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Wie deutschen Unternehmen der Richtungswechsel zum Mobilitätsdienstleister gelingt

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Der Wirtschaftszweig Logistik boomt. Dies hängt auch mit dem veränderten Konsumverhalten und gestiegenen Kundenanforderungen in Zeiten von E-Commerce, Online- und Mobile-Shopping zusammen. Damit verbunden ist das Entstehen neuer logistischer Knotenpunkte am Rand der Ballungszentren sowie der „same day delivery"-Anspruch.

Als Folge dieser Entwicklung nehmen die ökologische Belastung der Umwelt und die gesundheitliche Belastung der Bewohner vor allem in Ballungsgebieten und Innenstädten stetig zu. Dabei stellt die letzte Meile (der logistische Fachbegriff für den Transport der bestellten Ware zur Haustür des Kunden) Versandhändler und Paketdienstleister vor ein großes Problem, denn immer mehr Kunden ordern Waren im Netz, und die Zahl der Zustellautos auf den Straßen wächst.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, entwickelte die Post ein Elektrofahrzeug, das sie auch selbst produziert hat. Inzwischen läuft die Serienproduktion in verschiedenen Varianten. Für ihre Vorreiterrolle in Bezug auf komplett emissionsfreie Versorgungskonzepte auf der letzten Meile wurde das Team der Deutschen Post DHL für ihr Projekt Streetscooter mit dem ECO Honor Award ausgezeichnet, der 2016 zum ersten Mal im Rahmen des Eco Performance Award, der führenden europäischen Auszeichnung für Nachhaltigkeit in der Transport- und Logistikbranche, verliehen wurde. Er ehrt Unternehmen, deren Konzeptansatz nicht im klassischen Kerngeschäft der Logistik angesiedelt ist, aber eine besonders große Innovationskraft ausstrahlt.

Die Neukonzeption eines serienreifen und günstigen Elektromobils sowie die innovative Sichtweise auf das gesamte Thema Fahrzeugentwicklung überzeugte die Fachjury. Etwa 2000 Streetscooter sind nach Unternehmensangaben bereits im Einsatz, die meisten davon in Deutschland. Produziert werden sie bei der Streetscooter GmbH, einem ehemaligen Start-up der RWTH Aachen (das die Post 2014 übernahm) in Nordrhein-Westfalen. Es steht fest, dass die Post langfristig ihre gesamte Flotte elektrisch betreiben möchte.

Deutsche Unternehmen sind unter Strom und müssen selbst vorausfahren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Dazu braucht es Vernetzungskonzepte bis in den letzten Winkel, damit die Gesellschaft „umparken" kann, denn alternative Antriebe nehmen in der Automobil- und Transportbranche immer mehr an Fahrt auf. Das gilt für reine Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybridfahrzeuge.

Nach "Umparken im Kopf" entwickelt der Autobauer Opel nun eine neue Botschaft für seine Marke. Tina Müller, Chief Marketing Officer Member of the Management Board Opel Group GmbH, spricht auf der Markenebene intern von drei Phasen: die Einstellung der Konsumenten zur Marke verändern (Umparken-Phase), dann folgt Phase der Produktsubstanz (Gegenwart) und in der dritten Phase (Markenebene) muss Opel „diesen einen Satz hinbekommen, der die nächsten 20 bis 30 Jahre für die Marke Opel steht". Diese Botschaft zu entwickeln ist die große Aufgabe im neuen Set-up. Im Kern geht es darum, „die Marke vom Thema Autoverkauf in Richtung Mobilitätsanbieter zu positionieren. Dabei spielen Facetten wie Elektrifizierung, Mobilitätsdienstleistungen und autonomes Fahren eine zentrale Rolle".

Im deutschen Standardwerk „CSR und Digitalisierung", das im Sommer 2017 im Fachverlag SpringerGabler erscheint, betont Dr. Karl-Thomas Neumann, Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG und President Europe, dass übertriebene Bedenkenträgerei niemandem hilft. Das gilt auch in Sachen Elektromobilität: „GeneralMotors und Opel sind davon überzeugt, dass Elektrofahrzeuge in Zukunft eine wesentliche Rolle bei der individuellen, autonomen Mobilität spielen werden." Deshalb wurde mit dem Ampera-e ein richtungsweisendes E-Auto auf den Markt gebracht.

Er hat eine Reichweite von (nach NEFZ zertifizierten) 520 Kilometern, gemessen nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus. Dazu kommt auf 4,17 Meter Länge ein Raumangebot für fünf Passagiere plus 381 Liter Kofferraumvolumen (1.274 Liter bei umgeklappten Rücksitzlehnen). Der Ampera-e sei „kein Öko-Luxus, kein Spielzeug, kein reiner Zweitwagen", er soll zeigen, „dass dank innovativster Technologie Elektromobilität auch für ein viel breiteres Publikum erreichbar ist", so Neumann. Seit einigen Wochen ist der Wagen auf dem besonders elektrisierten und elektrifizierten Markt in Norwegen zu bestellen.

Der automatische Parkassistent findet geeignete Parklücken in Längs- oder Querrichtung und lenkt den Ampera-e automatisch hinein, der Fahrer muss lediglich die Pedalerie bedienen. Der Parkassistent scannt dabei freie Plätze zwischen parallel abgestellten Fahrzeugen wie auf Supermarktparkplätzen. Außerdem sucht er nach Lücken zwischen hintereinander geparkten Autos entlang des Straßenverlaufs. Der Fahrer hat dabei über die 130-Grad-Rückfahrkamera jedes Manöver sicher im Blick.

Die wesentliche Bedienung erfolgt über einen individuell konfigurierbaren 10,2-Zoll-Farbmonitor im Stile eines Tablets. Mit dem Infotainment-System IntelliLink-e lassen sich geeignete Smartphones über Apple CarPlay™ und Android Auto™ integrieren. Werden diese einmal nicht per Kabel angeschlossen, können sie dennoch rein induktiv aufgeladen werden (Wireless Charging).

IntelliLink-e verschmilzt schließlich mit dem persönlichen Assistenten Opel OnStar zum kompletten Serviceangebot. OnStar bietet schnelle 4G/LTE-Internetverbindung und einen WLAN-Hotspot. Darüber hinaus stellt Opel OnStar mit einer Direktwahltaste die Verbindung zu einem persönlichen Betreuer her, der während der Fahrt Hotelzimmer reservieren kann (Booking Service) und dabei hilft, die nächste verfügbare Ladestation oder einfach einen freien Parkplatz anzusteuern.
Mit myOpelApp können Ampera-e-Besitzer auch aus der Ferne die Kontrolle über ihr Auto behalten.

Egal ob an der Ladestation oder ohne eine Stromverbindung geparkt, kann der Ampera-e via aus der Ferne vorgeheizt oder heruntergekühlt werden. Darüber hinaus lässt sich in Verbindung mit Apple CarPlay™ und Android Auto™ die Fahrtroute so programmieren, dass sie an Ladestationen vorbeiführt - sollte die Fahrtstrecke doch einmal die vorhandene Reichweite überschreiten.

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Die Leistung des Opel Ampera-e-Elektromotors entspricht 150 kW/204 PS. (Copyright: Opel)

Ladepunkte: Flächendeckendes Versorgungsnetz

Bereits im April 2015 hat der DKV Euro Service eine neue Tank- und Servicekarte (die DKV CARD +CHARGE) vorgestellt, die seither erhältlich ist. Die Hybridkarte vereint mehrere Technologien: Je nach Ladesäulenbetreiber können sich die Nutzer am Ladepunkt entweder über den in der Karte enthaltenen RFID Chip authentifizieren oder mit einem QR-Code, der durch die DKV App +CHARGE erfasst wird. Bislang „beschränkte sich die Lademöglichkeit häufig auf die am Firmensitz installierten Ladesäulen oder das Netz des örtlich bzw. regional tätigen Energieanbieters", sagte DKV Geschäftsführer Dr. Alexander Hufnagl damals. Mit der Hybridkarte wurde das heterogene Angebot zu einem flächendeckenden Versorgungsnetz gebündelt.

Kunden des DKV können vom Fahrzeughersteller unabhängig an über 2.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten in Deutschland Strom laden. Gleichzeitig können sie wie gewohnt in Europas größtem unabhängigen Tankstellen- und Servicenetz bargeldlos auftanken. Eine Erweiterung des Ladesäulenakzeptanznetzes auf weitere Länder ist in Vorbereitung. Die kostenlose Tankstellen- und Servicestationen-App des DKV Euro Service zeigt die nächstgelegene Servicestation mit sämtlichen relevanten Stationsmerkmalen an.

Künftig werden Liefer- und Wertschöpfungsketten vollständig vernetzt sein. Mitarbeiter und die IT werden zu den wichtigsten Faktoren in Transportunternehmen gehören. Darüber wurde kürzlich im HuffBlog Warum die globalen Klimaziele in Gefahr sind - und was Unternehmen dagegen tun berichtet. Daran schließt die aktuelle Information des DKV Euro Service an, in der es heißt, dass bei der Entwicklung der DKV BOX ITALIA zur Abrechnung aller italienischen Mauten nach europäischem Standard (EETS-Standard) der DKV Euro Service GmbH + Co. KG „einen wichtigen Meilenstein" erreicht hat.

Der sogenannte zentrale Konformitäts- und Gebrauchtauglichkeitstest des Verbands der italienischen Autobahnbetreiber AISCAT ist erfolgreich abgeschlossen worden. Die Prüfungen sind Bestandteil des Zertifizierungsprozesses zum Herausgeber von eigenen On Board Units in Italien. Bei der mikrowellenbasierten DKV BOX ITALIA handelt es sich um eine technologische Neuentwicklung für die automatische Fahrzeugerfassung und Mautbegleichung auf allen mautpflichtigen Autobahnen in Italien. „Bis dato sind dazu noch zwei Abrechnungsmedien - die Telepass Box und die DKV Viacard - notwendig", erklärt Projektleiter Andreas Leber.

„Mit der DKV BOX ITALIA wird nur noch eine On Board Unit benötigt und der Nutzer erhält tagesaktuell die Transaktionsdaten zu durchgeführten Passagen." In Ergänzung zur detaillierten und fahrzeugbezogenen Mautabrechnung sollen dem Nutzer zukünftig auch diverse webbasierte Auswertungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die insbesondere die Mautkostenkontrolle vereinfachen.

Mit den erfolgreich absolvierten Tests der Organisation AISCAT erhielt der DKV die offizielle Genehmigung, bilaterale OBU- und Schnittstellentests mit den Autobahnbetreibergesellschaften in Italien zu starten. Die Markteinführung der DKV BOX ITALIA ist für die zweite Jahreshälfte 2017 geplant.

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Der DKV Euro Service plant für die zweite Jahreshälfte 2017 die Einführung einer Mautbox für alle italienischen Mauten.

Vieles mag im Kontext der Digitalisierung komplex, fremd und unverständlich anmuten, aber deshalb sollte niemand zum Aussteiger werden. Im Gegenteil: Um in Richtung Zukunft aufzubrechen, brauchen wir Einsteiger, die im Kopf bereits umgeparkt haben.

Weiterführende Literatur:

Karl-Thomas Neumann: Achtung, „Umparker"! Vom Automobilhersteller zum vernetzten Mobilitätsanbieter.

Ulrich Wolter und Linda Saal: CSR als Wertschöpfungs- und Vernetzungsfaktor im digitalen Zeitalter am Beispiel der DKV MOBILITTY SERVICES Group.

Beide Beiträge sind enthalten in: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017.

Alexandra Hildebrandt: Richtungswechsel. Richtungswechsel: Warum echte Könner wie Tina Müller und Jürgen Klopp immer wieder umparken. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

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