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Darum ist Nachhaltigkeit eine Kultur des Machens und des Lassens!

01/05/2017 22:58 CEST | Aktualisiert 01/05/2017 22:58 CEST

Nachhaltigkeit gehört seit dem ersten in sich geschlossenen deutschen Werk zur Forstwirtschaft, der „Sylvicultura Oeconomica" von 1713, zum kulturellen Erbe der Deutschen. Verfasser ist der Oberberghauptmanns Hans Carl von Carlowitz aus Freiburg in Sachsen. In seinem Buch zitiert er die Prophezeiungen Luthers und Melanchtons:

„Als es in Deutschland noch genügend Holz gab, haben Luther und Melanchton bereits prophezeit, dass vor dem jüngsten Tag, besonders in Deutschland, 3 Mängel auftreten werden: gute und aufrichtige Freunde, tüchtige und wichtige Münze und wildes Holz."

Gemeinschaft (Soziales), Geldwirtschaft (Ökonomie) und Natur (Ökologie) sind auch heute das tragende Fundament einer nachhaltigen Gesellschaft, die sich im Komplexitätszeitalter ständig im Erhalten und im Haushalten üben muss, um Ressourcen und Werte auch für künftige Generationen zu bewahren.

Was für Carlowitz pflügen, säen und pflegen war, ist heute Emissionsminderung, Ressourcensparen und nachhaltiges, qualitatives Wachstum.

Nachhaltigkeit ist also nichts Gestriges, sondern etwas Dringliches, bei dem es auch um ein neues digitales Denken geht, um vernetzte Ansätze, um fähige Könner und Meister, Praktiker, Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Kreative, „die gemeinschaftlich Lösungen für die Herausforderungen von heute finden, mutig und engagiert, im Kleinen und im Großen".

Das ist auch die Grundaussage des wichtigen Sammelbandes „Bausteine der Nachhaltigkeit. Carlowitz weiterdenken", der von der Sächsischen Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft herausgegeben wurde. Der Vorstandsvorsitzende Dieter Füsslein lernte selbst, „das neu wertzuschätzen, was nachhält, auch dann, wenn sonst nichts mehr hält, was also nachhaltend ist".

Holz, Handwerk und Könnensgesellschaft sind auch heute untrennbar miteinander verbunden - allerdings kommt zur Tradition die Innovation hinzu. So gibt es beispielsweise weiterhin Tischlereien, aber hier werden auch Roboter eingesetzt und eine entsprechende Software dafür entwickelt.

Die mit ihrer Hilfe hergestellten Teile haben nachweislich eine bessere Qualität und können in höherer Stückzahl hergestellt werden. Zudem werden neue Arbeitsplätze geschaffen, weil auch neue Produkte hergestellt werden können. Tischlerhandwerk und Ingenieurswissen werden künftig immer mehr miteinander verschmelzen.

Es geht heute also nicht um die romantische Verklärung des Handwerks, sondern um die Kombination der Erfahrung vieler Generationen mit neuen Techniken. Wir müssen Dinge zuerst sehen, anfassen und erleben, wenn wir sie verstehen bzw. be-greifen wollen - dann erst macht digitale Vernetzung Sinn. Und schließlich müssen wir uns den Ursprung der Nachhaltigkeit (Wald- und Forstwirtschaft) immer wieder vergegenwärtigen, um mit dem Thema buchstäblich etwas „anfangen" zu können.

Für Carlowitz hatte Nachhaltigkeit mit einer „Kultur des Machens", des Neumachens, Andersmachens, Kreierens und Weitergebens zu tun. Aber nicht nur: Damit verbunden ist ebenso eine „Kultur des Lassens", des Wachsenlassens, des Schonens, des Sicheinlassens auf die Zyklen und Rhythmen der Natur. Wer heute digital denkt, sollte auch wie Carlowitz regenerativ denken - wie ein Förster! Das eine schließt das andere nicht aus.

Literaturempfehlungen:

Sächsische Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft (Hg.): Bausteine der Nachhaltigkeit. Carlowitz weiterdenken. Oekom Verlag, München 2016.

Alexandra Hildebrandt: Mit kleinen Schritten die Welt verbessern: Nachhaltig denken und handeln von A bis Z. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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