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Fair Roses: Woher stammen unsere Blumen zum Muttertag?

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ROSES
A.Koldertsov via Getty Images
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Die Rose gilt als die beliebteste Blume der Deutschen. Insbesondere vor dem Valentins- und Muttertag steigt der Umsatz. Da heimische Gärtnereien den Bedarf aber nicht decken, muss der überwiegende Teil importiert werden. Viele Rosen, die am Muttertag verschenkt werden, kommen aus Kenia, wo sie in Blumenfabriken gezüchtet, geerntet und gebunden werden. Das ist mit enormen ökologischen und sozialen Problemen verbunden.

Doch der Boykott würde den weltweit tätigen Menschen in der Blumenproduktion die Existenzgrundlage entziehen, oder es würde sie in einen anderen Exportproduktionssektor drängen, in dem die Arbeitsbedingungen vielleicht sogar noch schlechter sind. „Die Arbeit in der Blumenindustrie gibt den oft alleinerziehenden Frauen die Möglichkeit, ihre Kinder durchzubringen. Das gilt für die ostafrikanischen Länder ebenso wie für die südamerikanischen", sagt Silke Peters, Autorin des Buches „Blühende Geschäfte".

Die Reise der Rose

... zeigt die Problematik von der Züchtung bis zum Verkauf im Einzelhandel.

Züchtung

Neue Rosensorten werden vorwiegend in Europa, den Niederlanden und Deutschland gezüchtet. Acht bis zehn Jahre brauchen die Rosen bis zur Markreife. - dann werden ihre Samen weltweit exportiert. In Kenia, Sambia und Ecuador ist das Klima ideal für die Aufzucht.

Anbau

Auch im Winter werden in niederländischen Gärtnereien Rosen in Gewächshäusern produziert. Ein künstlich erzeugtes Klima ist allerdings mit einer schlechten Energiebilanz verbunden. In Kenia oder Ecuador ist wiederum Wasser ein kostbares Gut, auch werden sie wegen ihrer Empfindlichkeit mit Pestiziden behandelt, was schwerwiegende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat.

Auktion

Die Niederlande sind bis heute Drehscheibe für den internationalen Blumenhandel - mehr als die Hälfte des globalen Blumenhandels wird hier abgewickelt - überwiegend über die Blumenbörsen, auf denen auch 65 Prozent der Blumen aus Kenia sind. Etwa drei Viertel der in Deutschland verkauften Rosen landen zunächst auf einer niederländischen Blumenbörse. Flora Holland ist eines der weltweit wichtigsten Auktionshäuser. Hier wird der Preis festgelegt, der vor Feiertagen deutlich ansteigt

Großhandel

Der Handel mit den Blumen ist vor allem ein Rennen gegen die Zeit. Nach dem Rosenschnitt, sollten sie innerhalb von drei Tagen beim deutschen Floristen erhältlich sein, was jedoch nur mit einem Direktimport per Flug nach Frankfurt/Main möglich ist. Der Weg über die Auktion kostet zusätzlich zwei bis drei Tage. Über die gesamte Lieferkette müssen die Rosen konstant gekühlt werden.

Einzelhandel

Neben Blumenhändlern und Floristen verkaufen auch Supermärkte, Discounter und Tankstellen Rosen.

Fair Roses?

Antworten auf die Frage, unter welchen Bedingungen Rosen produziert werden, und über welche Stationen ie bei uns in den Handel gelangen, liefert die unter der Regie des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) entstandene Infografik „Fair Roses?": Anhand unterschiedlicher Szenarien wirft die interaktiv gestaltete Seite einen Blick hinter die Kulissen eines oft undurchsichtigen Geschäfts.

Sie lädt zu einer virtuellen Reise in die Welt der Rosenindustrie ein, auf der kenianische Farmarbeiterinnen zu Wort kommen, aber auch niederländische Handelsagenten und lokale Umweltaktivisten.

Schritt für Schritt erfährt der Besucher, was die beteiligten Personen miteinander verbindet und wie der globale Handel mit Schnittblumen im Detail funktioniert.

Die Informationen für „Fair Roses?" kommen vom Bonner Geographen Andreas Gemählich. Der Nachwuchswissenschaftler untersucht in seiner Doktorarbeit mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, wie sich globale ökonomische Dynamiken und lokale Arbeitsbedingungen auf die Produktionsstätten der Schnittblumenindustrie am Naivasha-See in Kenia auswirken.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern des IfL und der Innsbrucker Geographischen Gesellschaft entwickelte er ein Konzept, um seine Forschungsergebnisse auf anschauliche Weise darzustellen. „Fair Roses?" verdankt sich dem Engagement von Geographiestudenten und jungen Geographen sowie Mitgliedern der Innsbrucker Geographischen Gesellschaft, die sich in Workshops, Diskussionsrunden und Rollenspielen intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich die Forschungsergebnisse in ein Drehbuch oder Storyboard übersetzen lassen.

Das IfL hat diesen Prozess von der ersten Idee bis zum fertigen Transferprodukt organisiert, moderiert und wissenschaftlich begleitet. Den Nutzen von Angeboten wie „Fair Roses?" Gemählich darin, „Menschen bei ihren alltäglichen Kaufentscheidungen zu unterstützen, ohne die Komplexität globaler ökonomischer Dynamiken zu stark zu reduzieren" (Quelle: CSRnews). Zudem könnten solche Formate insgesamt helfen, Forschungsergebnisse anschaulich und einprägsam zu präsentieren.

Wie kann sich der Fachhandel gegen die Konkurrenz der Supermärkte und Discounter behaupten?

Würde der Fachhandel nur auf den Preis setzen, hätte er keine Chance im Markt, da die Logistikprozesse im Fachhandel anders laufen als bei Großabnehmern. Auch das Argument der „schönen Blumen" reicht nicht aus. Wer sich differenzieren und die Rahmenbedingungen verbessern möchte, sollte Ansätze und Initiativen wählen, die daran arbeiten, die Bedingungen der Blumenproduktion zu verbessern. Dazu gehört das Flower-Label-Programm (FLB), das Mitte der 1990-er Jahre geboren wurde. Träger sind vier Kammern: Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Handel und Produzenten. Es zertifiziert Blumenanbaubetriebe auf Basis der ILO-Arbeitsnormen. Wesentlich bekannter aber ist der Verein „Fairtrade Deutschland", der Blumen im Jahr 2005 in sein Sortiment aufgenommen hat. Außerdem gibt es Blumen und Zierpflanzen mit dem Bioland-Siegel oder aus verschiedenen nationalen Programmen wie Flor Verde, Flor de Ecuador oder dem US-amerikanischen System Veriflora.

Konsumentensiegel wie FLP, Fair Flower Fair Plants (FFP) und Fairtrade versuchen eine Brücke zwischen jenen zu schlagen, die das Produkt herstellen, und jenen, die es kaufen. Sie geben den Kunden ein Gefühl von Sicherheit und ermöglichen einen „korrekten Einkauf".

Silke Peters betont in ihrem Buch „Blühende Geschäfte" zu Recht, dass uns die Vorstellung, man könne Veränderungen vor allem durch sein Kaufverhalten erzielen, auf unsere Rolle als Konsumenten reduziert: „Tatsächlich sind wir aber Teil einer Gesellschaft, die mehr ist als nur ein großer Nachfragemarkt."

Es geht auch um die Fragen, welchen Einfluss wir durch ziviles Engagement haben, wir können Kampagnen unterstützen und damit kundtun, dass wir ausbeuterische Strukturen ablehnen. Nur so kommen Themen auf die politische Agenda und nur so kann sich der Wille beispielsweise für entsprechende Gesetze bilden: „Gäbe es klar formulierte Gesetze, könnte man diese auch einklagen." Dabei sollte uns der Wunsch nach der perfekten Lösung nicht davon abhalten, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten „kleine Schritte" zu wagen.

Weiterführende Literatur:

Silke Peters: Blühende Geschäfte. Der weltweite Handel mit der Blume. Oekom verlag, München 2015.

Alexandra Hildebrandt: CSR-Check für Handelsunternehmen: Die wichtigsten Fragen und Antworten aus der Praxis für die Praxis von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Alexandra Hildebrandt: Mit kleinen Schritten die Welt verbessern: Nachhaltig denken und handeln von A bis Z. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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