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Warum digitales Denken mit Fragen beginnt

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DIGITAL CHILD
gpointstudio via Getty Images
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Kleine und groĂźe Fragen an die Welt

Je stärker sich Wirtschaft und Gesellschaft durch die Digitalisierung verändern, desto wichtiger ist es, die richtigen Fragen zu stellen und Antworten zu finden, die uns dabei helfen, Komplexität, Unsicherheiten und Ängste auszuhalten und die Wirklichkeit besser zu verstehen.

Der Ruf aus Politik und Bildung wird heute immer lauter, dass bereits Kinder unbedingt Programmieren lernen sollten, damit sie Apps nicht nur benutzen können, sondern auch verstehen, wie sie aufgebaut sind und programmiert wurden.

Das ist richtig, reicht aber nicht. Denn digitales Denken beginnt zuerst mit der „Kunst des klugen Fragens". Warren Berger widmete dieser Thematik sein gleichnamiges Buch, in dem meisterhafte Frager vorgestellt werden.

Er bricht mit der These, dass Fragen ineffizient sind und führt eine Vielzahl von Studien an, die bestätigen, dass die kreativsten und erfolgreichsten Firmenchefs in der Regel hervorragende Frager sind:

„Sie sind bekannt dafür, dass sie die gängigen Ansichten in ihrer Branche, die grundlegenden Praktiken ihrer Firma und sogar die Gültigkeit ihrer eigenen Annahmen in Frage stellen."

Eine Kultur des Fragens sollte jedoch nicht erst im Arbeitsleben beginnen, sondern bereits in der Kindheit. Die Philosophin Dr. Ina Schmidt setzt mit ihrem Buch „Kleine und große Fragen an die Welt" genau hier an. In 13 kurzen philosophische Geschichten, die zum Mitdenken, Nachdenken und Neugierig sein einladen, fragt sie:

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Copyright: Carlsen Verlag GmbH

Über diese und weitere große und kleine Fragen des Lebens sprechen die besten Freunde Phil und Sophie, die sich analog und nicht digital treffen: an zwei Steinen unter einer großen Birke, wo sie wichtige Dinge besprechen und ihren Gedanken freien Lauf lassen oder Antworten auf ihre Fragen suchen, die auch viele andere Kinder beschäftigen.

Wer neugierig ist und Fragen stellt, der philosophiert nicht nur, sondern lernt auch, digital zu denken. Erst dann werden Kinder Programmieren lernen und urteilsfähig sein. Denn im Komplexitätszeitalter geht es auch darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Kopf und Bauch in Balance zu halten.

So sagt der kleine Phil: „Ich glaube, damit man wirklich weiß, was gerade wichtig ist, gehören beide zusammen: die Gefühle und die Gedanken. Wenn eins von beiden zu stark wird, dann ist in einem drinnen alles ein bisschen schief, so als würde man nur auf einem Bein gehen oder nur mit einem Auge sehen."

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Buchcover (Copyright: Carlsen Verlag GmbH)

Ina Schmidt studierte Angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg und promovierte über den Begriff des Lebens in der Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts. 2005 gründete sie denkraeume, eine Initiative, in der sie in Vorträgen, Workshops und Seminaren philosophische Themen und Begriffe für die heutige Lebenswelt verständlich macht.

Darüber hinaus ist sie Autorin verschiedener Bücher und freie Mitarbeiterin des Philosophiemagazins Hohe Luft. Zuletzt erschien 2014 „Auf die Freundschaft. Eine philosophische Begegnung oder wie aus Menschen Freunde werden".

Sie ist Mitglied der Internationalen Gesellschaft fĂĽr philosophische Praxis und arbeitet als Referentin fĂĽr die modern life school in Hamburg sowie die Liechtenstein Academy. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und drei gemeinsamen Kindern in Reinbek bei Hamburg.

Auch im Herausgeberband „CSR und Digitalisierung", der u. a. Beiträge von Timotheus Höttges, Fredmund Malik, Christoph Keese, Wolfgang Schäuble, Bert Rürup, Dieter Gorny und Franz Alt enthält, beschäftigt sich Ina Schmidt mit Fragen: Was bedeutet es, in einer „digitalen" Welt zu leben, was macht das „Digitale" in unserer modernen Welt aus, inwiefern nehmen technische Neuerungen, Erkenntnisse und Möglichkeiten darauf Einfluss, wie wir denken, kommunizieren und (zusammen) leben?

Der Einleitungsteil dieses Buches beginnt ebenfalls mit einem umfangreichen Fragenkatalog, der in der aktuellen Kindle Edition „Fragen zur Digitalisierung von A bis Z: Wie wir die neue Welt besser verstehen können" fortgeschrieben wurde.

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Zusammengetragen wurde eine Vielzahl umfangreicher Literatur- und Linklisten, die bei der Suche nach Antworten wichtige Wegweiser sind. Vieles bleibt allerdings auch unbeantwortet und soll zum weiteren Nachdenken anregen. Denn: „Das Wichtigste ist, dass man nicht aufhört zu fragen." (Albert Einstein)

Literatur:

Ina Schmidt: Kleine und groĂźe Fragen an die Welt. Philosophie fĂĽr Kinder. Carlsen Verlag GmbH. Hamburg 2017.

Ina Schmid: Was ist ein gutes Leben in einer digitalen Welt? Autonomes Handeln statt sozialer Techniken. In: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017.

Werner Landhäußer und Alexandra Hildebrandt: Fragen zur Digitalisierung von A bis Z: Wie wir die neue Welt besser verstehen können. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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