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Selbstbestimmung schwarz auf weiĂź: Warum erfolgreiches Selfpublishing Ausdruck von Lebensfreude ist

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MAN CONFIDENT
Paul Bradbury via Getty Images
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"Alle Dinge, die mich interessieren, beinhalten das Wort ‚Selbst'", sagt Hod Lipson, Experte für Robotertechnik am Creative Machines Lab der Columbia University (New York).

Der Trend zur Individualisierung ist mit neuen Formen der Selbstorganisation und Selbstvermarktung verbunden. Selbstständigkeit wird nicht nur zunehmend bei Angestellten gefordert, sondern ist für viele Menschen immer öfter auch eine oder die einzige Beschäftigungsmöglichkeit.

Je mehr Selbstbestimmung, desto mehr (Lebens-)Freude. Das zeigt sich auch im Bereich Selfpublishing.

Amazon sieht das Geschäft von Buchverlagen als Dienstleistung gegenüber Autoren an und betrachtet sich nicht als Gatekeeper, der vor der Veröffentlichung Qualität und Chance auf Erfolg durch Lektoren prüfen lässt.

Zudem wird das Erlösmodell auf den Kopf gestellt, denn alle Leistungen, die ein traditioneller Buchverlag für einen Autor vorlegt und dann durch den geringeren Umsatzanteil in gewisser Weise wieder in Rechnung stellt, können bei Amazon (Create Space) von Autoren gekauft werden: Korrektorat, Covergestaltung, inhaltliches Lektorat etc. werden auf der Create-Space-Plattform als eigene Leistungen angeboten, die Autoren jeweils kaufen können.

E-Books sollten mit der gleichen Aufmerksamkeit geschrieben und umgesetzt werden wie ein richtiges Buch und bieten zahlreiche Vorteile von A bis Z:

Die Vorteile des Selfpublishing von A bis Z

„Im Buchmarkt sind nur Autoren und Leser zwingend erforderlich. Jeder dazwischen hat sowohl Chancen als auch Risiken." (Russel Grandinetti, Amazons Kindle Manager)

• E-BOOKS bei Kindle Direct Publishing (KDP) sind deutlich günstiger als die Hälfte vergleichbarer Verlagstitel. Viele Selfpublishing-Titel sind im Gegensatz zu aktuellen Verlagstiteln in Flatrates wie „Kindle Unlimited" zu finden (häufig verschenken Selfpublisher ihre Bücher sogar, um neue Leser zu gewinnen).

• Inhaltliche und gestalterische EXPERIMENTE sind jederzeit möglich: So können Inhalte ständig neu hochgeladen sowie Cover und Buchtitel verändert werden.

• Die GESTALTUNG (Layout und Design) des Buches liegt beim Autor, der mit professionellen kostenlosen Programmen (z.B. Kindle Cover Creator oder mithilfe des BoD easyEditor) arbeiten kann.

• HONORAR: Autoren können hier deutlich mehr verdienen als mit eigenen Verlagstiteln. Man kann bei KDP die Käufe verfolgen und erhält monatlich einen Bericht von Amazon über die verkauften Einheiten.

• „Betaversionen" der Bücher können nach ersten LESERFEEDBACKS sofort optimiert und hochgeladen werden.

• Neue MARKTNISCHEN können sofort bedient werden, was bei Verlagen mit ihren langwierigen Planungsprozessen nicht möglich ist.

• E-BOOKS sind ein hervorragender MULTIPLIKATOR des eigenen Blogs: So können gleiche Inhalte in beiden Medien angepasst werden.

• Selfpublishing ermöglicht neue PREISMODELLE.

• Social Media-Kommentare, Amazons Empfehlungsalgorithmen und Blogbeiträge über die Werke haben bei den Lesern häufig die Funktion des QUALITÄTSFILTERS.

• Es entsteht eine neue VERBINDUNG zwischen Autor und Leser.

• VERÖFFENTLICHUNGSGESCHWINDIGKEIT: Es braucht nur wenige Mausklicks, um das Manuskript hochzuladen und das Buch online zu stellen.

• Das Interesse der richtigen ZIELGRUPPE (Studenten, Akademiker, Experten/Fachkräfte, Forschung, Populär/Allgemein) kann schneller geweckt und der Nutzen für den Leser greifbarer gemacht werden.

Im Newsletter von Amazon Kindle Direct Publishing (30.12.2016) bemerkt Marah Woolf, Autorin von „Finian Blue Summers oder Was wir sagen, wenn wir schweigen" über den Erfolg ihres Buches:

"Auch im Leben eines Autors bewahrheitet sich der profane Spruch ‚Erfolg ist der Lohn des Tüchtigen'. Die nette Vorstellung vom Schriftsteller der in hübschen Cafés sitzt und auf's Meer starrt, hat leider nichts mit der Realität zu tun. In Wirklichkeit muss man ein tägliches Schreibpensum absolvieren und hart an seinen Texten arbeiten und oftmals ist auch das keine Garantie für Erfolg, aber in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung."

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Es ist kein Zufall, dass die Idee der Gymnastik, in der die Philosophie von Paul Valéry (1871-1945) gründet, heute eine Renaissance erlebt.

Ziel ist die Steigerung der Möglichkeiten, „das Kapital an Genauigkeit, an Kraft, an sicheren und raschen Reaktionen". Jeden Morgen widmete er sich in einem strengen Ritual mehr als fünfzig Jahre lang seinen „Cahiers" (Notizhefte) und setzte der Unsicherheit seiner Zeit diszipliniert und in individueller Höchstleistung die Arbeit des Denkens entgegen.

Was auch immer geschah: Täglich rauchte der Schornstein seiner „kleinen Fabrik". Er eignete sich die Gedanken anderer an und listete diese Anregungen in Fußnoten auf. Ihn interessierte alles.

Am liebsten dachte er allerdings über das Denken selbst nach: Was heißt es zu denken, was kann und woran scheitert es? Er präzisierte in seinen Cahiers auch das „Können": „Ich KANN tun, handeln, ändern - das ist die Bedeutung von Fähigkeit - und der Aspekt des Handelns."

Das wirkliche (wirksame) Wissen ist für ihn Können. Jede Ausbildung, „die ohne Training auskommen will, das heißt ohne eine Methode zur Entfaltung der Kräfte des Individuums", züchtet nach Valéry nur „redende Tiere" heran. Es sollte verboten werden, von etwas zu sprechen, was man nicht gesehen oder selbst erfahren hat. Das gilt auch für Selfpublishing.

Dass ständig üben muss, wer ein Meister werden will, wissen auch viele junge Menschen, die Selfpublishing verstärkt nutzen.

Zu ihnen gehört unter anderem Jonathan Sierck, der 1993 in Sandton (RSA) geboren wurde und Gründer und Geschäftsführer der Inspired World GmbH. Der Autor von „Fü(h)r Dich Selbst" (2014; zweite Auflage 2017), „Selbstbewusstsein & Authentizität" (2016), „#WKDN - 10 Dinge, die du im Leben lernen solltest" (2017) studierte Philosophie mit dem Schwerpunkt in Wirtschaftsethik.

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Cover des Buches „Fü(h)r Dich selbst" von Jonathan Sierck (2. Auflage 2017).

Jonathan Sierck gehört ebenfalls zu denen, die täglich in Übung bleiben (wollen): „Mein Ansatz ist es, dass ich nie weniger als 1.000 Wörter pro Tag schreibe. Dadurch kann ich täglichen Fortschritt beobachten und weiß, dass ich nach spätestens 75 Tagen ein 200-Seitiges Buch geschrieben habe.

Gleichzeitig setze ich somit die Hürde nicht sonderlich hoch und fühle mich nicht unter Druck gesetzt. Dadurch fällt es mir deutlich leichter und an vielen Tagen schreibe ich einiges mehr als 1.000 Wörter. Wichtig ist nur, dass ich nie unter meine 1.000 Wörter komme."

Selfpublishing ist eine Form des Handelns, die auch Hingabe an die selbst gesetzten Aufgaben des Tages sind. Nur auf diese Weise ist praktische Meisterschaft möglich.

Weitere Informationen:

Die 7 häufigsten Fragen zum Selfpublishing

Die Self-Publisher-Bibel

Alexandra Hildebrandt: Selfpublishing 21.0: Warum Verlage zu Dienstleistern der Autoren werden sollten. Amazon Media EU S.Ă  r.l. Kindle Edition 2017.

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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