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Darum ist wahre Größe im Kleinen zu finden

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Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) ist nur „was für große Firmen, die sich teure Zertifizierungen leisten können". Weit gefehlt!

Das zeigt das aktuelle Buch von Wolfgang Keck „7 Tage CSR vom Kleinsten", das Anregungen für ein besseres Wirtschaften gibt - mit einem Vorwort von forum Nachhaltig Wirtschaften-Chefredakteur Fritz Lietsch und einem Nachwort von Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär beim Rat für Nachhaltige Entwicklung.

Erschienen ist das Buch im ALTOP Verlag, der sich seit 30 Jahren mit seinen Publikationen, Internetangeboten und Events für nachhaltiges Wirtschaften und gesellschaftliche Verantwortung engagiert und dafür zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Wolfgang Keck hat das Thema CSR nach seiner kaufmännischen Mitarbeit im kleinen Ulmer Familienbetrieb für sich entdeckt, als er an der Konzeption und Realisierung von Seniorengerechten Wohnanlagen mitwirkte.

Über diese Zeit berichtet er in seinem Buchbeitrag „Brief an meinen Vater", der sich im Buch „Gesichter der Nachhaltigkeit" (2013) findet und sich als „nachhaltige" Ergänzung zum aktuellen Buch liest:

„Bürokaufmann im Familienbetrieb wolltest Du mir ins Zeugnis schreiben: ‚Buchhaltung war nicht seine Stärke'. Das war zwar auf den Punkt gebracht, doch habe ich das Zeugnis dann lieber selber verfasst und schreibe heute mit Texten schwarze Zahlen. Für Dich wiederum war ‚Corporate Social Responsibility' als Zungenbrecher kaum auszusprechen, was mir etwas leichter über die Lippen ging. Verbunden hat uns allerdings von Anfang an ein gemeinsamer Gedanke, worin sich CSR auffassen lässt, und das hat mich in späteren Phasen beruflicher Entscheidungen und Entwicklungen immer wieder bestärkt.

Einen Ausgangspunkt nämlich, der für mich prägend für nachhaltiges Wirtschaften und CSR ist, habe ich nicht aus Büchern, Vorträgen oder neu geschaffenen Begriffen gelernt, sondern im Berufsleben im Familienbetrieb erfahren: Dabei geht es um Lösungen, die einen Nutzen für alle Beteiligten stiften.

Seinerzeit, in meinen Jahren als Azubi und Juniorgesellschafter bei Dir, warst Du als Pionier des Seniorenbetreuten Wohnens erfolgreich. Aus meiner heutigen Sicht blieb der Erfolg auch deshalb nachhaltig, weil Du bestimmte Dinge eben nicht getan hast. Im CSR-Jargon sprechen wir von der Verantwortung im Kerngeschäft des Unternehmens.

Du hast Beratungsaufträge und Bauprojekte abgelehnt, die nicht vollständig den Qualitätskriterien entsprechen, die Deinem Modell des Seniorenbetreuten Wohnens im Kern zu Grunde liegen. Dabei ging es um eine Philosophie, die für die Bewohner der Wohnanlagen heißen soll: ‚Solange selbständig wie möglich, soviel Betreuung und Hilfe wie nötig'...

Wenn für mich heute in der ‚CSR-Welt' von so genannten ‚Stakeholdern' die Rede ist, die berechtigte Ansprüche und Interessen an ein Unternehmen stellen, erinnere ich mich gern auch an die vielen Sitzungen mit Bürgermeistern, Sozialstationen, Architekten, Bauträgern oder Bankern zurück, zu denen ich Dich als Junior begleitet habe. Da war in jedem Ort, in dem wir tätig waren ganz klar, wer für Entscheidungen mit ins Boot geholt werden musste.

Das hat dann auch niemand erst einen ‚Stakeholder-Dialog' nennen müssen, schließlich stand als Ausgangslage ein gemeinsamer Handlungsbedarf fest: nämlich, den älter werdenden Mitmenschen einer Gemeinde in ihrer gewohnten Umgebung ein zu Hause zu bieten, das seniorengerecht gebaut und betrieben wird und das über mögliche Pflegestufen hinweg."

In Österreich wurde Wolfgang Keck ab 2004 mit der nationalen Leitung eines EU-Pilot-Projekts zu Corporate Social Responsibility (CSR) in kleinen und mittleren Unternehmen beauftragt.

Zurück in Deutschland ist der Wahlberliner seit 2009 in CSR-Projekten mit Schwerpunkt mittelständische Unternehmen bei der GILDE Wirtschaftsförderung der Stadt Detmold tätig.

Im Rahmen zusätzlicher Projekte hat er zuletzt den Deutschen Industrie- und Handelskammertag bei der Konzeption des Zertifikatslehrgangs „CSR-Manager (IHK)" unterstützt und gehört dem Beraterteam von N-Kompass.

Sieben Kleinunternehmen gewähren dem Leser seines Praxishandbüchleins Einblick in ihre Geschäftswelt: Ob Unternehmensberatung, Goldschmiedeatelier, Anwaltskanzlei oder Modeatelier - gezeigt wird, dass Nachhaltigkeit immer und überall gelebt werden kann.

Es enthält beispielsweise Anregungen, was Energiearchitekten bei ihren Planungen berücksichtigen sollten, oder wie der Gründer einer Armenklinik mit Kritik umgeht.

Das Buch und seine offene Form sollen dazu inspirieren, die jeweiligen Themen weiterzudenken und auch das eigene Leben und Arbeitsumfeld im Rahmen der eigenen Möglichkeiten verantwortungsvoll zu gestalten.

Ein praktischer Leitfaden am Ende soll den Leser darin unterstützen, sein persönliches Nachhaltigkeitsprogramm in sieben Tagen umzusetzen. Damit wird dieses Buch mit der Erfolgsgeschichte des Lesers weitergeschrieben.

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Dass Wolfgang Keck das Thema ernst nimmt, zeigt sich vor allem daran, dass ihm auch das Kleinste nicht zu gering ist, um sich damit eingehend zu beschäftigen und es in große und bedeutende Zusammenhänge zu stellen.

In der CSR-Community gehört er zu denen, die leise daherkommen (im Buch und im Leben) und an Nachhaltigkeit interessierte Menschen dort abholen, wo sie stehen.

Durch Publikationen wie „CSR vom Kleinsten" wird ein komplexes und oft abstrakt vermitteltes Thema fassbar.

Die Faszination und Vorliebe für das „Kleine" sind heute ein letzter Rest, der eine Gegenmacht zur Rationalisierung der Gesellschaft darstellt.

Am wichtigsten ist dabei (das bestätigt auch das Buch von Wolfgang Keck) die Erfahrung handelnder Selbstwirksamkeit, die beispielsweise auch der Sänger der norwegischen Band a-ha und Umweltaktivist, Morten Harket, immer beibehalten hat:

„Nichts wird mich daran hindern, die Dinge selbst zu entdecken!"

Auf die Bedeutung des Kleinen haben Werner Landhäußer und ich auch im SpringerGabler-Sammelband „CSR und Digitalisierung" (2017) hingewiesen.

Sehr schön zeigt sich dies im Beitrag von Tina Teucher und Hans-Dietrich Reckhaus: „Kleine Riesen - Von Insekten, Kunst und Respekt", in dem sie der Frage nachgehen: „Wenn sich alles global vernetzt, was ist dann noch der Wert scheinbar kleiner Dinge - z.B. der Wert eines Insekts?"

Auch sie haben eine Geschichte über Wahrheitssuche, Umdenken und Wandel geschrieben, die sich mit „CSR vom Kleinsten" auf nachhaltige Weise verbindet, weil es eine innere Beziehung gibt, die sich allerdings nur jenen offenbart, die wahre Größe im Kleinen erkennen.

Weitere Informationen:

Gute Geschäfte vom Kleinsten: Was Könner (er)schaffen

Ganz bei sich selbst. Warum Ein-Personen-Unternehmen Großes leisten


Klein macht Sein. Warum wir uns nur in der Nähe finden

Literatur:

Wolfgang Keck: 7 Tage CSR vom Kleinsten. ALTOP Verlag. München 2016.

Alexandra Hildebrandt und Hauke Schwiezer: Gesichter der Nachhaltigkeit. abcverlag, Heidelberg 2013.

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