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Vorangehen statt mitlaufen: Warum wir mehr Exzentriker brauchen

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FREDDIE MERCURY
ASSOCIATED PRESS
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Kein Song von Queen-Sänger Freddie Mercury, der am 5. September 70 Jahre alt geworden wäre, klingt gleich - alle wurden durch seine Stimme unverwechselbar, auch seine lasziven Bühnenshows machten ihn zu einem der populärsten Rock-Sänger aller Zeiten.

Für ihn, der sich selbst als kompliziert und heikel bezeichnete, galt zeitlebens: „Je größer, desto besser" - und zwar bei allem. Wann immer irgendwo Großes „abging", wollte er dabei sein und im Mittelpunkt stehen. Er bezeichnete sich 1974 als Angeber und Dandy. Ihm war stets bewusst:

„Wer das Sahnehäubchen will, braucht Selbstvertrauen."

Bis er es aufbauen konnte, musste er sich buchstäblich durchbeißen und seine Unsicherheit überwinden: Einer seiner ältesten Schulfreunde war Keith Wilson, der erkannte, dass Freddies Unsicherheit von seinen vorstehenden Vorderzähnen kam, die einige Zeit durch eine schmerzvolle Spange betont wurden.

Vier zusätzliche Backenzähne im hinteren Kieferbereich drückten sein Gebiss nach vorn. Das machte ihn angreifbar - ein gut gezielter Schlag genügte, um seine Lippen aufplatzen zu lassen.

Später erträumte er sich alles Mögliche - das war die Welt, in der er sich zuhause fühlte. Sie war „sehr extravagant", und so war auch seine Art, Musik zu machen.

Bei fast allem, was dieser energiegeladene Mann der Extreme tat, ging es ums Vortäuschen, was sich in seinen Auftritten, Kostümen und dem Spiel mit seiner (Bi-)Sexualität zeigte.

Geh deinen eigenen Weg

Vieles erinnert auch an Klaus Mann, den ewigen Sohn von Thomas Mann, der vom väterlichen Ruhm profitierte und zugleich unter ihm gelitten hat, der sich der Öffentlichkeit weltoffen, eloquent und charmant präsentierte, und immer Freude am Rollenspiel hatte.

Seine Natur war allerdings eher das Gegenteil: "ein alter Individualist und Vagabund, nicht ohne exzentrisch-anarchistische Tendenzen".

André Gide war für ihn ein akzeptabler Ratgeber, weil er gerade nicht vorbildlich wirken wollte. Die Pose des Magisters blieb ihm wie allen Menschen jenseits des Mittelmaßes zeitlebens fern.

Sein Rat, den er in den "Nouvelles Nourritures" seinem fiktiven Freund und Jünger zuruft, ist eines der Motti, denen sich Klaus Manns Leben verschrieben hat - und auch auf die modernen Mercurys zutrifft:

"Vertraue niemandem, außer der Stimme des eigenen Gewissens! Sei aufrichtig, vor allem gegen dich selbst! Erforsche dein eigenes Wesen! Geh deinen eigenen Weg! Werde, der du bist!"

Wir brauchen mehr Exzentriker

Freddie Mercury hatte kein abgeschlossenes Studium, und Roger Taylor sah ihn auch niemals mit einem Buch in der Hand. Statt belesen zu sein, war er „wie eine Elster und hat Ideen von überall her zusammengetragen." Und war letztlich erfolgreicher als andere.

Worin war dieser Ausnahmekünstler, der als Leadsänger der Popgruppe Queen wie auch als Solo-Artist Karriere machte, anderen voraus? - Er lief immer voran und niemals mit, ihm lag nicht an einer Verlängerung des Lebens, sondern an seiner Verdichtung:

„Ich habe kein Verlangen danach 70 Jahre alt zu werden. Ich will nicht morbide klingen. Ich habe ein volles Leben gelebt, und wenn ich morgen tot bin, ist es mir egal. Ich habe alles getan; das habe ich wirklich." Das sagte er 1987, vier Jahre vor seinem Tod.

Sich an ihn zu erinnern ist deshalb so wichtig, weil wir mehr von solchen Exzentrikern in Deutschland brauchen. Die Werberin Karen Heumann von der Agentur Thjnk, die ein Faible für den französischen und exzentrischen Schriftsteller Marcel Proust hat, bekannte schon 2013:

„Ich liebe Exzentriker und finde, dass wir hier in Deutschland viel zu wenige davon haben."

Wir brauchen mehr davon, weil es ohne solche Menschen keine Spitzenleistungen in Wirtschaft und Gesellschaft gibt, weil ohne sie die Welt grau und trist wäre, weil wir nicht sehen würden, was hinter der Realität verborgen ist, und wir weniger Freude am Leben hätten.

„We are the Champions": Was Unternehmer und Manager von Freddie Mercury lernen können

Dass Manager und Unternehmer von Mercury lernen können, zeigt sich auch im Vergleich mit Aussagen eines der einflussreichsten Managementexperten unserer Zeit: Hermann Scherer.

Auch er ist ein Fan von überragenden Spitzenleistungen, die für ihn die Folge von Fleiß, Hingabe, Ausdauer und Detailarbeit sind.

All das hat viel mit dem detailversessenen Freddie Mercury zu tun. Bei der Studioarbeit war er beispielsweise nicht nur leidenschaftlich und eigenwillig, sondern auch immer voll fokussiert.

Niemals ließ er zu, dass „etwas oder jemand seiner Vision von der Zukunft im Weg stand" (Brian May, 2011).

„Fokus!" (Campus Verlag) lautet auch der aktuelle Buchtitel von Hermann Scherer, in dem er provokative Ideen für Menschen präsentiert, „die was erreichen wollen".

Alle erfolgreichen Menschen sind Regelbrecher

Wie Mercury schlüpfte auch der Businessexperte in unterschiedliche Rollen: Er war Gründer, Unternehmer, Vorstand, Trainer, Berater, Redner, Autor - allerdings musste er sich immer wieder anhören: „So etwas gibt's nicht!" Das sei nicht solide, sondern „Glücksrittertum".

Trotz seiner wechselnden Rollen blieb er im Kern immer er selbst und legte einfach los „ohne Netz und doppelten Boden".

Er war sich von Beginn an bewusst, dass alle wirklich erfolgreichen Menschen Regelbrecher sind.

Niemand von ihnen tat, was von ihnen erwartet wurde oder andere ihnen vorgegeben haben. Alle fanden ihren persönlichen Weg und zeigten Spitzenleistungen, die wir für eine erfolgreiche und nachhaltige Zukunft dringend brauchen.

Was Hermann Scherer mit Freddie Mercury verbindet

Aus Scherers Erfolgsbüchern „Glückskinder" (Campus Verlag, 2012) und „Schatzfinder" (Campus Verlag, 2013) lassen sich Muster herauslesen, die mit Mercurys Erfolgsgeschichte eng verbunden sind. Daraus können allgemeine Schlüsse gezogen werden, die hier zusammengefasst sind und Bezug nehmen auf die vorangestellten Zitate des Rocksängers:

• Es geht nicht nur darum, besser zu sein als andere, sondern auch darum, vollkommen anders zu sein.

• Glück und Erfolg liegen nicht in der Mitte, sondern in den Extremen.

• Erfolg ist nicht durch das Mit-, sondern vor allem durch das Vorangehen realisierbar.

• Wer Spitzenleistungen zeigt, reagiert nicht auf Reize, sondern er setzt sie.

• Das Unrealistische ist oft leichter zu erreichen als das Realistische.

• Großes entsteht, wenn nicht nur nach dem Mittelmaß gestrebt wird.

• Wer Durchschnittlichkeit bietet, wird auch nur Durchschnittliches erhalten.

• Wo alle sind, ist wenig zu holen.

• Wer erfolgreich sein will, muss sich fokussieren können.

• Einem visionären Denken und Handeln darf die „Realität" nicht im Weg stehen.

• Außergewöhnliche Menschen folgen ihrem Herzen und ihrer inneren Stimme, sie haben eine Vision, aber keinen Plan.

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„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern darum, den Tagen mehr Leben zu geben." (Hermann Scherer)

Literaturempfehlung:

Mark Blake: Freddie Mercury: A kind of Magic. Aus dem Englischen von Claire Roth. Knesebeck Verlag, München 2016.

Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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