Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

Drucken statt ducken. Wo wir die besseren Seiten der Wirtschaft finden

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SUSTAINABLE
thinkstock
Drucken

Vom Besserwissen zum Selber-Handeln

Das gute Leben gibt es nicht umsonst: „Du kannst die Großwetterlage nicht verändern, aber das Klima an dem Ort, an dem Du lebst." Dieser Satz von Meinrad Armbruster, Professor für Pädagogische Psychologie und Social Entrepreneur, ist heute besonders wichtig, weil es keine Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Lebensfreundlichkeit ohne Selbstbemächtigung gibt.

„Selbermachen! Mit Empowerment aus der Krise" heißt sein aktuelles Buch, das anschaulich zeigt, wie jeder von uns etwas im eigenen Leben verändern kann - ganz einfach, weil wir es wollen und uns nicht ablenken lassen von den Sonderangeboten des Lebens, die überall einfach zu haben sind.

Empowerment entwickelt sich derzeit zu einem Schlüsselbegriff in der Diskussion der Zivilgesellschaft und des bürgerschaftlichen Engagements. Darüber hinaus ist er auch in der Wirtschaft als nachhaltiges Konzept in Management und Führung anerkannt.

Unsere Chancen, etwas zu verändern und das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen, liegen nicht in der Zukunft, sondern vor der Nase. Wer auf den Super-Job wartet oder das eine große Ding im Leben, vergibt etliche Möglichkeiten, denn es ist die Hingabe an das Hier und Jetzt, das Chancen schafft. Der Schlüssel dafür ist Initiative. Sie ist wirksam, wenn sie mit innerer Achtsamkeit, wohlwollendem Engagement für sich und andere und einem sorgsamen Umgang mit der Natur verbunden ist.

Das Buch von Meinrad Armbruster macht Mut und zeigt, dass Mitbestimmung, Teilhabe und direkte Demokratie keine Utopien mehr sind. Doch dazu braucht es Informationen, denn es reicht nicht, nur „so ungefähr" Bescheid zu wissen - Nachhaltigkeit braucht Aufmerksamkeit und Klugheit im Ganzen. Das lässt sich an einem spezifischen Thema wie „Nachhaltiger Druck und nachhaltiges Publizieren" eindrucksvoll belegen.

Empowerment in der Druckbranche

Die Umsetzung in der Unternehmenspraxis findet teilweise nur zögerlich und punktuell statt, weil das bislang eher lückenhafte Wissen in gebündelter Form bislang nur schwer zugänglich war. Aus dem vom Bundesumweltministerium unterstützten Projekt „Nachhaltig Publizieren - Neue Umweltstandards für die Verlagsbranche" haben sich deshalb auf den Bedarf von Verlagen zugeschnittene Handlungsoptionen ergeben.

Dieses Potenzial soll mit dem ebenfalls vom Bundesumweltministerium unterstützten Projekt „Entwicklung eines Umweltzeichens Blauer Engel für umweltfreundliche Druckerzeugnisse" ausgeschöpft werden.

Gerade am Beispiel Druck, der viele Stellschrauben für eine bessere Ökobilanz bietet, zeigt sich auf greifbare Weise, dass es nicht nur darauf ankommt, die Dinge richtig zu machen, sondern die richtigen Dinge besser zu machen. Dazu braucht es solidarische Kooperationen, die persönliches Handeln und die Übernahme von Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt einschließt.

Hier schließt sich der Kreis zum Empowerment-Ansatz, denn nur „wer mitbestimmen kann, kann auch Verantwortung übernehmen", sagt Claudia Silber, die bei der memo AG die Unternehmenskommunikation leitet.

Erst wenn die Eigenverantwortung von Mitarbeitern unterstützt wird, „können sie sich mit dem Unternehmen, der Philosophie, den Zielen und Maßnahmen besser identifizieren", so die Nachhaltigkeitsexpertin. Allerdings ist im Bereich Nachhaltigkeit Verständlichkeit essentiell. „Nur wenn jeder versteht, um was es geht, und was die Vorteile sind, kann Überzeugungsarbeit geleistet werden."

Warum Erfolg die Folge von Entscheidungen ist

Was bedeutet das Thema Druck für den Öko-Versandhandel, der Produkte für Büro, Schule, Haushalt und Freizeit anbietet? Der Nachhaltigkeitsbericht 2013/2014 ist dafür eine hervorragende Quelle, die auch für andere Unternehmen und Branchen übertragbare Informationen enthält: So wird keines der Werbemittel im Ausland produziert.

Seit 2007 neutralisiert das in Greußenheim ansässige Unternehmen die nicht vermeidbaren CO2-Emissionen, die beim Druck, bei der Papierherstellung und beim Versand der Printmedien anfallen, durch Investitionen in anerkannte Klimaschutzprojekte.

Der Logistikpartner DHL berechnet die verursachten CO2-Emissionen beim Transport der Kataloge und gleicht sie im Rahmen der GOGREEN-Initiative durch die Förderung internationaler Umweltschutzprojekte aus.

Für die Herstellung der Produktkataloge werden ausschließlich Farben mit Lösemitteln auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie Raps oder Leinsamen verwendet. Vor jeder Katalogproduktion werden die eingesetzten Materialien bezüglich des neuesten Stands der Technik überprüft. Seit 2011 sind die beiden Gesamtkataloge mit dem „Blauen Engel" für Druckobjekte ausgezeichnet.

Die memo AG arbeitet ausschließlich mit Druckereien zusammen, die in der Lage sind, die vom Unternehmen vorgeschriebenen Materialien zu einem marktgängigen Preis hochwertig und umweltgerecht zu verarbeiten.

Der Nachhaltigkeitsbericht wurde beispielsweise von der Druckerei Lokay, der ersten klimaneutralen Druckerei Hessens, hergestellt. Die 1932 gegründete Druckerei steht für eine vollstufige nachhaltige Produktion, die seit 2007 als eine von wenigen Druckereien nach EMAS zertifiziert ist. Das schafft Transparenz und sichert die konsequente Umsetzung der eigenen Umweltziele.

„Der Einsatz von FSC-Papier und die Klimaneutralstellung von Druckaufträgen gehört heute zum Standard bei Druckereien, sagt aber noch nichts über die Umweltleistung einer Druckerei aus", so der Prokurist Thomas Fleckenstein, der gemeinsam mit dem Inhaber Ralf Lokay Geschäftsführer der Druckerei ist.

Beide sind davon überzeugt ist, dass einem Verbesserungen nicht vor die Füße fallen: „Man muss sich bewegen, stets dranbleiben, muss nachdenken, ausgetretene Pfade verlassen und neue Wege beschreiten". Die Preisstrukturen im Druckbereich sind nach Ansicht von Thomas Fleckenstein sehr heterogen, bedingt durch die Vielzahl an verschiedenen Produktvariationen und den jeweiligen Maschinenkonfigurationen.

Es gibt, so Fleckenstein, nicht „die günstigste" oder „die teuerste Druckerei". Er unterteilt den Markt in vier Bereiche: konventionelle Druckereien + nachhaltige Druckereien + konventionelle Online-Druckereien + nachhaltige Online-Druckereien. Innerhalb der Gruppe der nachhaltigen und konventionellen Druckereien kann sich das Unternehmen preislich sehr gut behaupten, ebenso bei den Produkten Heften, Broschüren und Büchern auch im Bereich der Online-Druckereien. Dennoch steht das Unternehmen in einem harten Wettbewerb mit konventionellen Druckereien.

Seit 2009 wird hier ohne den Klimakiller IPA (Isopropylalkohol) gedruckt und seit 1998 mit Farben auf Basis nachwachsender Rohstoffe verzichtet. Alle Druckplatten werden chemiefrei belichtet. Durch die konsequente Modernisierung unseres Gebäudes im Jahr 2013/2014 konnte die Umweltperformance weiter verbessert werden.

Klein beginnen

Als die Tochter von Ralf Lokay geboren wurde, entschied sich die Familie, nur noch Bio-Lebensmittel zu kaufen. Und so dauerte es nicht lange, bis sich diese „Gesundung" und Begeisterung auf das Unternehmen übertrug: Es wurde konsequent auf umweltfreundliche Printprodukte umgestellt.

Als Lokay im Jahr 2006 begann, sich intensiv mit dem Thema des nachhaltigen Wirtschaftens auseinander zu setzen, wurden zunächst alle Unternehmensbereiche „durchleuchtet". Bei der Bewertung der direkten und indirekten Umweltaspekte haben die Verantwortlichen schnell gemerkt, dass sie im Bereich der Druckpapiere- und Betriebsstoffe zwar schon auf einem guten Weg waren, aber bei der Büroausstattung - angefangen vom Kopierpapier über die Druckertonerpatronen bis hin zum Bürokaffee - waren sie noch sehr konventionell ausgestattet.

Bei diesem Wandel war die memo AG für das Unternehmen ein idealer Begleiter und Ausstatter. „So haben wir dann mit der Umstellung auf 100 % Recyclingpapier in allen Bürodruckern begonnen und uns dann Schritt für Schritt den anderen Themenbereiche im Büro gewidmet", sagt Fleckenstein. Da beide Unternehmen oft auch auf den gleichen nachhaltigen Messen ausstellen, hat sich in den letzten Jahren eine „sehr intensive und freundschaftliche Partnerschaft entwickelt".

An den Firmenbeispielen und der gewachsenen Kooperation, die auf gemeinsamen Werten und Zielen basiert, zeigt sich, was Empowerment in der unternehmerischen Praxis, aber auch im Leben ausmacht: im Kleinen beginnen, sich Verbündete suchen, jetzt handeln und nicht warten, bis „bis irgendwelche Großkopfete - von der Wissenschaft über die Politik über die Verwaltung über die Verbände - ihre Weisheiten von oben nach unten durchstreichen, in der irrigen Annahme, dass sich die Menschen da draußen dafür interessieren und sie umsetzen" (Meinrad Armbruster).

Zu Meinrad Armbruster vgl. auch: Gesichter der Nachhaltigkeit. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Hauke Schwiezer . Heidelberg 2013, S. 409.

Spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schreiben Sie Ihre Idee bei unserem Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite


Close
Die 50 grünsten Unternehmen Deutschlands
von
Teilen
Tweet
Werbung
Aktuelles Bild