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Warum Draußen heute das neue Zuhause ist

28/03/2015 10:52 CET | Aktualisiert 28/05/2015 11:12 CEST
Thinkstock

Outdoor - Im Zeitalter der Digitalisierung aller Lebensbereiche fühlen wir uns heute „draußen zuhause" (Jack Wolfskin) und hören „nie auf, zu entdecken" (The North Face). Es scheint, als sei die Werbung der Outdoorbranche ein Spiegel aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, denn viele Menschen empfinden ihr Leben als überfrachtet, durchorganisiert und fremdbestimmt.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Rückbesinnung auf eine „heile Welt" inzwischen zu einem Massenphänomen geworden ist, von dem auch die Outdoorbranche profitiert. Sie steht für das Image einer intakten Natur und stellt neben Produkten auch Sinnangebote zur Verfügung, die diese Sehnsucht stillen.

Kraft für einen Richtungswechsel finden die meisten nur dort, wo sie ihr inneres Gepäck ablegen können: in der Natur, die mit der Rückgewinnung der eigenen Freiheit verbunden ist. Eine intakte Landschaft steht für Stabilität in einer sich immer schneller bewegenden Welt.

Allerdings gehört zum Richtungswechsel auch, sich über den Kompass des eigenen Lebens klar zu werden. „Erst wenn wir wissen, was uns wirklich wichtig ist, können wir den Hebel und die Kraft zur Umsetzung finden", schreibt Ulrich Schnabel in seinem Buch „Muße" (2012).

Für die Erstellung der eigenen (Lebens-)Route genügen nicht nur Apps für Natur- und Wanderfreunde, die Entfernungen oder Kalorienverbrauch errechnen oder auch fehlende Höhendaten nachladen können, sondern auch die richtigen Gedanken, die es braucht, um entsprechend zu handeln.

Gut und realistisch - ein Branchenblick

Nachhaltigkeit ist für viele Menschen eine Voraussetzung, um sich auf den Weg zu machen. Deshalb wird sie auch immer mehr ein Kaufkriterium: Konsumenten erwarten ökologisch einwandfreie und fair produzierte Produkte.

Die Outdoorbranche hat entsprechend reagiert, aber es ist nicht immer zu erkennen, inwiefern dieses Bekenntnis aus der Branche selbst kommt, oder ob nur auf einen „Boom" oder Konsumenten- und Mediendruck reagiert wird.

Häufig ist sie mit kritischen Fragen konfrontiert, denn viele Outdoor-Produkte enthalten umweltschädliche und gesundheitsgefährdende Chemikalien. Belastet sind vor allem Schuhe. Leider gibt es noch keine komplett giftfreien Bergschuhe.

Peter Waeber, CEO der Schweizer Zertifizierungsfirma Bluesign Technologies in St. Gallen sagte in einem Interview: „Wenn man Schuhe oder Bekleidung mit pharmazeutisch reinen Chemikalien herstellen würde, dann wären die Schuhe nur zu Medikamentenpreisen erhältlich. Dann würde ein T-Shirt 1000 Euro kosten." (SZ, 11/12.1.2014)

Seit Jahren zertifiziert das Unternehmen ökologisch verantwortungsvolle Textilproduktion. Für Waeber treten die Probleme bereits in der Produktion auf, vor allem beim Gerben von Leder.

Eine völlig umweltneutrale Funktionsbekleidung ist ebenfalls eine Wunschvorstellung. Am nachhaltigsten ist es sicher, nur das zu erwerben, was auch benötigt wird und es so lange zu verwenden, bis es nicht mehr genutzt werden kann.

Bei Unternehmen wie Deuter, Hanwag, Patagonia und vielen anderen sind fachgerechte Reparaturen problemlos möglich. Kunstfaser kann Kunstfaser sehr gut wiederverwertet werden und muss nicht in den Restmüll. Einige Hersteller bieten auch eine Rücknahme an.

Zudem besteht die Möglichkeit, ausrangierte Kleidung bei einer Textil-Sammelstelle von FAIRwertung abzugeben. Zusammen mit der Initiative I:COllect versucht beispielsweise Mammut, die aus synthetischen Stoffen bestehende Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung in den Produktkreislauf zurückzuführen.

Statt sie in den Hausmüll zu werfen, können diese in Sammelboxen, die in ausgewählten Outdoor-Shops aufgestellt werden, abgegeben werden.

Woran man nachhaltige Outdoorprodukte erkennt

Der Einkaufsführer „Fair Fashion", der als iPhone App erhältlich ist, bietet Kunden einen guten Überblick beim Kauf von Outdoor-Kleidung. Zu den kleinen Herstellern gehören beispielsweise Zimtstern und Klettermusen. Bei den große Unternehmen gelten Patagonia, Mammut oder VAUDE als Vorreiter im Bereich nachhaltiger Produktion.

Zertifikate schaffen Vertrauen - allerdings nur dann, wenn den Kunden auch erklärt wird, was konkret dahinter steckt. Verkäufer, die das Vertrauen aus den Zertifikaten an den Kunden vermitteln können, gewinnen auch deren Vertrauen.

Besonders wichtig zum Schutz der Umwelt sowie der Gesundheit von Textilarbeitern und Konsumenten ist, dass die Stoffe ungiftig gefärbt, bedruckt oder auch veredelt werden. Hier schaffen Textilsiegel Gewissheit. Beispielsweise Label wie das Gütesiegel Bluesign:

Bei diesem internationalen Qualitätsstandard steht nicht nur das Endprodukt, sondern die gesamte Produktions- und Vertriebskette von Textilien und Schuhen im Fokus. Hier gibt es umfangreiche, öffentlich zugängliche Listen mit kritischen oder verbotenen Chemikalien und zulässigen Grenzwerten.

Die Implementierung des Bluesign® Standards ist ein erster Schritt für einen umweltschonenden, gesundheitsfreundlichen und schadstofffreien Herstellungsprozess. So setzt Mammut seit 2011 u.a. auf diesen Standard.

Seit der Übernahme der Geschäftsführung der VAUDE Sport GmbH & CO KG setzt sich Dr. Antje von Dewitz intensiv für eine konsequente und transparente Nachhaltigkeitsstrategie der VAUDE Sport GmbH & Co. KG ein. Viele Produkte wie Outdoorjacken oder Schlafsäcke werden aus ressourcenschonendem, bluesign®-zertifiziertem Material gefertigt.

Sie enthalten auch das VAUDE Green Shape Logo und sind auch beim Ökoversender memo erhältlich. Das Unternehmen arbeitet mit vielen Organisationen und Verbänden, die seine nachhaltige Philosophie teilt, an zusammen. Dazu gehört auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), einer der großen Umweltverbände in Deutschland, der sich konsequent für den Schutz von Natur und Umwelt einsetzt.

Das Thema Outdoor wurde bei memo sukzessive ausgebaut - von der Softshell-Jacke über das Zelt bis hin zur lebenslang haltbaren Thermoskanne.

„Zugutekommt uns dabei der ‚Trend', dass Aktivitäten im Freien auch bei jüngeren Menschen wieder sehr beliebt sind. Nachdem das klassische Wandern viele Jahre eher ein Stiefmütterchendasein als ‚Senioren-Sport' gefristet hat, erlebte es in den letzten Jahren zu Recht ein Revival als sanfte Sportart mit meditativen Nebenwirkungen", sagt Claudia Silber, die bei memo die Unternehmenskommunikation leitet.

Auch mit der Umsetzung der Richtlinien der Fair Wear Foundation (FWF) schaffen Unternehmen erste elementare Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben der Näher und Näherinnen. Diese Multi-Stakeholder-Initiative wird von Unternehmens- und Textilverbänden, Gewerkschaften sowie Nichtregierungsorganisationen getragen. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gerechte Bezahlung bescheinigt das „Fairtrade"-Siegel.

Das Internationale Naturtextil-Logo GOTS (Global Organic Textile Standard) hat ebenfalls strenge Kriterien. Er gilt für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern und definiert umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette. Zusätzlich umfasst er Sozialkriterien.

Nur Textilprodukte, die aus mindestens 70 Prozent biologisch erzeugten Naturfasern bestehen, können gemäß GOTS zertifiziert werden. Es eignet sich allerdings nur für wenige Funktionstextilien, da es im Gewebe keine Kunststofffasern zulässt, auch nicht aus Recycling-PET.

Viele Materialien, die in konventionellen Produkten die Nässe abhalten oder Schweißgeruch verhindern, sind bei GOTS und auch bei dem noch strengeren Label IVN Best des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft nicht erlaubt. Bei Funktionswäsche aus Merinowolle gewährleisten beide Logos, dass die Wolle aus Öko-Tierhaltung stammt und nicht mit Chlor gebleicht wurde.

Was wir draußen finden

Dass Outdoor heute boomt, hat sicher auch damit zu tun, dass Menschen „draußen" das Gefühl haben, wieder Kontrolle über die eigenen Lebensbedingungen zu bekommen, ja selbstbestimmt zu entscheiden. Wer das kann, empfindet auch weniger Stress und ist gesünder.

Das vermitteln auch Führungstrainings im Freien. Während drinnen etwa die üblichen Seminare zum Zeitmanagement angeboten werden, in denen in der Regel nur vermittelt wird, die eigene (Arbeits-)Zeit effizienter zu nutzen, geht es „draußen" darum, „Führungskompetenzen in einer von äußeren Reizen weitgehend unberührten Umgebung zu trainieren und auszubauen", sagt zertifizierte Natur- und Landschaftsführer David Wolf.

Er begleitet Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam mit dem Trainer und Coach für Führungskräfteentwicklung Daniel Hetzer von Kybos Training und Coaching. „Die Ruhe, die sie in der freien Natur und in den Bergen erfahren, schaffen Distanz zum Joballtag und zu sich selbst. Gleichzeitig schärft die besondere Umgebung das Bewusstsein für die Bedeutung von oft unterschätzten Kleinigkeiten im Führungsalltag", so der Wander- und Outdoorexperte.

„Draußen" lernen alle, die Zeitnot als das größte Übel empfinden und permanent unter Druck stehen, was es heißt, im eigenen und konzentrierten Handeln aufzugehen und sich selbst zu finden - ohne auf die Uhr zu sehen.

Weitere Informationen:

Wa(h)re Funktionsbekleidung


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