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Empathie als Schlüsselfaktor für den Umgang mit Digitalisierung

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Thomas Barwick via Getty Images
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Gastbeitrag von Tobias Loitsch

Wie die Herausforderungen der Digitalisierung gemeistert werden können

Die Digitalisierung und die Veränderungen in unserer Gesellschaft gehen in einer stetig steigenden Beschleunigung einher. Dabei wird die Geschwindigkeit der Innovationen in den nächsten Jahren weiter zunehmen und besonders die Digitalisierung unsere Kommunikation verändern. Klassische und analoge Verhaltensmuster weichen dynamischen und digitalen Strukturen.

Wenn diese Dynamik der Entwicklung so anhält, stellt sich für Unternehmen die grundlegende Frage, wie sie mit den gebündelten Herausforderungen der Digitalisierung umgehen sollen und diese bewältigen.

Führungskräfte werden in der heutigen Wirtschaftswelt nach der Fähigkeit, Ziele zu erreichen, bewertet und teilweise auch danach entlohnt. Dies erfordert meist Entscheidungen unter Druck und Unsicherheit in einer komplexen und mit Informationen überladenen Umwelt zu treffen.

Führungskräfte müssen in diesem Umfeld eine emotional intelligente Organisation schaffen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Emotionale Reife kann helfen, die eigenen Gedankengänge bei der Lösung chaotischer Anforderungen effektiv einzusetzen. Dies trägt zur strategischen Entscheidungsfindung bei.

Grundlagen und Hilfestellung für eine Schaffung von Rahmenbedingungen für Handlungsprinzipien auf dem Weg der Digitalisierung können dabei Erkenntnisse der Neurowissenschaft auf dem Gebiet der emotionalen Intelligenz sein. der technologische Fortschritt und die Möglichkeiten von Analysen helfen dabei Verhalten und Wünsche von Menschen zu verstehen, aber sie ersetzen nicht den empathischen und emotionalen Zugang.

Als Emotionale Intelligenz wird die Fähigkeit bezeichnet, Gefühle und menschliche Beziehungen richtig einschätzen und entsprechend handeln zu können. Bekannt wurde der Begriff besonders durch die Veröffentlichungen des amerikanischen Psychologen Daniel Goleman.

Seit 2007 bietet Google seinen Mitarbeitern ein Programm zur persönlichen Entwicklung von emotionaler Intelligenz an. „Search inside yourself" bietet ein Training, um emotionale Intelligenz zu erlernen mit dem Ziel, zufriedener, gelassener, kreativer und schließlich auch erfolgreicher zu werden.

Es umfasst Übungen und Meditationen, um die Konzentration zu verbessern, die Selbstwahrnehmung zu erhöhen und nützliche mentale Gewohnheiten zu entwickeln.

Neben der Kompetenz im Wissen ist die emotionale Intelligenz eine der Schlüsselfaktoren für eine strukturelle und zielgerichtete Arbeitsweise.

Menschen, deren emotionale Intelligenz gut ausgeprägt ist, können besonders gut mit anderen Menschen umgehen, ihnen ist es möglich, Konflikte in besonderer Weise konstruktiv zu lösen, indem sie auf die Gefühle des Gegenübers achten.

Das befähigt sie nicht nur im Umgang mit Menschen, mit denen sich andere gerne umgeben, sondern sie zeigen auch besonders gute Führungsfähigkeiten. Indem sie auf sich selbst achten, zufrieden und ausgeglichen sind. Sie besitzen ein entsprechend großes Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und sind sich ihrer selbst bewusst.

Durch Selbstwahrnehmung ist es möglich, die eigenen Emotionen wie Stimmung, Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen, zu verstehen und zu akzeptieren. Diese einzigartige Fähigkeit ist entscheidend, um das eigene Verhalten, die eigenen Gedanken und Gründe für Entscheidungen zu verstehen.

Die Bedeutung des Mitgefühls

Schon Adam Smith, Moralphilosoph und Begründer der freien Marktwirtschaft hat sich mit der Bedeutung des Mitgefühls und der Ethik auseinander gesetzt. In seinem Werk „Die Theorie der ethischen Gefühle" (1759) geht er besonders auf Situationen ein, in denen das gesellschaftliche Zusammenleben eine zentrale Rolle einnimmt.

Demnach ist er überzeugt, dass soziales Leben im Zusammenspiel von Wirtschaft und Gesellschaft nur durch das gegenseitige Erfahren und Empfinden von „Lust, Leid und Pflichtgefühl" gelingt.

Adam Smiths entwickelte daraus die Idee vom „Eigennutz" jedes Einzelnen, gelenkt und geführt durch eine „unsichtbare Hand" des Marktes, welche die Empathie in den Hintergrund drängt.

Doch die Empathie lässt sich nicht verdrängen, das menschliche Vermögen, sich in Absichten, Ansichten und Wünsche anderer hinein zu fühlen und sie zu verstehen sind wichtig, um auch in der digitalisierten Welt potenzielle Kunden zu erreichen und Geschäftsmodelle nachhaltig zu etablieren.

Für die meisten Menschen ist das jedoch nicht einfach, insbesondere wenn es um das Verständnis eigener Emotionen geht. Praktisch fühlt sich eine große Anzahl von Menschen ihren Gefühlen regelrecht ausgeliefert. Sie lehnen sie ab, versuchen Gefühle zu verdrängen oder vermeiden es mit bestimmten Situationen in Berührung zu kommen.

Besser ist es aber, sich der Realität und den Ursachen bewusst zu werden, damit die eigenen Gedanken und Gefühle selbst aktiv beeinflusst und gesteuert werden können.

Im Falle einer tatsächlichen oder vermeintlichen Bedrohung können unsere Emotionen schnell in Angst oder Besorgnis umschlagen. Diese Veränderung der emotionalen Reaktivität findet in einem für unsere Gefühle zuständigen Bereich im Gehirn statt. Dieser Bereich wird als das „Limbische System" oder auch als das emotionale Gehirn bezeichnet. Die Funktionen des limbischen Systems sind demnach vielseitig. So ist es besonders für viele mentale Prozesse mitverantwortlich. Insbesondere die Entwicklungen des Denkens und der emotionalen Intelligenz.

Durch Selbstregulierung die eigenen Emotionen zu beeinflussen bedeutet, seine Gefühle so zu beherrschen, dass sie der entsprechenden Situation oder dem jeweiligen Umfeld gegenüber angemessen sind.

In Bezug auf den Austausch mit Kunden und Partnern ist die Vertrauenswürdigkeit ein wichtiger Baustein. Schon durch wenige Verhaltensänderungen erreicht man ein hohes Maß an Ehrlichkeit und Integrität.

Wie es möglich ist, einfühlsam schwierige Entscheidungen zu treffen, beschreibt Daniel Goleman in seinem Buch „Der Erfolgsquotient":

Mit emotionaler Intelligenz zu motivieren heißt die Fähigkeit, aus sich selbst heraus Leistungsbereitschaft zu aktivieren und Begeisterungsfähigkeit zu entwickeln. Dabei gilt es, sich besonders in schwierigen Situationen und Phasen zum Weitermachen zu motivieren und trotz Widrigkeiten ein gesetztes Ziel beharrlich zu verfolgen.

Es geht darum, bewusst Emotionen so zu beeinflussen, dass sie bei der Erreichung von Zielen helfen. Dazu gehört die entsprechende Eigenmotivation und Selbstdisziplin sowie die Fähigkeit, andere Personen erfolgreich zu motivieren.

Dies setzt aber die Fähigkeit voraus, in der Lage zu sein, kurzfristige emotionale Vorteile und Verlockungen beiseite zu schieben, spontane Reaktionen zu unterdrücken und sich so Perspektiven und Möglichkeiten zu schaffen.

Werte als Fundament

„Wer sich für andere interessiert, gewinnt in zwei Monaten mehr Freunde als jemand, der immer nur versucht, die anderen für sich zu interessieren, in zwei Jahren." Dale Carnegie, US-amerikanischer Kommunikations- und Motivationstrainer.

Soziale Kompetenz ist die Grundlage für eine Zusammenarbeit im Unternehmen und zwischen Partnern. Soziale Kompetenz und Mitgefühl ist auch die Voraussetzung für Anerkennung, Wertschätzung und Integration von Führungskräften als Grundlage von Leadership-Merkmalen.

Demnach liegt einer der größten Vorteile des Mitgefühls darin, dass es bei der Führungskraft besondere Leistungsfähigkeiten hervorruft.

In der praktischen Umsetzung in Bezug auf die eigene emotionale Intelligenz geht es darum, den Blickpunkt von der eigenen auf die andere Person zu legen. Sozusagen vom „Ich" hin zum „Wir".

Der Autor Bill George, ehemaliger CEO von Medtronic und Professor für Management an der Harvard Business School beschreibt die Veränderung vom „Ich" zum „Wir" als den wichtigsten Prozess, den Führungskräfte durchlaufen können, um Authentizität zu gewinnen.

„Wie sonst sollen sie die Kräfte ihrer Organisation entfesseln, wenn nicht dadurch, dass sie die Menschen motivieren um ihr volles Potenzial und deren Fähigkeiten auszuschöpfen? Wenn unsere Befürworter lediglich unserem Beispiel folgen, werden sie in ihren Bemühungen durch unsere Vision und unsere Anweisungen begrenzt. Erst wenn sich Verantwortliche nicht mehr ausschließlich auf die Bedürfnisse ihrer Egos konzentrieren, können sie weitere Führungskräfte aufbauen."

Fragen zur Umsetzung an Führungskräfte

• Wie weit erscheinen die persönlichen Ziele und kommunizierten Überzeugungen der Führungskraft authentisch? Wie gut nimmt diese Person eine Vorbildfunktion wahr?

• Wie stark ist die Leistungs- und Lernbereitschaft der Mitarbeiter?

• Verfügen die Mitarbeiter über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse, um die gestellten Aufgaben selbständig und auch im Sinne der Kunden umzusetzen?

• Basiert der Umgang miteinander auf fairen, transparenten und ehrlichen Regeln? Folgen die zwischenmenschlichen Beziehungen konstruktiven Werten wie Vertrauen und Offenheit?

• Ist den Mitarbeitern klar, was von ihnen erwartet wird und welche Konsequenzen bestehen, wenn die Anforderungen nicht erfüllt werden?

• Ist das Handeln der Mitarbeiter mit den Chancen und Risiken sowie deren wirtschaftlichen Konsequenzen ausgerichtet?

• Werden freies Denken, Veränderungsvorschläge und Ideen gefördert und entsprechend umgesetzt?

Weitere Informationen:

Tobias Loitsch: German Angst und Überheblichkeit: Wo ist unser Gründergeist geblieben?

Zum Thema Empathie: AUF EIN WORT: Gemeinschaftsinitiative von Valerie Niehaus

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In loser Folge werden in diesem Blog Gesichter der Nachhaltigkeit vorgestellt, die sich dem Megatrend Digitalisierung widmen und mit ihren Beiträgen Denkanstöße für die weitere Diskussion im Internet geben möchten.

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