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Die Generation Y auf der Suche nach Europa

04/04/2017 13:50 CEST | Aktualisiert 04/04/2017 13:50 CEST
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Die Diskussion über das Für und Wider der EU wird von einer Generation dominiert, die Europa ganz anders wahrnimmt als die Generation Y. „In der materiellen Kosten-Nutzen-Kalkulation finde ich mich nicht wieder", schreibt Max Bosse am 26. März 2017 in der Berliner Zeitung, wo er mit dem Vorwurf aufräumt, dass die Generation Y eine Spaß-Generation sei, die sich keine Gedanken um Gegenwart und Zukunft macht.

Er verweist auf die Grundlagen, die andere geschaffen haben und die er heute als selbstverständlich wahrnimmt: „Diese Selbstverständlichkeit ist nun das, was die Beziehung meiner Generation zu Europa so besonders macht, und sie ist gleichzeitig die Gefahr."

Max Bosse studierte in München, wo Menschen aus 17 EU-Staaten mit ihm in den Seminaren waren. Das Schöne daran war für ihn, dass hier viele Unterschiede zusammenkamen und eine Gemeinsamkeit: „Wir leben Europa." Mit Europa verbindet er nicht Bürokratie und Beamtentum, sondern einen Ort des Friedens und der Offenheit im Denken und im Umgang mit Anderen.

Mit seiner Meinung ist er nicht allein: Viele junge Menschen möchten eine gemeinsame Vision kreieren, welche die Komplexität nachhaltiger Entwicklung aufgreift und die als Katalysator für soziale und institutionelle Innovation dienen kann. So präsentierten am 23. März 2017 150 Vertreter der europäischen Jugend aus 38 Ländern, die sich im Europäischen Parlament versammelt hatten, um eine neue Europäische Verfassung zu erarbeiten, ihr Ergebnis der Öffentlichkeit: Die „European Youth Convention Citizens' Constitution".

Vorab entwarfen sie in nur dreieinhalb Tagen den Grundstein für ein neues vereinigtes Europa mithilfe der Malik Syntegrations-Methode in Strassburg während der European Youth Convention (EYC). Die Syntegrations Methode verwirklicht das Ideal der ursprünglichen Denker der Demokratie. Sie steht für ideale Partizipation für alle, perfekte Kooperation für die Meinungsbildung und maximalen Konsens für kreative Lösungen. Es entstand ein klares Konzept mit konkreten Vorstellungen, die Europa aus der Krise führen und für die aktuellen Herausforderungen stärken sollen. Präsentiert wurden die Ergebnisse beim "March for Europe" am 25. März in Rom - anlässlich den 60. Jubiläumsfeiern der Römischen Verträge.

So etwas mit üblichen Methoden zu schaffen, ist völlig undenkbar - es wäre ein Projekt, das Jahre laufen würde. Würde man (was derzeit noch nicht vorgesehen ist), die einzelnen Teilthemen ebenfalls mit syntegrativen Verfahren weiter bearbeiten, unter Umständen auch in etwas geänderten TeilnehmerInnenzusammensetzungen, „dann würde die Verfassung im Sommer stehen und könnte den vorgesehenen Regeln entsprechend in die Abstimmungen gehen", sagt Prof. Fredmund Malik, der den Prozess vor Ort gemeinsam mit seinem Team begleitet hat.

Sich mit Maliks Ansätzen in diesen turbulenten Zeiten zu beschäftigen, ist deshalb so wichtig, weil sie zeigen, was reflektiertes Handeln ist, wie richtiges Management funktioniert und was der Orientierung und dem Neuanfang dient - fernab von Populismus, Fanatismus und Extremismus. Sich aufzuregen, zu empören und nur "Nein!" zu sagen nützt wenig. Was es braucht, sind neben einem nüchternen Optimismus Selbstbeherrschung und die Fähigkeit zum Nachdenken, die uns beim Problemlösen hilft und Voraussetzung kluger Entscheidungen ist.

Aber auch auf gute Geschichten kann nicht verzichtet werden, denn sie erinnern uns daran, wie viel Positives wir im Innern haben: „Positives, das sich nicht mit ökonomischen Kennzahlen messen lässt und viel nachhaltiger ist: Dank der EU wurde in uns die Angst vor dem Fremden abgelöst durch Neugier auf Andere", schreibt Max Bosse. In seinem Artikel verweist er auch auf den Publizisten Roger Willemsen, der 2014 vor den EU-Parlamentswahlen in 19 Länder reiste, um Europa zu suchen. Er fragte sich, was das „Europäische" als Ganzes ausmacht und widmete sich Gedanken, Bildern, Stimmungen und Stimmen, die seine Idee und seine Wirklichkeit von Europa beschrieben.

Es war für ihn ein Traum, der wachsen muss. Am Ende seiner Reise öffnete sich ein begrünter Platz vor einer Berglandschaft, und Roger Willemsen dachte: „Hier! Das ist seine Idee! Das ist Europa!"

Weitere Informationen: Alexandra Hildebrandt: Generationenwechsel @: Fragmente und Momente einer Gesellschaft im Übergang. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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