BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

Bücherprinz Ruprecht Frieling verrät, warum er Self-Publisher wurde

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BOOKS
MaskaRad via Getty Images
Drucken

Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist ein unkonventioneller deutschsprachiger Autor, Verleger und Produzent. Der »Bücherprinz« publizierte mehr als 40 in mehrere Sprachen übersetzte Bücher mit breit gefächerter Thematik. Der Mann mit dem Hippie-Herzen liebt Bücher, Blues, Bach, Wagner, Dada und Surrealismus.

2017-07-14-1500021644-4053677-RuprechtFrieling.JPG

Foto und Copyright: Ruprecht Frieling

Herr Frieling, Sie haben für renommierte Unternehmen wie »Verlag Das Beste« und »ADAC-Verlag« großformatige Sachbücher verfasst, die jeweils Auflagen von über einer Million erreichten ...

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Ja, das waren aufwändig gemachte Lehnstuhlbücher wie »Flüsse und Seen in Deutschland«, die durch geschicktes Direktmarketing vertrieben wurden und dadurch Millionenauflagen erzielten. Eine abwechslungsreiche und interessante Aufgabe, die mir als Autor Freude machte und gut bezahlt wurde.

Weshalb veröffentlichen Sie seit mehr als zehn Jahren verlagsfrei als Self-Publisher? Genügte Ihnen das Geld nicht?

(lacht) Wenn man sieht, welche fantastischen Honorarumsätze Self-Publisher heutzutage erzielen, ist die Frage berechtigt. Bei mir war es weniger das Geld: Ich wollte meine Unabhängigkeit wahren von Marketing-Typen, die mir Themen vorgaben. Ich wollte eigene Ideen verwirklichen und zu Papier bringen. Die sind allerdings nicht so geschmeidig am Mainstream orientiert und entsprechend schwerer verkäuflich.

Momentan gibt es mehr als 40 Bücher aus Ihrer Feder. Ihr erstes selbst verlegtes Buch war »Der Bücherprinz«?

Ich musste mich aufgrund einer Erkrankung 2003 unternehmerisch einschränken und schrieb während einer anstrengenden Chemotherapie mein bisheriges Leben auf. Die Ärzte meinten damals, ich hätte nur noch ein paar Jahre, also wollte ich die verbleibende Zeit sinnvoll nutzen und mit meiner Lebensabschnittsgeschichte etwas Bleibendes hinterlassen. Zum Glück konnte ich dem Tod von der Schippe springen und veranstalte heute noch gut besuchte Lesungen mit dem Buch.

Und wie viele Exemplare haben Sie von dem Titel verkauft?

Über den Buchhandel verkaufte ich in den ersten Jahren insgesamt 32.000 Exemplare. Hinzu kam ab April 2011 die Möglichkeit, das Werk als Kindle-E-Book im deutschsprachigen Raum anzubieten. Das führte bis heute zu rund weiteren 40.000 Verkäufen. Um in den Buchhandel zu kommen, musste ich seinerzeit noch als Hülle den Internet-Buchverlag gründen. Das gestaltet sich zum Glück inzwischen alles sehr viel unkomplizierter für verlagsunabhängige Autoren.

Als »Bücherprinz« sind Sie eine bekannte Marke im Verlagswesen geworden...

Kann man so sagen. Der Titel wurde von den Medien aufgegriffen und mir als Person zugeordnet. Hinzu kam, dass ich Ratgeber für Autoren verfasse, mich kritisch mit der Branche auseinandersetze, kein Blatt vor den Mund nehme, gern polarisiere und dabei aus jahrzehntelanger Branchenkenntnis schöpfen kann.

2017-07-14-1500021562-3860922-RuprechtFrieling_DocumentaKassel.jpg

Bücherprinz Ruprecht Frieling vor dem Parthenon der verbotenen Bücher auf der diesjährigen Kasseler Documenta

© Ruprecht Frieling


Ein Self-Publisher ist Leser, Autor, Verleger und Werbefachmann in einer Person. Was muss er können?

Das verlangt neben einem ständigen Lernprozess Vielseitigkeit, Flexibilität und die Bereitschaft, sich mit anderen auszutauschen. Die Buchwelt verändert sich rasant, allein ist man den Geschehnissen hilflos ausgeliefert. Ein Austausch mit anderen Aktivisten ist zwingend.

Unterstützen Sie deshalb so engagiert den Selfpublisher-Verband?

Gemeinsam sind Autoren stärker und können mehr erreichen. Der Selfpublisher-Verband, zu dessen 2. Vorsitzender ich gewählt wurde, bietet Indie-Autoren neben dem Erfahrungsaustausch beispielsweise die Chance, sich auf Messen und Ausstellungen gemeinsam zu präsentieren. Das ist ein nennenswerter Marketing-Vorteil.

Wie hat sich eigentlich das Autoren-Marketing in den vergangenen Jahren gewandelt?

Es gibt nahezu täglich neue Tools und Angebote, sich und sein Werk öffentlich darzustellen. Manches funktioniert gut, anderes wiederum verpufft wirkungslos. Alles hängt letztlich davon ab, eine möglich klar definierte Zielgruppe anzusprechen und dafür den richtigen Weg zu finden. Vor zehn, 15 Jahren waren Blogs die beste Form, Menschen inhaltlich zu erreichen, danach preschten Kurz- und Kürzestdienste wie Facebook und Twitter nach vorn. Mittlerweile spielt das bewegte Bild eine immer größere Rolle, Instagram und YouTube werden zu wichtigen Plätzen, die es gekonnt zu bespielen gilt.

Wird dabei ein Trend deutlich?

Viele Autoren sehen mit Unbehagen, dass sich ihr Marketing immer weiter vom geschriebenen Wort entfernen muss, um Leser zu gewinnen. Ich vermute, dass Livestreaming das nächste »Must have« im Bauchladen des Selbstvermarkters werden wird. Dem bewegten Bild gehört dank der wachsenden Leistungsstärke der Smartphones die unmittelbare Zukunft. Der Krimi-Autor berichtet im Livestream von den Tatorten seines nächsten Buches, die Romance-Autorin stellt intime Dating-Plätze ihrer Protagonisten vor, und der Sachbuch-Verfasser wirbt mit live gesendeten Interviews für sein Thema. Die Möglichkeiten sind grenzenlos.

Wie wird ein Autor für Sie zur »Marke«?

Jeder Autor, der mit einem klaren und offenen Profil verbunden ist und dessen Zielgruppe weiß, was von ihm/ihr zu erwarten ist, hat gute Chancen, zur Marke zu werden. Dazu zählen eine permanente Marktpräsenz, ehrliche Produkte, authentisches Auftreten, durchgängiger Qualitätsstandard, faire Preise und ein enger öffentlicher Kontakt zum Publikum durch Presse, Auftritte, Lesungen, Talk- und Bühnenshows.

Worauf sollten »Anfänger« achten?

Als Nonplusultra sehe ich die eigene Autoren-Homepage, auf der alles landet und um die sich alles dreht. Dieser Heimathafen sollte die Möglichkeit bieten, einen Newsletter zu bestellen, der wiederum alles vier bis sechs Wochen über Neuigkeiten berichtet und seine Abonnenten motiviert, den Autor zu begleiten, seine Veranstaltungen zu besuchen und seine Bücher zu kaufen.

Mehr zum Thema: Aus dem Rahmen: Wie Richard Branson auch in Deutschland angestaubte Karrierebilder verändert

Was sollten Autoren niemals aus der Hand geben?

Das Recht auf eine eigene Meinung, einen eigenen Stil und eine möglichst unverwechselbare eigene Handschrift. Darüber hinaus ist der behutsame Umgang mit der Vergabe von Verwertungsrechten wichtig: Es sollte genau darauf geachtet werden, wem was in die Hand gegeben wird und kein Vertrag unterschrieben werden, in dem nicht ein möglichst kurzfristiges Kündigungsrecht festgeschrieben ist.

2017-07-14-1500021481-9131844-MarahWoolf_RuprechtFrieling.jpg

Ruprecht Frieling im Gespräch mit Fantasy-Erfolgsstar Marah Woolf auf der Leipziger Buchmesse

© Ruprecht Frieling

Können Sie Autoren-Beispiele für perfekte Selbstvermarktung nennen?

Oh, da gibt es einige. Poppy J. Anderson, die erste deutsche Self-Publisherin, die über eine Million Ebooks verkauft hat, überzeugt mit ihrer Art, Liebesromane zu präsentieren: Sie tritt ebenso unkonventionell wie ihre Heldinnen auf und wehrt sich gegen ein Frauenbild, das geziert durch die Welt stöckelt. Dieser Autorin nimmt man ab, was sie schreibt. Sie ist durchgehend authentisch.

Elke Bergsma aus Leer wuchs in der wundervollen Weite der von Windmühlen, Leuchttürmen, Deichen, Schafen und Kühen geprägten ostfriesischen Landschaft auf. In ihren Ostfriesland-Krimis transportiert sie nachhaltig die Stimmung der ostfriesischen Landschaft ebenso wie die Sprache und Mentalität ihrer Bewohnerinnen und Bewohner, ohne in gängige Klischees zu verfallen. Die Autorin vermarktet sich und ihre Bücher überregional, indem sie auf einem Kajütboot namens »Bookje« unterwegs ist, auf dem Lesungen stattfinden.

Die Berliner Krimi-Queen Nika Lubitsch hatte ein Berufsleben lang mit Werbung und PR zu tun. Dennoch haben die letzten fünf Jahre als Self-Publisherin ihr gesamtes Dasein über den Haufen geworfen und sie zu einer Bestseller-Autorin gemacht, die sich offen und lebendig zu den unglaublichen Veränderungen äußert, die eine Karriere in der dritten Lebenshälfte mit sich bringt. Der interessierte Leser erlebt in ihrer Selbstdarstellung unmittelbar mit, wie sie um neue Titel, Figuren und Geschichten ringt. Das schafft eine Leserbindung, die für einen Verlagsautor unvorstellbar ist.

2017-07-14-1500021328-6300430-NikaLubitsch_RuprechtFrieling.jpg

Krimi-Queen Nika Lubitsch greift zum Messer und geht dem Bücherprinz ans Leben

© Ruprecht Frieling

Im Self-Publishing haben demnach offenbar auch ältere Semester eine Chance, oder gilt wie in der derzeitigen Verlagspolitik Jugendlichkeit als Voraussetzung für Erfolg?

Ältere Self-Publisher schreiben aus Perspektiven, die enorme Lebenserfahrungen spiegeln. Sie verfügen meist über eine kompaktere und geschliffenere Sprache als junge Nachwuchsautoren, deren Stil ungeschliffener, schnodderiger und entsprechend leicht auswechselbar ist. Das Schönste am verlagsunabhängigen Publizieren ist eigentlich, dass alle identische Ausgangschancen haben, um sich und ihre literarischen Träume zu verwirklichen. Wer dabei konsequent und authentisch bleibt statt in stilistische Künstlichkeit zu verfallen, hat ausgezeichnete Chancen. Der französische Aufklärer Voltaire meinte schon vor dreihundert Jahren: »Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige«.

Vielen Dank für das Gespräch.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.