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Scheitert der digitale Wandel in Deutschland an der Bürokratie?

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DIGITAL CHANGE
Caiaimage/Trevor Adeline via Getty Images
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Vor einem Jahr erschien in der Huffington Post ein Interview mit Adrian Vogler zur Initiative NAWOTUM, deren Ziel es ist, Nachhaltigkeit herunter zu brechen in konkrete Aktivitäten, so dass sie problemlos in den Alltag der Menschen integrierbar sind.

Der Diplom-Verwaltungswirt ist Mitglied der "Peter Drucker Society Europe", des Expert Network "Horizon 2020 - Research & Innovation" der European Commission und Gründer des Vereins "Unser Wissen für unsere Region!"

Meinen HuffBlog möchte ich nicht nur für eigene Themen nutzen, sondern auch für andere Meinungen und Debatten öffnen, denn uns alle eint ein gemeinsames Anliegen: die dringlichen Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung in die Gesellschaft zu tragen und zu reflektieren.

Nachfolgend ist ein aktueller Kommentar von Adrian Vogler aufgenommen worden, der zeigt, wie dramatisch sich die Situation um das Forschungsland Deutschland gestaltet. Dabei geht es nicht um Details oder Namen, sondern um ein grundsätzliches Problem, dem sich kürzlich in einem erweiterten Rahmen auch der Digitalisierungs- und Kommunikationsexperte Tobias Loitsch in seinem HuffBlog-Gastbeitrag "German Angst und Überheblichkeit" gewidmet hat.
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Kommentar von Adrian Vogler: "Arbeit in der digitalisierten Welt"

Wir haben im Oktober 2015 eine Projektskizze zur Ausschreibung "Smart Service Stadt: Dienstleistungsinnovationen für die Stadt von morgen" abgegeben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat dafür eine Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen im Rahmen des Forschungsprogramms "Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen" veröffentlicht.

Wir haben nun bereits zum zweiten Mal eine Ablehnung einer Projektskizze aus formalen Gründen erhalten. Die formale Begründung, die wir nach einer Zeit von über sechs Monaten erhielten, war, dass wir mit einer Seitenzahl von elf Seiten den für die Projektskizze vorgesehenen Projektumfang von zehn Seiten überschritten hätten:

Die Skizze weist eine 11. Seite auf, jedoch befindet sich auf dieser im Wesentlichen nur das Literaturverzeichnis. Die Skizze war ansonsten den Vorgaben entsprechend formatiert (Schriftart Arial, 1,5-zeilig).

Für diese Information braucht die mit der Bewertung der Projektskizzen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung betraute Stelle über sechs Monate! Innerhalb dieser Zeit war es dem Konsortium nicht möglich, an dem entsprechenden Projekt weiter zu arbeiten bzw. überhaupt mit einer Arbeit zu beginnen, da das wiederum einen Ausschlusstatbestand für eine Förderung darstellt.

Innerhalb von sechs Monaten werden im Silicon Valley ganze Anwendungen einfach gebaut! Die Informationen darüber, dass wir unsere Projektskizze doch bitte auf zehn Seiten kürzen sollten, hätte bereits in der ersten Woche nach Abgabe erfolgen können, um uns so in die Lage zu versetzen, innerhalb kürzester Zeit noch eine vom Umfang her angemessene Unterlage einzureichen.

Das Ganze ist für uns umso ärgerlicher, da wir uns vor Abgabe der zweiten Projektskizze (Ende Oktober) bezüglich der Bewertung einer bereits im Juli des letzten Jahres abgegebene Projektskizze an das BMBF wandten, um uns Informationen zu geben, die uns in die Lage versetzen würden, für die neue Projektskizze aus einem möglichen Fehler bei der zuvor abgegebenen Projektskizze (im Juli) zu lernen.

Doch auch unsere diesbezügliche Nachfrage wurde nicht schnell und zügig, sondern erst nach Wochen beantwortet, nachdem wir die zweite Skizze bereits abgegeben hatten. Und dann auch in dem Sinne, dass keine Informationen zum Sachverhalt vorlägen. Die Ablehnung der ersten Skizze (Abgabe Juli 2016) erfolgte dann zum 23.12. 2016.

Es kann doch bezüglich des Forschungslandes Deutschland nicht das Ziel sein, seine Forschungsideen aufgrund einer Formalie abzulehnen! Die Teilnehmer des Konsortiums sind hier in eine Vorleistung gegangen und haben bereits zweimal gute Ideen formuliert. Wir hinterfragen, ob der von der bewertenden Stelle angewandte Prozess überhaupt noch zeitgemäß ist, wenn man darauf klickt, welche Kriterien angewandt werden bzw. wie lange die Bearbeitung eines entsprechenden Sachverhalts dauert.

Solche Verfahren sind aus unserer Sicht weder sachverhaltsadäquat (Auswahl von Forschungsprojekten) noch zeitgemäß (Form, Kriterien, Dauer, Feedback, Kommunikation), um den digitalen Wandel in Deutschland nachhaltig zu gestalten.

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