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Deutschland stellt um: Mit Recyclingpapier die Welt verbessern

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RECYCLING
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Nachhaltigkeit - Deutschland ist als rohstoffarmes Land besonders von der Verknappung und Verteuerung von Ressourcen betroffen. Als Vorreiter der Kreislaufwirtschaft und als Technologieführer in zahlreichen Umwelttechnologien hat Deutschland jedoch das Potenzial, bis 2020 die ressourceneffizienteste Volkswirtschaft zu werden. Dies hat die Bundesregierung als Leitziel formuliert. Dazu sollen knappe oder umweltbelastende Ressourcen systematisch durch besser verfügbare Ressourcen ersetzt und der Wiederverwendung und dem Recycling Vorrang gegeben werden vor dem Abbau neuer Rohstoffe.

Papier spielt in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle, denn es wird in großen Mengen verkauft und hat eine hohe Alltagsrelevanz. Sein Verbrauch ist seit 1950 um das Sechsfache gestiegen. In Deutschland wird jährlich pro Kopf 220 kg Papier verbraucht - Tendenz steigend.

Weltweit wird jeder fünfte Baum heute zu Papier verarbeitet. Ganze Wälder werden für die Herstellung der frischen Holzfasern gerodet. Die Produktion von Frischfaserpapier belastet die Umwelt in hohem Maße im Gegensatz zur Produktion von Recyclingpapier, deren Qualität inzwischen problemlos mithalten kann.

Das bestätigen auch Institutionen wie Stiftung Warentest und das Bundesamt für Materialprüfung, die in den vergangenen Jahren mehrfach Recyclingpapiere unterschiedlicher Sparten testeten. Ebenso wurden Recycling-Kopierpapiere auf ihre Alterungsbeständigkeit hin geprüft. Demnach sind die Recyclingpapiere einige hundert Jahre problemlos archivierbar.

Recyclingpapier ist sehr hygienisch

Auch die Kopierbarkeit ist gleichwertig gegenüber Frischfaser-Papier. Zudem ist Recyclingpapier nicht teurer als Frischfaser-Papier. In größeren Mengen ist es sogar 10 bis 15 Prozent billiger als vergleichbares Frischfaser-Papier. Recyclingpapier ist außerdem hygienisch, weil bei der Herstellung alle Bakterien und Keime durch Erhitzen auf 100°C abgetötet und Schadstoffe entfernt werden.

Es steht deshalb exemplarisch für wichtige Zukunftsthemen wie Klima- und Ressourcenschutz oder auch für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Eine Umstellung ist nicht nur einfach, sondern bewirkt auch hohe ökologische Einspareffekte, die sich positiv auf die Umweltbilanzen der Nutzer auswirken.

Der Anteil von Recyclingpapier bei den Büropapieren ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Trotz dieser positiven Entwicklung sind die Potenziale allerdings noch längst nicht ausgeschöpft, denn es halten sich zuweilen noch Vorurteile, die inzwischen aber klar widerlegt sind. Sie abzubauen ist ein zeitintensiver Prozess. Und es kommt hinzu, dass das Wissen um die Umweltvorteile und Qualität moderner Recyclingpapiere nicht zwangsläufig dazu führt, dass Menschen ihre Gewohnheiten von heute auf morgen ändern.

Die Nutzung von Recyclingpapier mit dem Blauen Engel, der für höchste ökologische Standards steht, ist ein besonders positives Beispiel für ressourceneffizientes Wirtschaften: So werden bei der Herstellung allein rund 60 Prozent weniger Energie und Wasser verbraucht im Vergleich zu herkömmlichem Papier. Zugleich garantiert das älteste Umweltzeichen der Welt, das vom Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt vergeben wird, die Verwendung von 100 Prozent Altpapier, eine umweltfreundliche Herstellung sowie die Erfüllung höchster Qualitätskriterien.

„CEOs pro Recyclingpapier"

Im Juni 2012 startete in Kooperation mit dem Naturschutzbund Deutschland und der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome die Initiative Pro Recyclingpapier ihre Kampagne „CEOs pro Recyclingpapier", die heute unter der Schirmherrschaft von Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, steht. Sie ist Teil der Bewegung "Deutschland stellt um".

In einem gemeinsamen Appell riefen die Kooperationspartner die Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer der deutschen Wirtschaft auf, persönlich Verantwortung für den Ressourcenschutz zu übernehmen und Ziele für die Nutzung von Recyclingpapier in ihren Unternehmen zu definieren. Denn „Verantwortung ist immer konkret. Sie hat einen Namen, eine Adresse und eine Hausnummer", sagte schon der Philosoph Karl Jaspers.

Nachhaltigkeitsinitiativen sollten deshalb so angelegt sein und kommuniziert werden, dass möglichst viele Menschen erreicht werden. Ja, Nachhaltigkeit braucht Gesichter, denn hinter Ideen, Projekten und Prozessen stehen Menschen.

Wenn sich Vorstände persönlich am Beispiel von Recyclingpapier für den Ressourcenschutz engagieren, hat dies auch entsprechende positive Auswirkungen auf Mitarbeiter, Kunden und die Gesellschaft insgesamt.

Diese Unterzeichner der Initiative stehen stellvertretend für viele:

_ Dr. Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post DHL: „Ressourcenschonung und Effizienz sind die Grundlagen unseres Umweltschutzprogramms GoGreen. Darum setzen wir auch weltweit auf Recyclingpapier - egal ob für Verpackungen, Broschüren oder interne Dokumente. Wo immer Recyclingpapier verfügbar ist, ist es unsere erste Wahl."

_ Thomas Röttgermann, Geschäftsführer VfL Wolfsburg-Fußball GmbH: „Dem VfL Wolfsburg liegt der schonende Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen sehr am Herzen. Aus diesem Grund haben wir 2011 die Umstellung auf Recyclingpapier begonnen mit dem Ziel, diese stufenweise weiter voranzutreiben. Als Fußballverein möchten wir Vorbild und auch Motivator für alle anderen sein, denn der Schutz unserer Umwelt geht uns schließlich alle an."

_ Helmut Kraiß, Richard Wolf, Thomas Wolf, Frank Schmähling, Ulrike Wolf, Vorstand memo AG: „Seit jeher verwenden wir für den internen Bedarf und für jegliche Geschäftskorrespondenz ausschließlich 100 Prozent Recyclingpapier mit dem 'Blauen Engel'. Alle unsere Printmedien werden ebenfalls auf diesem Papier gedruckt. Weiterhin umfasst unser Papiersortiment eine große Auswahl an Recyclingpapieren für jeden Anspruch. Mit diesen Maßnahmen schonen wir nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern wir wollen damit ein Zeichen setzen und Vorbild für andere Unternehmen sein: Gerade da, wo Papier in erheblichen Mengen verbraucht wird, erzielt der Einsatz von Recyclingpapier positive Effekte für Mensch, Umwelt und Klima!"

Von Unternehmen lernen

Die memo AG setzt seit Beginn ihrer Geschäftstätigkeit 1990 auf den Einsatz von Recyclingpapier, was auch am umfangreichen Sortiment an Produkten aus 100 % Altpapier (mit Blauem Engel) zu erkennen ist.

Diese vom Unternehmen umgesetzten Maßnahmen können anderen Firmen und Organisationen gleichzeitig als Handlungsempfehlungen dienen:

• Einsatz von 100 % Recyclingpapier für alle Werbematerialien

• ständige Optimierung der Auflagenhöhen zur Vermeidung von überschüssigen Werbemedien

• durch systematische Kundensegmentierung und Versand überwiegend an qualifizierte Adressen aus dem eigenen Kunden- und Interessentenstamm

• Kompensation der CO2-Emissionen beim Transport

• beim Druck der Werbemedien Einsatz von Pflanzenölfarben für alle Kataloge und Auswahl von regionalen Dienstleistern für Druckvorstufe, Produktion, Weiterverarbeitung und Versand am gleichen Standort

• Einsatz von Recyclingpapier für interne Zwecke und Geschäftskorrespondenz

• weitgehend doppelseitiges Kopieren und Drucken

• digitale Archivierung ausgehender Belege

Viele Beispiele finden sich auch im memo Nachhaltigkeitsbericht. Die Beschäftigung mit solchen Medien kann helfen, das Wissen über Nachhaltigkeit und deren Prozesse besser zu verstehen, eigenes Handeln zu strukturieren und Transparenz zu schaffen - im Bewusstsein, dass selbst die schwierigsten Probleme zu lösen sind, und sich die steilsten Höhen erklimmen lassen, „wenn man nur einen langsamen, allmählichen, Schritt für Schritt gangbaren Weg findet" (Richard Dawkins).

Weitere Informationen:

Wissenswertes über Recyclingpapier

Der Blaue Engel


Ratgeber Papier. Wald und Klima schützen

Gesichter der Nachhaltigkeit (Umwelt)


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