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Einfach und greifbar! So tragen Menschen Verantwortung

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Alexandra Hildebrandt
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Wie wir Halt in der Gemeinschaft finden

Als vor einigen Tagen in der Huffington Post über den „Rest" von Arcandor (ehem. KarstadtQuelle) berichtet wurde, kamen so viele Reaktionen und Anfragen, die nur zusammenfassend beantwortet werden können.

Zudem geht es nicht nur um Arcandor, sondern vor allem um den persönlichen Umgang mit äußeren Krisen, die das Leben von allen Menschen grundlegend beeinflussen.

Viele ziehen sich in Krisenzeiten in sich selbst zurück, andere suchen so schnell wie möglich das rettende Ufer - die meisten aber suchen Halt in der Gemeinschaft.

„Menschliche Tugenden können nur in der Gemeinschaft zur Entfaltung kommen", schreibt die Autorin und Nachhaltigkeitsexpertin Tina Teucher in ihrem Beitrag „Büro ohne Grenzen" (in: N-Kompass magazin. Nachhaltig wirtschaften im Mittelstand. 3/2016, S. 22-23).

Dabei geht es um das Gefühl, sich und seine Welt selbstbestimmt zu gestalten, sich dabei in einer Gruppe Gleichgesinnter aufgehoben zu fühlen und Rückhalt zu haben. Vor allem aber: selbst Verantwortung zu tragen und dies nicht als Bürde oder Last zu empfinden.

Diese Idee der Moderne ist ohne Freiheit des Wollens und Handelns nicht denkbar. In unserer komplexen, vernetzten Welt wird es zugleich immer schwieriger, Verantwortung zu bestimmen.

Umso wichtiger ist es, darüber nachzudenken, wie der Einzelne Verantwortung übernehmen kann.

Verantwortung begreifen

Ein kleiner handgefertigter Miniaturteddy war für die Mitarbeiter_innen, Geschäfts-, Kooperationspartner und Sympathisanten von Karstadt und Quelle (Primondo) in den Jahren 2008 und 2009 das Symbol greifbarer Verantwortungsübernahme - auch im Bewusstsein, dass die großen Ereignisse nicht zu ändern sind.

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Foto: Suzanne von Melle

Bislang sind die damaligen Aktionen und das, was daraus folgte, noch nicht gebündelt dargestellt worden, was an dieser Stelle - verbunden mit einem nachträglichen Dank an alle Beteiligten - nachgeholt werden soll:

Die Fotografinnen Suzanne von Melle und Elke Deichmann, die Fotografen Ingo Boddenberg und Peter Stumpf dokumentierten das Gesamtprojekt von Anfang bis Ende in Bildserien, darunter auch alle Karstadt-Demonstrationen und TV-Berichterstattungen.

Der Künstler Thomas Kus, derzeit als Gestalter für Visuelles Marketing tätig, fertigte ein Ölbild an:

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Ausschnitt des Ölgemäldes von Thomas Kus (kostenloser Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Künstlers)

Der Chefredakteur und Geschäftsführer von changeX, dem Online-Medium für Zukunftsideen, neue Wirtschaft und Innovation, Winfried Kretschmer, berichtete fortlaufend. Ebenso der Herausgeber von Glocalist, Dr. Christian Neugebauer und Redakteurin Bettina Dürrheim (Wien), außerdem Dr. Elmar Lenzen, Chefredakteur von UmweltDialog und das Team von "NRW denkt nachhaltig".

Der Essener Kommunikationsexperte Dieter Sawatzki dokumentierte die damaligen Medienberichte. Der Reporter John R. Braun präsentierte im Nürnberger Marktspiegel Statements und Fotos prominenter Mitstreiter aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur.

In diesen CSR- und Nachhaltigkeitsmedien wurde u.a. berichtet:


Verantwortung ganz konkret

Teddy hilft Verantwortung tragen

Verantwortung - und wer trägt sie?


Ein Bär begleitet Arcandor in schweren Stunden

„Welche Zeiten, in denen wir leben..."

Eine besondere Herausforderung war die Zeit der Insolvenz, weil es keine Möglichkeit mehr gab, offiziell über eine Institution zu agieren, sondern nur noch als Privatperson.

Der Leipziger Innovationsstratege Jan Graf erklärte sich spontan bereit, auf eigene Kosten Postkarten zu drucken und die Website „Verantwortung tragen" ehrenamtlich zu entwickeln und zu pflegen.

Diese Seite gibt es heute noch, ist allerdings seit einigen Jahren nicht mehr auf dem aktuellsten Stand, weil die Ansätze der Initiative in andere Projekte eingegangen sind.

Aus den Mohair-Resten der kleinen Bären fertigte das Teddy-Unternehmen einen etwa 50 cm großen Bären an. Das „Upcycling"-Produkt erwarb der Corporate Governance- und Nachhaltigkeitsexperte Rudolf X. Ruter käuflich und spendete den Betrag.

Parallel schrieb ich das Buch „Welche Zeiten, in denen wir leben", das mit großem Engagement von der Verlegerin Astrid Kehsler betreut wurde und 2010 im Kehsler Verlag mit Illustrationen von Raimund Frey erschien.

Vor dem Hintergrund der damaligen Krisen habe ich Thomas Manns Roman „Buddenbrooks" im Spiegel der Gegenwart neu interpretiert: Konzentration, Offenheit und Leidenschaft auf der einen Seite - Getriebensein und Leistungsdruck auf der anderen:

Fließend ist für den Protagonisten Thomas Buddenbrook der Übergang vom Erfolg zum Scheitern: Sein Niedergang liegt im Trend einer Zeit, die Grundsätze über Bord wirft, um Moden und dem schnellen Geld nachzueifern.

Pro direkt beim Verlag bestelltem Buch gingen 2 Euro an „Verantwortung tragen". Mit jedem weiteren Exemplar einer Bestellung stieg der Förderbetrag um 2 Cent pro Buch.

Um eine eigenständige Stiftung zu gründen, wären die Beträge zu gering gewesen. Aus diesem Grund ist die Initiative mit den Mikroförderbeträgen 2011 als Nebenprojekt in die DFB-Stiftung Egidius Braun eingegangen, die auch mit geringen finanziellen Mitteln nachhaltige gesellschaftliche Initiativen unterstützt.

Die deutsche Teddy-Firma, die die Miniaturbären anfertigen ließ, schenkte den Initiatoren einen lebensgroßen Bären, der ebenfalls einen grünen Schal mit der Beschriftung „Verantwortung tragen" trug.

Bis 2010 stand er für alle Kunden sichtbar in der Karstadt-Filiale Bochum. Die Geschäftsführerin Bianca Kroos übergab ihn im Rahmen der 1. Burgthanner Dialoge im Herbst 2010 an Heinz Meyer, dem 1. Bürgermeister der Gemeinde Burgthann.

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Unterstützer_innen von "Verantwortung tragen" bei den Burgthanner Dialogen 2010 (Copyright: Gemeinde Burgthann)

Seit 2010 steht der Bär im Rathaus und soll künftig für Mikroprojekte im Nachhaltigkeitsbereich eingesetzt werden (Ideen sind dort jederzeit willkommen).

Einige Ansätze des Verantwortungsprojekts sind in die nicht-kommerzielle Initiative Gesichter der Nachhaltigkeit integriert worden, die gemeinsam mit Hauke Schwiezer gegründet wurde. Die dazugehörige Website wird seit 2012 ehrenamtlich betrieben und gepflegt.

Hier geht es darum, Gesicht zu zeigen und in seiner Verantwortungsübernahme für andere erkennbar zu sein.

Das ist auch ein wesentliches Anliegen der Veranstaltung Burgthanner Dialoge, die seit Jahren ausgewählte „Gesichter der Nachhaltigkeit" präsentiert.

Einflussmöglichkeiten des Einzelnen

Initiiert und Organisiert wird sie von der Gemeinde Burgthann. Von Beginn an begleitet Elke Leser, die hier das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit leitet, die Veranstaltung.

Die jährlich im Oktober stattfindenden nicht-kommerziellen Burgthanner Dialoge sollen inspirieren und ermutigen, sich mit der Vielfalt des Nachhaltigkeitsthemas zu beschäftigen und zeigen, dass es wichtig ist, persönliche Einstellungen und professionelle Praxis zu verbinden.

Es geht um das Postulat der Stunde: Handeln statt Reden und Zuversicht statt Zweifel.

Zugleich leistet diese Veranstaltungsreihe, die kostenlos besucht werden kann (Anmeldung erforderlich), einen wichtigen Beitrag für die Kommunalpolitik, denn gerade unter den Bedingungen der Globalisierung und Digitalisierung, die vielfach mit räumlichen Entankerungen verbunden sind, kommt dem Regionalen die Aufgabe einer soziokulturellen Stabilisierung zu.

Daher geht es auch um Zukunftsstrategien, um die Lebensqualität vor Ort und Nachhaltigkeit, die hier nicht als abstrakter Begriff verstanden wird, sondern als etwas, das mit dem eigenen Leben zu tun hat und auch weit in das Gemeindewesen hinein strahlt.

Die Dialogveranstaltung ist die Nahstelle, die Regionales und Globales verbindet - in einem Rahmen, der das menschliche Bedürfnis nach Austausch und Nähe erfüllt.

Dabei geht es um Fragen zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels und die Einflussmöglichkeiten des Einzelnen.

Das sind auch wichtige Kriterien für die jährliche Auswahl des Ehrengastes, der neben namhaften Unternehmern honorarfrei über sein gesellschaftliches Engagement spricht.

Zu den Ehrengästen gehörten in den vergangenen Jahren Dr. Theo Zwanziger, Uschi Glas, Dr. Rainer Koch, Jutta Speidel, Michael Herberger und Waldemar Hartmann.

Ehrengast 2016 ist der internationale Innovations- und Managementexperte Tim Leberecht, der aus dem Silicon Valley anreisen und über die Sehnsucht nach einem anderen Wirtschaftsleben sprechen wird.

Für den Autor des Bestsellers „Business-Romantiker" rechtfertigen sich Marktsysteme nicht durch Effizienz und Profite, „sondern weil Menschen zuallererst soziale und emotionale Wesen sind, denen Märkte eine gleichgesinnte Gemeinschaft für den sozialen Austausch bieten."

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Copyright: Gemeinde Burgthann

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