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Warum Dienstleistungen nachhaltig sein sollten

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Dienstleistungsarbeit in Deutschland

Philipp Staab und Friederike Bahl haben für eine Studie des Hamburger Instituts für Sozialforschung Arbeitnehmer befragt, deren Einkommen nur wenig höher ist als das Arbeitslosengeld II. In Deutschland gehören zwölf Prozent der Arbeitnehmer zum sogenannten Dienstleistungsproletariat.

In ihren empirischen Befragungen stehen bei Bahl neue "Lebensmodelle in der Dienstleistungsgesellschaft" im Fokus, bei denen die Einkommen kaum zum Überleben reichen. Sie verweist auf Beispiele aus den Bereichen Gebäudereinigung, Sicherheitsdienste, Altenpflege, Gesundheitswesen, Post- und Paketzustellung, Zeitungsvertrieb sowie Gastronomie.

Der politischen Strategie, der sich diese Verhältnisse verdanken, widmet sich das Buch "Macht und Herrschaft in der Servicewelt" von Philipp Staab: „Die Humanisierung des Arbeitslebens müsse demnach Ziel politischen Handelns sein, weil sie sich nicht automatisch aus der Automatisierung der Produktion ergeben."

Beide Bücher zeigen, dass einfache Dienstleistungsarbeit heute unter einem massiven Rationalisierungsdruck steht. Wo die Rationalisierung durch Technik erfolgt (z.B. durch Selbstzahlkassen bei Ikea oder durch Selbstbedienungsautomaten) wird Arbeit, die früher Beschäftigte verrichteten, auf Maschinen oder Kunden übertragen und dadurch standardisiert.

Ein wichtiges Postulat von Philipp Staab lautet: „Die Dienstleister sollen sich als ganze Personen in Beratung, Pflege oder Betreuung einbringen und machen sich dadurch auch persönlich verletzlich, da sie direkt dem Kunden gegenübertreten."

Wo nachhaltige Dienstleistungen zu finden sind

Ja, es gibt sie auch - deutsche Unternehmen, die auf Kundenkontakt, Service sowie kompetente und zufriedene Mitarbeiter setzen. Vielfach sind es andere Branchen, von denen aber der Dienstleistungssektor insgesamt nachhaltig profitieren kann.

Ein gutes Beispiel ist die Mader GmbH & Co KG, ein schwäbischer Druckluft- und Pneumatikspezialist mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen. Das Unternehmen ist im Bereich Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagement sowie im Arbeits- und Gesundheitsmanagement zertifiziert und wurde im Dezember 2014 in der Kategorie Handel und Dienstleistung mit dem Baden-Württembergischen „Umweltpreis für Unternehmen 2014" ausgezeichnet. Zudem ist es unter den TOP 20 der „Dienstleister des Jahres 2014".

Zum Leistungsportfolio gehört neben einem umfangreichen Produktprogramm auch eine Reihe von Dienstleistungen - beispielsweise die Analyse, Auslegung, Planung und Installation von kompletten Druckluftanlagen sowie deren Inbetriebnahme, Wartung und Reparatur.

MADER AirXpert ist ein modulares Dienstleistungsangebot: MADER AirXpert Start, Plus und Pro enthalten herstellerunabhängige Lösungen, die durch Spezialisten des Unternehmens ausgearbeitet und realisiert werden.

Jedes Paket besteht aus drei Modulen, die beliebig kombiniert werden können: Energieeffizienz-Analyse, Leckagen und Druckluftqualität. Seit Juli 2015 ist das Dienstleistungspaket zudem vom TÜV Süd nach DIN EN ISO 11011 zertifiziert.

Damit gehört das Unternehmen deutschlandweit zu den wenigen Firmen, die ein Druckluft-Audit nach normgerechter, weltweit standardisierter, transparenter Methodik durchführt und von unabhängiger Stelle bescheinigen ließ.

„Wir sind keine Theoretiker, die Messwerte ermitteln und daraus abstrakte Optimierungsmaßnahmen ableiten", sagt Stefanie Kästle, verantwortlich für das Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagement bei Mader. Der Gesamtansatz sei „absolut an den Bedürfnissen und Rahmenbedingungen des Kunden sowie der praktischen, wirtschaftlichen Umsetzung orientiert".

Auch der Ansatz, die ermittelten Messwerte und unsere Empfehlungen so aufzubereiten, „dass der Verantwortliche im Kundenunternehmen eine überzeugende Argumentationsgrundlage für die interne Durchsetzung von Effizienzmaßnahmen zur Verfügung hat, wird sehr gut angenommen", so Werner Landhäußer, geschäftsführender Gesellschafter bei Mader.

Sämtliche vorgeschlagene Maßnahmen können auch durch eigene Fachkräfte umgesetzt werden. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen bei der Beantragung von Fördermitteln und der Auswahl einer geeigneten Finanzierung.

Zudem ist die Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Kunden zum energieeffizienten Umgang mit Druckluft ein wichtiges Thema. Hierfür werden Schulungen direkt vor Ort angeboten.

Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens enthält auch ein Kapitel „Produkte und Dienstleistungen". Er ist zugleich ein Beleg dafür, dass Dienstleistungen nur nachhaltig sein können, wenn das eigene Verhalten „gegenüber Kollegen und Geschäftspartnern in jeder Beziehung fair und aufrichtig ist" (Nachhaltigkeitsbericht 2013/2014).

Zu den wichtigsten Zielgruppen des Unternehmens gehören Maschinen- und Fahrzeugbau, Getränkeherstellung, öffentliche Einrichtungen, Händler sowie Druckereien. Gerade in diesem Bereich zeigen sich besonders positive Entwicklungen.

Dienstleistungen und Gemeinwohlökonomie

Die Sonnendruck GmbH in Wiesloch gibt keinen Nachhaltigkeitsbericht, sondern einen Gemeinwohlbericht heraus, in dem sich auch die Rubriken „Ökologische Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen" sowie „Soziale Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen" finden.

Doch was steckt dahinter? Solche Berichte sind das Ergebnis langer und zuweilen schwieriger Prozesse, die auch öffentlich gemacht werden sollten, damit sich andere im besten Wortsinn ein Beispiel nehmen und Mut schöpfen können:

2010 übernahm der Druckkaufmann Uwe Treiber die Druckerei, die kurz vor dem Konkurs stand und setzte seine Überzeugungen im Bereich Umwelt und Soziales um.

„Ich hatte bereits 15 Jahre als Druckkaufmann und zuletzt als Betriebsleiter für die Firma gearbeitet. Die Aussicht, zusammen mit meinen Kollegen den Job zu verlieren, war nicht wirklich prickelnd.

Außerdem wollte ich meine persönliche Lebens- und Firmenphilosophie umsetzen: Den achtsamen Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden. Wichtig ist für mich eine Druckproduktion, die so ressourcen- und umweltschonend wie möglich ist", sagt er in einem Interview auf der Website „Gesichter der Nachhaltigkeit".

Das Unternehmen wurde schrittweise nachhaltiger: Es wurde FSC-zertifiziert, Biofarben wurden eingesetzt, Strom und Gas aus regenerativen Quellen bezogen und den Kunden klimaneutrales Drucken angeboten. Auch der Fuhrpark wurde auf Klimaneutralität umgestellt. Mitarbeiter haben einen gut bezahlten Arbeitsplatz und pflegen einen wertschätzenden Umgang.

2012 traf er auf den österreichischen Autor Christian Felber, der seine Ideen von einer GWÖ vorstellte - er war so begeistert, dass er sich gleich auf den Weg machte, Gleichgesinnte zu finden.

2013 erstellte Treiber erstmals eine Gemeinwohl-Bilanz und zählt damit zu den Pionierunternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie.

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Ein GWÖ-Bericht fragt ab, wie in einem Unternehmen mit Menschenwürde, Solidarität, ökologischer Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Transparenz in Bezug auf Mitarbeiter, Lieferanten, Geldgeber, Kunden und Gesellschaft umgegangen wird.

„Nach der Bilanzierung weiß ich, was mein Unternehmen im Innersten zusammenhält und kann unsere Positionierung im gesellschaftlichen Umfeld besser überblicken", so Uwe Treiber, der auch Mitbegründer der GWÖ-Regionalgruppe Rhein-Neckar und Vorstand im GWÖ-Verein ist.

Zudem werden die Mitarbeiter in alle Kaufentscheidungen einbezogen. „Ihre fachmännische Meinung, Anregungen oder auch Bedenken sind entscheidend für die Kaufentscheidung, die letztlich ich treffe. Denn natürlich stehe ich als alleiniger Gesellschafter und Verantwortlicher der GmbH auch für die wirtschaftliche Situation meiner Firma ein".

Gegen den Markttrend verzeichnet das Unternehmen einen enormen Kundenzuwachs. Gewiss geht der Geschäftsführer auch mit einigen Mehrkosten und Investitionen in Vorleistung, doch ist er überzeugt, „dass sich das auch lohnen wird, nicht nur in materiellem Sinn. Ich versuche, durch gutes Beispiel voranzugehen und durch mein Tun und Handeln andere zu sensibilisieren."

„Schaffe mehr Wert, als du abzapfst." Diese Empfehlung des Technologieberaters und Internetverlegers Tim O'Reilly ist im Buch von Tim Lebrecht „Business-Romantiker" enthalten. Auch hier ist der Blick auf Produkte und Dienstleistungen gerichtet, „die sich nachhaltige Ökosysteme aufbauen sollen".

Dieses Buch ist deshalb lesenswert, weil es uns einmal mehr bewusst macht, dass es nicht nur darauf ankommt, was wir tun, sondern vor allem auch, wie wir es tun - und warum wir es tun. Gemeinwohlökonomie und die Sehnsucht nach einem anderen Wirtschaftsleben sind dabei wichtige Wegweiser.

Literatur:

Friederike Bahl: Lebensmodelle in der Dienstleistungsgesellschaft
Hamburger Edition, 2014.

Philipp Staab: Macht und Herrschaft in der Servicewelt
Hamburger Edition, 2014.

Tim Leberecht: Business-Romantiker. Von der Sehnsucht nach einem anderen Wirtschaftsleben. Droemer Verlag, München 2015.


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