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Die reife Generation Y: Wie Philipp Riederle den Horizont unserer Hand-Habungen erweitert

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
YOUNG PEOPLE
pixelfit via Getty Images
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Als Philipp Riederle 2013 mit dem SPIEGEL Bestseller ÔÇ×Wer wir sind und was wir wollen" als ÔÇ×Aufkl├Ąrer" der Generation Y ber├╝hmt wurde, war noch nicht abzusehen, dass die vielen von ihm gelegten Samen wirklich aufgehen w├╝rden.

Er hat die Wirklichkeit seiner Generation damals wie kaum jemand sonst erfasst und als Autor und Speaker breit gestreut. Nicht immer zur Freude der ├Ąlteren Generationen. Zu selbstbewusst sei Riederle, ein Selbstvermarkter, einer, der nur die B├╝hne sucht.

Doch wer so urteilt, tut ihm Unrecht, und vielleicht spricht aus diesen Worten auch ein wenig Neid. Da kommt jemand, der sich traut, Dinge beim Namen zu nennen und alte Gewissheiten in Frage zu stellen. Wer nichts damit anfangen konnte, dem war nicht zu helfen, und dem wird auch sein neues Buch verschlossen bleiben.

Es ist allerdings nicht nur ein intellektueller, sondern vor allem ein praktischer Gewinn, ihn Zeile f├╝r Zeile beim Erwachsenwerden zu begleiten, denn es geht neben den fundamentalen Ver├Ąnderungen der Arbeitswelt auch um die digitale Reifwerdung der Leser.

Gewiss widmen sich viele Teile dem Arbeits-, Konsum- und Kommunikationsverhalten der Generation Y, aber viel wichtiger ist der Br├╝ckenschlag zum Leser und zu den anderen Generationen.

Die Digitalisierungsdebatte in Deutschland ist ohne dieses Buch nicht m├Âglich, denn es zeigt nicht nur, was wir im Digitalisierungszeitalter alles wissen sollten, sondern vor allem, was wir k├Ânnen (!) m├╝ssen, um die aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern.

Begriffe wie K├Ânnensgesellschaft und Handwerk pr├Ągen dieses Buch. Der am meisten genannte Begriff ist ÔÇ×Handwerk" - und das aus gutem Grund, denn es geht darum, unser Alltagsgesch├Ąft buchst├Ąblich wieder ÔÇ×in den Griff" zu bekommen.

Dazu m├╝ssen wir - wie viele Vertreter der Generation Y - imstande sein, immer wieder unterschiedliche Rollen einzunehmen und abzugeben und unser Know-how einzusetzen: schnell, praktisch und direkt. Dabei geh├Âren greifen und begreifen zusammen.

Eine der wichtigsten Aussagen des Buches lautet: Um Digitalreife zu erlangen ist es wichtig, sich nicht allein auf die Augenversessenheit zu verlassen, sondern auch auf haptische Erfahrungen und die Gestaltung durch die H├Ąnde zu bauen, auf die echte Beziehung von Mensch und Welt.

Gewiss r├Ąumt er auch ein, dass nicht jeder den professionellen Umgang mit Kunden beherrscht, besonderes Geschick bei filigranen Arbeiten oder ein Talent zur Organisation etc. hat - doch wer sie hat, ÔÇ×kann ebenso in Handwerksbetrieben Verantwortung f├╝r ein Projekt ├╝bernehmen wie in Konzernabteilungen oder auf Klinikstationen".

Ohne die werkende und gestaltende Hand ist digitales Denken nicht m├Âglich. Was reif werden soll, braucht nachhaltige Bildung und entsprechende Werkzeuge als Organon der Erkenntnis. Die wichtigsten sind und bleiben im Zeitalter der Digitalisierung die H├Ąnde.

Warum das Handwerk im Digitalisierungszeitalter ├╝berleben wird

Zu Recht kritisiert Riederle, dass Handwerk und Industrie in den sozialen Medien bislang viel zu selten auftauchen - und er fragt: ÔÇ×Sind diese Branchen nicht sozial? Haben sie nichts zu erz├Ąhlen?" Er ist davon ├╝berzeugt, dass es ├╝berall gute Geschichten gibt, die authentisch in den Social Media-Kan├Ąlen abgebildet werden k├Ânnen.

Das enorme Verdienst seines Buches besteht darin, eine greifbare Br├╝cke zwischen Handwerk und Digitalisierung zu bauen, denn das eine ist nicht tragf├Ąhig ohne das andere:

ÔÇ×Digitalisierte Strukturen beispielsweise in Baugewerbe, Handwerk oder Pflege sind uns gr├Â├čtenteils noch gar nicht bekannt (aber in den Startl├Âchern). Auch hier wird geschlafen und gleichzeitig h├Ąnderingend nach Nachwuchs gesucht (Stellen aber eben nicht vornehmlich abgebaut)."

Er ist davon ├╝berzeugt, dass die Digitalisierung Handwerker nicht so schnell ins Hintertreffen bringen wird, denn etliche Berufe und Berufungen k├Ânnen Computer, Roboter und Algorithmen nicht vollst├Ąndig ├╝bernehmen. Es sind jene, die Kreativit├Ąt, Empathie und pers├Ânliche Interaktion erfordern:

ÔÇ×├ärzte, Pfleger, Psychologen, alle sozialen und kreativen Berufe, Servicekr├Ąfte - und Denker, Menschen, die die Computer programmieren, sie kontrollieren (und eben nicht umgekehrt)."

Das Buch ist eines der sch├Ânsten Pl├Ądoyers f├╝r das Handwerk von einem jungen Menschen. Aus dem Mund von Unternehmensvertretern, die pl├Âtzlich ihre Krawatten ablegen, das Du auf allen Unternehmensebenen anbieten und Sneakers tragen, kommen zwar viele neue Begriffe der Digitalisierung, aber keine S├Ątze wie diese von Riederle: ÔÇ×Nicht auszudenken, wenn niemand mehr w├╝sste, wie Stra├čen gebaut, wie streikende Heizungen wieder zum Laufen gebracht und Bremsen im Auto gewechselt werden. Wenn niemand mehr pflegt, in Restaurants kocht oder unsere Lebensmittel produziert."

Denn was n├╝tzen Manager und F├╝hrungskr├Ąfte im Arbeitsleben 2.0, wenn es an Handwerkern, Metzgern oder Klempnern mangelt und wir im Alltag aufgeschmissen sind?

Im quellenreichen Buch findet sich auch der wichtige Hinweis, dass Restaurantfachleute, Fleischer, Fachverk├Ąufer im Lebensmittelhandwerk, Klempner, Fachleute f├╝r Systemgastronomie, B├Ącker und Ger├╝stbauer bis zu 35 Prozent ihrer Pl├Ątze nicht besetzen k├Ânnen.

Vor diesem Hintergrund verweist Riederle auf die Notwendigkeit, die duale Ausbildung und die damit verbundenen Berufe dringend den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und st├Ąrker zu f├Ârdern, ja nicht zuletzt ÔÇ×sollte den entsprechenden Berufen ein angemessener gesellschaftlicher Status zugesprochen werden".

In Zukunft kommt es darauf an, Handwerk und digitales Arbeiten richtig zu verbinden, denn schon jetzt muss ein Elektriker in der Lage sein, ÔÇ×vernetzte Systeme zu installieren, und ein Heizungstechniker muss nicht wie fr├╝her nur Heizungsrohre verlegen, sondern auch die Software des Heizungskessels updaten" (FOCUS 14/2017).

Fr├╝her k├╝mmerte er sich vor allem um Stromanschl├╝sse, Hausverteilung, Dimmer oder Bewegungsmelder, heute geht es um Smart Homes - ÔÇ×und die Kundenw├╝nsche hinsichtlich Funktionalit├Ąt, Sicherheit, Schnelligkeit".

Digital- und Lebensreife durch ÔÇ×hineinschrauben"

Philipp Riederle, Jahrgang 1994, schreibt das nicht nur aus innerer ├ťberzeugung, sondern auch aus pers├Ânlicher Erfahrung: Mit 15 Jahren gr├╝ndete seine eigene Firma Phipz Media.

Als Deutschlands j├╝ngster Unternehmensberater arbeitete er bereits mit ├╝ber 300 Unternehmen an deren digitaler Kompetenz. 2014 wurde Riederle von der Bundesregierung als f├╝hrender ÔÇ×Digitaler Kopf Deutschlands" ausgezeichnet.

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Das hat nichts mit mit Spitzenleistungen eines jungen Genies zu tun, sondern mit einem lehr- und lernbaren Handwerk:

Die Freude an IT verdankt er seinem Gro├čvater, einem Elektriker, der sein Handwerk verstand und dem Enkel vermittelte. Schon im Alter von zwei Jahren baute Philipp Riederle im Hobbykeller Schaltkreise und schraubte bald Computer auseinander.

Zum Star der Internetszene wurde der damals 14-J├Ąhrige mit seinem Podcast ÔÇ×Mein iPhone und ich". Interessant ist, dass Riederle sogar handwerkliches Vokabular nutzt, um seine Beratungst├Ątigkeit zu beschreiben. So hei├čt es an einer Stelle im Buch, dass er sich in die Unternehmen ÔÇ×hineinschraubt" statt hineinarbeitet.

Der Begriff verweist auch auf seine besondere Form des Denkens: sich in etwas hineinbegeben und es von innen heraus begreifen. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass er sich gern philosophischen Fragen stellt.

Er studiert Soziologie, Politik- und ├ľkonomiewissenschaften und m├Âchte sich ein fundiertes Grundverst├Ąndnis von Gesellschaft und Politik erarbeiten. Das ist nicht nur digitalreif, sondern lebensreif.

Philipp Riederle: Wie wir arbeiten und was wir fordern. Die digitale Generation revolutioniert die Berufswelt. Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, M├╝nchen 2017.

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