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Warum Männer beim Grillen auf "korrekte" Kohle setzen

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MEN HAVING BARBECUE
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Vor einigen Jahren prägten alte Männerrituale, eine archaische Mischung aus Bier, Kohleglut und Rauch, das Bild vom Grillen. Männer spielten die Ernährer, und wie „unter einem Brennglas" konnte am Rost noch „die traditionelle Rollenverteilung" (Sacha Szabo) beobachtet werden. Viele standen aber auch vor billigen Dreibeingrills. Inzwischen ist dieses Bild einem neuen gewichen:

Die besseren Hälften von heute stehen in gebügelten Schürzen am Hochleistungsgasgrill aus gebürstetem Edelstahl und werkeln mit dem Mörser wie präzise hantierende Naturwissenschaftler.

Das Fleisch wird nicht mehr auf den Grill geschmissen, sondern „behandelt" wie ein wertvolles Kulturgut. „An der Volltechnogrillstation und dann auch noch in grinsender Johann-Lafer-Pose." Die Entertainerin Désirée Nick hat diese Entwicklung in ihrem Buch „Säger und Rammler und andere Begegnungen mit der Männerwelt" ausführlich beschrieben.

Der Trend zum hochwertigen Grillen geht einher mit parallelen Entwicklungen im Outdoorbereich: Die Deutschen lassen sich das neue Drinnen - das erweiterte Wohnzimmer im Draußen - immer mehr kosten. Auch wenn vieles skurril, ja zuweilen versnobt anmutet, so hat dies auch den Vorteil, dass wieder mehr das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus rückt. Beispielsweise bei Grillkohle, von der ein großer Teil aus Tropenhölzern gewonnen wird - allein in Deutschland sind es jährlich über 200.000 Tonnen. Hinzu kommt, dass beim Verbrennen der Holzkohle CO2 freigesetzt wird.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt das vom Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) empfohlene Unternehmen OlioBric: Die Kohle besteht zu 100 % aus recyceltem Material und ist komplett CO2 neutral. Sie wird aus Abfällen der Olivenölpressung herstellt. Die geschmacks- und geruchsneutral Briketts sind frei von chemischen Zusätzen und sorgen für ein langandauerndes Grillvergnügen.

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Erhältlich ist „korrekte" Kohle bei diversen Bio-Supermärkten oder online. Zuweilen besteht sie auch aus Kokosnussschalen, ein reines Abfallprodukt, für das kein Baum gerodet werden muss. Zudem hat sie einen dreimal höheren Brennwert als Holzkohle, eine geringere Rauchentwicklung und verbrennt mit lediglich 2 % Restasche. Auch Bambuskohle ist eine beliebte Alternative: Bambus wächst sehr schnell, verholzt schon nach drei Jahren und ist ein nachwachsender Rohstoff.

Von Holzkohle wird wegen der Schadstoffentwicklung abgeraten. Auch das spricht wieder für eine Kohle-Alternative. Wenn man sich allerdings für Holzkohle entscheidet, sollte auf das Umweltzeichen FSC® und nachhaltige Öko-Siegel geachtet werden - zum Schutz der Tropenwälder.

Wie wichtig die richtige Grillkohle ist, zeigte der deutsche Profikoch Frank Buchholz kürzlich den TV-Zuschauern in der Sendung „Lecker an Bord". Mit seinem Freund Björn Freitag startete er zu einer Schlemmerreise durch den Westen. Vom Yachthafen Flaesheim starteten die beiden ihre Ausflüge an Land, bei denen sie die Zutaten für das gemeinsame Abendessen an Bord besorgten. Es ging über den Wesel-Datteln-Kanal Richtung Haltern. Ankerplatz und Etappenziel war der Yachthafen Flaesheim, wo auf Deck gegrillt wurde.

Die Köche sahen sich Rinder an, die in den Lippeauen gegrast haben und von der Stiftung Vogelsang gehalten werden. Sie sammelten Wacholderbeeren und ernteten Honig. Die Holzkohle wurde mit dem Fahrrad bei einem Köhler geholt. In Deutschland ist der Beruf, dessen Aufgabe es ist, Holzkohle herzustellen, nahezu ausgestorben. Ein schönes Beispiel dafür, dass die Männer mit gebügelten Schürzen das alte Handwerk noch immer zu schätzen wissen - und es kulinarisch mit dem guten Essen und Leben verbinden.

Quellen und weitere Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Guido Kleinhubbert: Schweinenacken ade. In: DER SPIEGEL 30 (2017), S. 107.

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