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Einfach vernetzt! Wie wir die Herausforderungen der Zukunft richtig meistern können

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Viele Unternehmen und Organisationen vertreten die Annahme, dass Digitalisierung ausschließlich mit dem Einsatz von neuen Technologien zu tun hat. Doch sie ist weitaus mehr, weil sie die Art, wie wir denken, wie wir uns Wissen aneignen und nutzen, radikal verändert.

Digital ist bereits fast alles vernetzt, aber wir selbst tun uns oft schwer, in Zusammenhängen zu denken, was auch an der Art liegt, wie Bildungseinrichtungen die Welt präsentieren. Wo Wissen und Denken unvernetzt bleiben, schwindet die Fähigkeit, die Natur komplexer Systeme zu verstehen. Die getrennten Komponenten sind zwar alle einzeln bekannt, aber nicht die Beziehungen und das Wechselspiel zwischen ihnen.

Digitalisierung ist also auch und vor allem eine Frage der Bildung und der Vernetzung, „die Quelle von Komplexität", die nach Prof. Fredmund Malik der wichtigste neue Rohstoff für entscheidende Konkurrenzvorteile sowie für die Verstärkung von Intelligenz und Kreativität ist.

Vernetzung ist Wissensarbeit. Dafür braucht es vor allem Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit zu erkennen, welches Wissen in entsprechenden Situationen angewandt werden kann. Doch wie reif sind Unternehmen für die tiefgreifenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft?

Hier ist vor allem die Unternehmensführung gefragt, die eine Gesamtstrategie entwickeln muss, in der diese Themen gemeinsam mit der Nachhaltigkeits- und CSR-Strategie sinnvoll in die Unternehmenskultur überführt werden können. Der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen und Organisationen hängt zudem stark von den angewandten Managementpraktiken ab.

„Mit herkömmlichen Mitteln werden wir die Herausforderungen nicht meistern", sagt Managementvordenker Fredmund Malik, der ebenfalls betont, dass die heutige Digitalisierung erstmals die ganzheitliche Vernetzung von allem mit allem ermöglicht.

Die aktuelle Studie „Herausforderung ‚Grosse Transformation21'" des Malik Institute St. Gallen (Schweiz) zeigt, wie enorm der Wandel in Organisationen aus der Sicht des Top-Managements ist. Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft verlangen radikal neue Lösungen, wie Unternehmen organisiert und geführt werden müssen. Für die neuen Herausforderungen braucht man neue Management-Tools und -Methoden.

Rund 50 oberste Führungskräfte, Unternehmerinnen und Unternehmer, CEOs und HR-Verantwortliche aus dem deutschsprachigen Raum führten dazu mit Fredmund Malik persönliche Gespräche. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie wurden gebeten, in einem gedanklichen „Panoramablick" ihre wichtigsten aktuellen Herausforderungen (die sie „nachts nicht schlafen lassen") zu erläutern. Sie sollten darlegen, was sie und ihr Unternehmen beschäftigt, mit welchen Chancen und Risiken sie sich konfrontiert sehen und wie sie selbst als oberste Führungskräfte damit umgehen.

Klar erkannt wurde, dass „Bahnbrechendes" getan werden - doch in den Chefetagen ist die Art der entsprechenden Umsetzung häufig noch unklar: „Das Was ist erkannt - das Wie aber noch nicht."

Um ins Unbekannte der Neuen Welt aufzubrechen, braucht es nach Malik drei Strategien:

• Strategie #1 ist nötig für die noch vorhandenen Restpotenziale der Alten Welt
• Strategie #2 für die neuen Potenziale der Neuen Welt
• Strategie #3 für den Übergang von der Alten in die Neue Welt. In der Transformation geben die bisherigen Navigationssysteme dafür systematisch falsche Signale.

Die wichtigsten Malik-Ergebnisse im Ăśberblick:

_ Viel mehr als digitale Transformation

Als eine der stärksten Triebkräfte der Transformation wird die Digitalisierung gesehen. Sie dominiert die Wahrnehmung der Herausforderungen auf der Sachebene der Unternehmen (auch wenn dies einige wenige anders sehen). Die Vernetzung von immer mehr Lebensbereichen führt zu einer enormen Komplexität, mit der Organisationen konfrontiert sind. Revolutionen finden bereits statt, sowohl in der Technik, als noch weit stärker im Funktionieren von Organisationen selbst.

_ „Menschen ändern sich nicht!" Bisheriges Changemanagement verhindert Big Change

Bisher bewährtes Changemanagement ist kraftlos geworden. Gerade Methoden, die von Menschen verlangen, dass sie sich ändern, erweisen sich immer schneller als wirkungslos.
Aber müssen Menschen sich wirklich ändern? Lass Menschen, wie sie sind! Gib ihnen neue Methoden, damit sie anders handeln, ohne sich ändern zu müssen, sagt Malik.

_ Was zu tun ist, wissen viele. Aber nur wenige wissen, wie es zu schaffen ist.

Neue Herausforderungen verlangen neue Lösungen. Diese können nur mit neuen Methoden gefunden werden. Und neue Lösungen fordern eine radikal neue Art des Umsetzens. Mit der bisherigen Praxis scheitert das Umsetzen ebenso, wie Digitalisierungsprojekte an die Wand gefahren werden, führt man sie mit alten Vorgehensweisen ein.

_ Wir brauchen radikal neue Arten des Organisierens

Unter dem Druck von zunehmender Komplexität zeigen die bisherigen Organisationsformen, dass sie den Anforderungen nicht mehr gewachsen sind. Wandel und Dynamik sind unvereinbar mit starren Vorgaben, wie zentral oder dezentral. Funktionierende Organisationen nähern sich mehr und mehr der Struktur und dem Funktionieren von lebenden Organismen. Das neue Management nutzt Komplexität als Quelle für Innovation, Selbstregulierung und Selbstorganisation - kurz: es nutzt Komplexität als wichtigste Ressource für funktionierende Organisationen. Koordinierende Hubs sind die Mittel gegen «Out of Control».

_ Höchstgeschwindigkeitsmanagement

Haben Frühwarnungssysteme versagt? Der Wandel verläuft immer schneller und treibt sich so selbst an. Organisationen müssen dabei nicht nur mithalten, sondern dem Wandel voraus sein. Sich radikal entschlacken und Bürokratie aufgeben, damit sie schnell werden. Was bisher nur nacheinander gemacht werden konnte, geschieht bereits gleichzeitig. Der Handlungsbedarf ist enorm.

Häufig wird beim Veröffentlichen einer Studie danach gefragt, was „neu" ist. Dies stand hier allerdings nicht nur im Fokus, sondern vor allem das, was richtig ist für die Praxis der Führung von Menschen und von Unternehmen sowie für das nachhaltige Funktionieren von Organisationen.

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie ist auch, dass die beschleunigende Transformation eine neue Art von Leadership entstehen lässt. Sie hat keine Ähnlichkeit mit den Leader-(Zerr-)Bildern der letzten Jahre, die oft wenig mit der Realität zu tun hatten:

„Es war etwas für Schönwetter-Kapitäne, die es in der realen Welt aber nicht gibt. Um das zu erkennen, ist es nützlich, zwischen sogenannten grossen und echten Leadern zu unterscheiden. Echte Leader führen durch die richtige Unternehmenspolitik, denn falsche Politik führt zu Mis-Leadership, insbesondere dann, wenn sie noch mit Charisma gepaart ist. Echte Leader versetzen die Organisationen in ihren jeweils richtigen Operations-Modus, in Zeiten der Transformation in einen tiefgreifenden Change-Modus. Dazu braucht es eine klare Sicht, die richtige Lagebeurteilung und persönlichen Mut. Es braucht aber auch die richtigen Werkzeuge und Methoden."

Echte Leader fokussieren sich auf ihre Kernaufgaben und liefern keine Show ab. Sie besetzen die richtigen Stellen mit den richtigen Personen. Auf diese Weise wird die Unternehmenskultur wirksam angepasst und das Umsetzungsmanagement perfektioniert.

Auch Corporate Social Responsibility (CSR) nimmt dabei einen wichtigen Stellenwert ein, denn „Führung ist heute nicht mehr nur die Frage: Liefern Sie den Ebit ab? Sondern: Nehmen Sie auch die gesellschaftliche Herausforderung wahr?"

Zur Person:

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Prof. Fredmund Malik (Copyright: Malik Institute, St. Gallen)

Prof. Dr. oec. habil. Fredmund Malik ist an der Universität St. Gallen / CH habilitierter Professor für Corporate Management, international tätiger Unternehmer, Bestsellerautor und mehrfach ausgezeichneter Experte für die Transformation von komplexen Organisationen sowie für systemkybernetisches Management, Leadership und Governance.

Für den Herausgeberband „CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft" (hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer), SpringerGabler 2017, schrieb Fredmund Malik das Vorwort „BAHNBRECHEND. Die Grosse Transformation21 von der Alten Welt zur Neuen Welt".

Weitere Informationen:

Update 2016. Studie zu Perzeption und Umgang mit transformationalem Wandel durch Top Executives, St. Gallen 2016. Ein Forschungsprojekt des Malik Institute unter der Leitung von Prof. Dr. Fredmund Malik. FĂĽr die Einsicht in die Studie bedanke ich mich bei Mag. Nina Fink (Malik Institute).

Alexandra Hildebrandt: CSR-Manager gesucht! Ein Berufsbild zwischen Wunsch und Wirklichkeit von Amazon Media EU S.Ă  r.l. Kindle Edition 2016.

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