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Einrichten im Grünen: Warum draußen das gute Leben ist

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GARDEN FURNITURE
KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
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Billig war gestern

Gartenmöbel günstig zu kaufen hatte bis vor einigen Jahren für viele Menschen oberste Priorität. Heute gehören billige Baumarktmöbel endgültig auf den Sperrmüll. Spartanisches und günstiges Gartenmobiliar ist in Deutschland immer seltener zu finden. Norman Kietzmann wies kürzlich in der WirtschaftsWoche nach, dass es in deutschen Gärten, Terrassen und Balkons inzwischen sogar „luxuriös" zugeht:

Das Wohnzimmer hat sich nach außen verlagert - was früher hochwertig und formschön die Innenräume schmückte, hat nun seinen Platz in der Natur. Sofas, Sessel, Schränke, Kommoden, Tische und Liegen - geflochtene, filigrane oder verspielte Outdoormöbel werden zu ganzen „Landschaften" inszeniert, die zeigen (sollen), wer wir sind und was wir wollen.

Eine Studie des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH) belegt, dass die Deutschen im Jahr 2015 etwa 1,3 Millionen Euro für Garten- und Balkonmöbel ausgaben (Gartenaccessoires sind darin nicht enthalten). Zwar machen im europaweiten Vergleich Frankreich und Italien aufgrund des besseren Wetters den meisten Umsatz mit Gartenmöbeln, doch die Tendenz in Deutschland ist seit Jahren steigend.

Eine Vielzahl der aktuellen Medienberichte beschränkt sich auf die neue Designkultur - die Geschichte hinter den Produkten steht kaum im Fokus: Welche Materialien wurden verwendet? Wo wurden sie gefertigt und von wem? Gab es faire Konditionen? Sind die Produkte recyclingfähig? Können sie in natürliche Kreisläufe zurückgeführt werden? Entspricht es nachhaltigen Qualitätsansprüchen?

Auch nach sozialverträglichen Arbeitsbedingungen in der Produktion sollte gefragt werden. Denn Gartenmöbel verstärken nicht nur das „entspannte Lebensgefühl im Freien", merkt auch Kietzmann zu Recht an, „sie leisten mitunter auch Wirtschaftshilfe in benachteiligten Regionen".

Woran man nachhaltige Gartenmöbel erkennt

Das Material bei Gartenmöbeln sollte sorgsam gewählt werden, denn es muss wetterfest, UV-beständig, langlebig und dennoch pflegeleicht sein. Geeignet sind besonders Möbel aus Metall und Holz. Für den Außenbereich ist die Robinie die ideale Holzart, weil es sich um ein sehr schweres und hartes Holz handelt, das außerdem (auch gegen Pilze und Fäulnis) sehr widerstandsfähig ist und wenig Feuchtigkeit aufnimmt.

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Gartenmöbel aus Holz gehören nach wie vor zu den meistverkauften. Viele werden aus Teak, einem besonders wetterfesten Tropenholz, hergestellt. Lothar Hartmann, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement bei der memo AG, verweist in einem Interview mit UmweltDialog darauf, dass der Ökoversender allerdings keine Gartenmöbel aus Teakholz führt. Diese Beschränkung erfolgt sehr bewusst, weil nicht sichergestellt werden kann, „dass dieses Tropenholz nicht aus Gebieten stammt, in denen das Holz durch Raubbau gewonnen wird, wodurch dann häufig auch die Lebensgrundlage indigener Völker und vieler Tierarten bedroht ist."

Zudem wird Wert auf kurze Transportwege gelegt, was bei Tropenholz nicht oder selten gegeben ist. Gartenmöbel ohne Nachhaltigkeitszertifikat sind heute kaum noch wettbewerbsfähig. Tropenholz bringt beim Verbraucher „immer eine gewisse Skepsis mit sich, weshalb sich Outdoor Möbel ohne Siegel kaum verkaufen".

Ökologische Unternehmen setzen auf das Umweltlabel FSC®. Forest Stewartship Council ist eine internationale Vereinigung, die sich für nachhaltige Forstwirtschaft einsetzt. Die Preise für nachhaltige Gartenmöbel sind fair, können jedoch nicht mit den Preisen bei Discountern oder in Baumärkten mithalten. Gute Gartenmöbel haben ihren Preis, halten dafür aber fast ein Leben lang.

Sehnsucht nach dem guten Leben

Gartenmöbel gehören wie die Küche heute zum Luxus der Deutschen, besonders gefragt sind beispielsweise Loungemöbel für die Terrasse. Besonders beliebt sind helle oder dunkle Naturfarben wie Anthrazit oder Mokka, häufig in Kombination mit einfarbigen Polstern und Kissen.

Lust an Inszenierung und nachhaltiges Bewusstsein müssen sich nicht ausschließen, denn den meisten Menschen geht es um Anspruch und Herausforderung des guten Lebens, was auch durch Gartenmöbel und -landschaften ausgedrückt wird. In einer Welt, die immer geschmackloser wird und seelisch verkümmert, wächst die Sehnsucht nach Sinn, verstärkt sich der Wunsch, dem Alltag nicht passiv ausgesetzt zu sein, sondern formgebend in ihn einzugreifen und die Welt „draußen" zu verbessern. Dazu gehört auch, uns mit Dingen zu umgeben, die uns glücklich machen und nicht auf Fehlkäufe zu setzen. Dinge und ihre Ordnung erzählen eine Geschichte - mit unserem Verhältnis zu ihnen gestalten wir die Welt.

Quellen und weitere Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gartenzeit: Wie wir Natur und Kultur wieder in Gleichklang bringen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017; Von Lebensdingen: Eine verantwortungsvolle Auswahl. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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