicherer auch „grüne" Sachversicherungen wie Haftpflicht- und Hausratversicherungen auf den Markt gebracht. Können Sie dazu konkrete Beispiele geben?

Seit Sommer 2015 hat die Barmenia Tochter adcuri zusammen mit der MehrWert nachhaltige Versionen dieser Absicherungen kreiert. Die Produkte haben eines gemeinsam: Die Anträge stehen online zur Verfügung, den Versicherungsschein bekommen die Kunden papierlos per E-Mail. Es werden somit ca. 40 Seiten Papier pro Antrag und Police gespart. Dazu gehen pro Vertrag 2,- € in einen Topf, aus dem Biodiversitätsmaßnahmen in Deutschland unterstützt werden.

Die Versicherung möchte mit nachhaltigen Inhalten überzeugen. So gehört zu den Highlights der grünen Sachversicherungen, dass Mehrkosten für Ersatzbeschaffungen in Folge von Schaden, wenn sie aus ökologisch fairer Herstellung entstammen und teurer sein sollten, bezahlt werden. Mitglieder von verschiedenen ökologischen Organisationen, z.B. bei WWF, BUND, Greenpeace, NABU, werden mit 10 % Rabatt auf die Versicherungsprämie belohnt. Mehr dazu finden man unter www.nachhaltige.versicherung.

Nach und nach ergreifen immer Gesellschaften die Initiative und bringen nachhaltige Absicherungen auf den Markt. Das Angebot wächst zusehends aufgrund der gestiegenen Nachfrage. Unsere heutige Gesellschaft erfährt Sinn, Gewinn und eine gute Zukunft mit Hilfe nachhaltiger Finanzinstrumente. Mehr Argumente bedarf es wohl kaum.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen:

Alexandra Hildebrandt: Mit kleinen Schritten die Welt verbessern: Nachhaltig denken und handeln von A bis Z. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

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