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CSR-Berichtspflicht: Wo steht der deutsche Mittelstand?

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CSR
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CSR- und Nachhaltigkeitsberichte teilen häufig das Schicksal von Geschäftsberichten und Parteiprogrammen: Es wird viel darüber gesprochen und geschrieben, aber wenig darin gelesen. Die jeweilige Zielgruppe - Wähler, Investoren, Medienvertreter, Stakeholder - bestehen zwar auf solchen Berichten, aber echtes Interesse am Inhalt ist häufig nicht gegeben.

Die meisten deutschen mittelständischen Unternehmen haben die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) zwar für sich erkannt, tun sich zuweilen aber noch immer schwer mit einer strukturierten Implementierung und Kommunikation, was sich auch in ihren Publikationen zeigt.

Es gibt zwar schon gute Berichte, aber nicht viele sehr gute. Wer sie unvoreingenommen, aber genau liest und sie miteinander vergleicht, erkennt sehr schnell, wer es ehrlich meint, und wo es sich um dekoratives Greenwashing oder eine Modeerscheinung handelt. Allein ein Blick ins Impressum gibt Aufschluss darüber, wer sie macht. Häufig werden von Großunternehmen Agenturen beauftragt, was sich auch in Inhalt und Gestaltung niederschlägt: die gleiche Sprache, Stockfotos und eine Gestaltung, die nicht unbedingt zum interessierten Lesen einlädt.

Für viele mittelständische Unternehmen, die ihr geschäftliches Handeln am Prinzip der Nachhaltigkeit ausrichten, ist der eigene Bericht eines der wichtigsten Kommunikationsinstrumente, weil er offen, transparent und authentisch über Leistungen, Maßnahmen und Ziele in allen Unternehmensbereichen informiert und ein fester Bestandteil ihres ganzheitlichen Handelns ist.

Vor dem Hintergrund der Berichtspflicht werden die Erwartungen an den Mittelstand künftig noch weiter steigen - so wird es für Unternehmen immer wichtiger, die Berichte fehlerfrei und effizient zu erstellen.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Dienstleister und Lieferanten im Nachhaltigkeitsbericht aufgenommen werden müssen. In einer umfangreichen Studie unter 229 mittelständischen Unternehmen hat die Beratungsgesellschaft Baker Tilly kürzlich zusammen mit der TU Dortmund den Status quo in Bezug auf die Nachhaltigkeit im Mittelstand untersucht:

Etwa 80 Prozent der Unternehmen schätzen die Integration einer nachhaltigen Unternehmensführung für sich als relevant ein. Der Begriff CSR war rund 66 Prozent der Unternehmen bereits vor Durchführung der Umfrage bekannt. 84 Prozent der Befragten verstehen unter einer nachhaltigen Unternehmensführung eine wirtschaftliche, langfristig orientierte und bestandssichernde Orientierung des Unternehmens. Für 59 Prozent bedeutete dies auch die Schaffung eines Wertbeitrags für die Gesellschaft, und für 58 Prozent geht es auch um fairen Handel und die Verfolgung ethischer Werte.

Als Marketinginstrument wird nachhaltiges Unternehmertum nur vereinzelt gesehen (2 Prozent).
Allerdings hat erst jedes zweite Unternehmen auch eine entsprechende Nachhaltigkeitsstrategie definiert. Kernproblem sei es, so das Ergebnis der Studie, dass es keine verbindlichen en gibt, die eine klare Vorgaben und Orientierung für die Definition einer entsprechenden Unternehmensstrategie geben könnten. So sind auch nur 15 Prozent der befragten Unternehmen mit ihrer Berichtserstattung zu Nachhaltigkeitsaktivitäten wirklich zufrieden (QUelle: CSR News, 1.9.2017).

Um das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens sichtbar zu machen, reicht nicht nur ein Bekenntnis - vielmehr sind nachvollziehbare Nachweise erforderlich, die glaubwürdig Auskunft über das eigene Handeln geben. Doch wie sollten Unternehmen kommunizieren, und welche Rolle spielen CSR- und Nachhaltigkeitsberichte? Um Antworten darauf zu finden, bat das Kölner Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen NetFederation ausgewählte Stakeholder, sich an einer Online-Umfrage zu beteiligen und sich in definierte Stakeholder-Rollen zu versetzen. Ermittelt wurde, welche Anforderungen und Bedürfnisse u.a. Bewerber, Mitarbeiter, aber auch Kunden, Investoren, Journalisten, Zulieferer an die Kommunikation von Unternehmen haben.

NetFederation analysierte fast 400 ausgefüllte Stakeholder-Profile. Damit sie einem Unternehmen vertrauen, ist es für 9 von 10 der befragten Teilnehmer wichtig, dass Unternehmen ihre Werte kommunizieren, so das Ergebnis. 85 % möchten über Mitglieder der Unternehmensführung informiert sein. 80 % vertrauen einem Unternehmen, wenn Mitarbeiter authentische Statements geben und über ihre Erfahrungen und Sichtweisen berichten. Über drei Viertel möchten wissen, welchen Einfluss Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens auf das Alltagsleben der Menschen haben. 75 % wünschen sich Beispiele und Beiträge, die das nachhaltige Handeln eines Unternehmens belegen und verdeutlichen (Quelle: CSR News, 31.8.2017).

Das ist jedoch nur möglich, wenn dort Datenerhebung, Erfassung und Auswertung automatisiert ablaufen oder durch IT-Systeme unterstützt werden. Wenn Unternehmen noch am Beginn der Berichterstattung stehen, sollten sie zuerst ihre Prozesse betrachten und analysieren: Wer ist involviert? Welche Themen und Kennzahlen sind wesentlich? Welche Daten müssen zusätzlich erhoben werden? Hier gibt die CSR-Richtlinie wichtige Unterstützung. Zusätzlich können sich Unternehmen an der Global Reporting Initiative (GRI) und am Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) orientieren. Beide enthalten klare Vorgaben, was ein Nachhaltigkeitsbericht enthalten muss. Richtiges Nachhaltigkeitsmanagement ist ohne professionelle Maßstäbe und Standards nicht zu haben.

Weiterführende Informationen:

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Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: CSR und Nachhaltigkeitsmanagement richtig umsetzen: Die wichtigsten Schritte und Werkzeuge - mit zahlreichen Praxistipps und Mustervorlagen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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