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Der Superfan von Michael Schumacher: Reiner Ferling

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Was eine Gesellschaft bewegt und nachhaltig voranbringt, geht immer von Menschen mit einem unverwechselbarem Eigensinn und Leidenschaft aus, die am Ende hĂ€ufig sogar ĂŒber Sieg und Niederlage entscheidet. Denn sie ist mitreißend und setzt ungeahnte KrĂ€fte frei. „Alter schĂŒtzt vor Leidenschaft nicht", sagte Marita Ferling vor einigen Jahren ĂŒber ihren Ehemann Reiner Ferling, der zu den treuesten Fans von Michael Schumacher gehört.

Die Geschichte des 1. Vorsitzenden des Michael-Schumacher Fan-Club Kerpen e. V. liest sich wie die Geschichte einer authentischen Marke, die auch in Krisenzeiten ihre Wertigkeit und Strahlkraft behĂ€lt. „Ein Leben erlangt Bedeutung, wenn es auf ein Dilemma reagiert, fĂŒr das noch kein Ausweg gefunden wurde", sagt der britische Historiker Theodore Zeldin. Das gilt auch fĂŒr einen echten Fan: Er bleibt seinem Idol auch in schwierigen Zeiten verbunden, weil er auf einer inneren Substanz aufbauen kann, die mit den Jahren immer wertvoller geworden ist.

Sie speist sich aus gemeinsamen Erlebnissen, Freude, Liebe, Vertrauen, aber auch aus der empathischen Komponente des Humors, die uns lehrt, die Welt aus der Sicht eines anderen zu sehen.

Vier Wochen nach Michael Schumachers Ski-Unfall haben mehrere Hundert Fans an der Veranstaltung „Michael Schumacher GET WELL SOON und Fan Tribute Spa Francorchamps" am 26. Januar 2014 teilgenommen und sind die gesamte Rennstrecke abgelaufen. Das Schicksal von Michael Schumacher ist traurig und dunkel - es erscheint jedoch in einem anderen Licht, wenn das kleine Beispiel (s)eines Superfans zu leuchten beginnt.

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Reiner Ferling am NĂŒrburgring. Er hatte die Wahl zum Superfan in Deutschland gewonnen. (Copyright: Reiner Ferling)

Über den „Mutmacher in Bewegung" und den Michael-Schumacher Fan-Club Kerpen ist hier ausfĂŒhrlich berichtet worden. Auch der gesellschaftlichen Bedeutung des Fan-Clubs ist ein Beitrag gewidmet. Was bislang fehlte, war die Geschichte, wie aus einem normalen Fan ein Superfan wurde. Ich danke Reiner Ferling und seiner Frau Marita fĂŒr ihre wertvollen AuskĂŒnfte, die hier verarbeitet wurden.

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Monaco (Copyright: Reiner Ferling)

Als Michael Schumacher 1994 zum ersten Mal Weltmeister wurde, stand Reiner Ferling im Alter von 42 Jahren vor der im Kerpener Gymnasium aufgebauten Großleinwand und kaufte am nĂ€chsten Morgen sein erstes Michael-Schumacher-T-Shirt. Zu diesem Zeitpunkt dachte er: „Jetzt bin ich ein richtiger Fan, der die nĂ€chsten Rennen mit stolz geschwellter Brust im Schumi-T-Shirt vor dem Fernseher oder einer Großleinwand stehen wird."

2000 erlebte er zum ersten Mal ein Formel 1-Rennen live - in Malaysia. Nachdem er ein paar kleine Rennautos auf seiner Ferrari-Kappe befestigt hatte, ging es in den Flieger nach Kuala Lumpur.

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Copyright: Reiner Ferling

Das MotorengerĂ€usch an der Rennstrecke war fĂŒr ihn wie ein „Lockruf", der ihn sĂŒchtig machte. Als die New Sunday Times dann auch noch Fotos von ihm, „dem Mann mit der geschmĂŒckten Kappe", veröffentlichte, bekam ich eine leise Ahnung von dem, was noch folgen sollte:

Mittlerweile teilte auch seine Frau diese Leidenschaft und begleitete ihn zu den nĂ€chsten Rennen am NĂŒrburgring, in Hockenheim und Spa. Im Folgejahr dann wieder Malaysia. NĂŒrburgring, Hockenheim und Spa gehörten fĂŒr beide seither zum „Pflichtprogramm".

Allerdings war er mit seinem bisherigen Fan-Outfit noch nicht wirklich zufrieden:

„Die Kappe sah zwar ganz hĂŒbsch aus mit den kleinen Flitzern und einer Mini-Schumacher-Puppe, aber ich wollte meine ‚rote Leidenschaft' noch deutlicher zum Ausdruck bringen."

Inspiriert von der asiatischen Lebensart kaufte er sich zunĂ€chst einen Reishut, den er rot spritzte, einen roten Sarong, auf den er Ferrariwappen kopieren ließ - und auch die originale Ferrari-Schuhe vervollstĂ€ndigten das Bild.

Schließlich war er vor keinem Fotografen mehr sicher, auch die TV-Kamerateams wurden verstĂ€rkt auf diesen „verrĂŒckten Fan" aufmerksam, der fĂŒr jede weitere Rennsaison neue Ideen entwickelte:

So ließ er sich auf Koh Samui einen Ferrari-roten Frack schneidern und ersteigerte einen Zylinder, der mit roter Seide ĂŒberzogen wurde. OriginalitĂ€t beginnt fĂŒr Ferling mit KreativitĂ€t. Kommt nicht einfach - er erscheint. Das ist auch eine Form des Respekts gegenĂŒber seinem Idol, das er damals einmal im Leben treffen wollte.

2003 erhielt nach sechs Stunden Wartezeit ein Autogramm von Michael Schumacher auf seinem Zylinder. Alle Zylinder von Reiner Ferling sind handgefertigt mit UnterstĂŒtzung von einem Schreiner und einer Schneiderin, die ihm auch die Outfits genĂ€ht hat. Auch hier spielt das Markenthema hinein, das hĂ€ufig mit dem Handwerks verbunden ist: Viele Dinge des Lebens sind durch Massenproduktion austauschbar geworden und verlieren ihren Ă€sthetischen und qualitativen Wert. Fanartikel als Massenware aus BilliglohnlĂ€ndern kommen fĂŒr „echte" Fans nicht infrage.

2003 besuchten die Ferlings auch erstmalig das Rennen in Monza: Reiner Ferling wurde dem Erzbischof von Mailand, Cardinale Dionigi Tettamanzi, vorgestellt, dem PrĂ€sidenten des italienischen Ferrari-Clubs. Reporter Kai Ebel fĂŒhrte ein Interview fĂŒr RTL mit ihm.

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Copyright: Reiner Ferling

Sonntags war er in sĂ€mtlichen italienischen Zeitungen mit dem „Cardinale" abgebildet.

Als der Michael Schumacher Fan Club Kerpen e. V. gegrĂŒndet war, wurde mit dem Club das Rennen in Barcelona besucht. Dort traf Ferling Rolf Schumacher, den Vater von Michael, der sich Zeit genommen hatte, um mit dem Club einen Abend im Hotel zu verbringen.

Von den Ferrari Racing Days am NĂŒrburgring ging es dann direkt nach Maranello, so auch Mamma Rosella im Ristorante Montana, Schumis Lieblingsrestaurant, besucht wurde:

„Mamma Rosella servierte uns persönlich die Pasta und fragte mich, ob ich der Mann mit dem ‚Capello rosso' sei, sie hĂ€tte mich schon im Fernsehen gesehen und der Gast gegenĂŒber am Tisch - ein Automechaniker von Ferrrari - hĂ€tte ein Foto von mir. Ich sollte doch bitte am nĂ€chsten Tag mit meinem schönen roten Zylinder kommen, damit sie auch ein Foto machen könne."

Dank der VIP-Ausweisen von den Racing days stand den Fans das Tor zum VIP-Bereich offen. Nach dem Qualifying am Samstag begaben sie sich auf einen Rundgang: Ferling war einem Mann vom Ferrari-Team aufgefallen, und ehe er sich versah, hÀngte er ihm einen Fahrerlager-Ausweis um den Hals. Dann ging es direkt ins Fahrerlager von Ferrari.

„Ob Willi Weber oder Balbir Singh - ich bekam meine heiß ersehnten Autogramme auf meinen Zylinder. Ja, und dann sah ich ihn endlich: Michael Schumacher ging an mir vorbei, zwei Meter neben mir. Das Treffen dauerte ungefĂ€hr so lange, wie Schumacher fĂŒr eine Runde braucht. Und ich, der sonst nie auf den Mund gefallen ist, war sprachlos und brachte kein einziges Wort heraus."

Was dann folgte, ist Geschichte.

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Mit Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, in Monaco. (Copyright: Reiner Ferling)


Reiner Ferling ist am 20. Oktober Ehrengast der Burgthanner Dialoge.

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