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Blockchain statt Flopchain: Vom Einsatz der disruptiven Technologie für eine transparente Wertschöpfungskette

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Die sogenannte dezentrale Datenbank Blockchain ist als die disruptive Technologie hinter der Kryptowährung Bitcoin bekannt geworden. Neben dem Anwendungsfeld eines Zahlungsmittels bietet Blockchain noch viele weitere Einsatzgebiete: So kann mithilfe eines über die Blockchain laufenden Smart Contracts jede beliebige Transaktion ohne Hilfe von Intermediären durchgeführt werden (z.B. Hauskauf oder das Verleihen einer Bohrmaschine). Zudem werden durch die Unveränderlichkeit der Blockchain Wertschöpfungsketten transparent aufgelistet: Beispielsweise können Konsumenten nachvollziehen, wie die Verarbeitungsschritte waren oder welchen Weg Produkte hinter sich haben. Auch kann ihre Echtheit damit überprüft werden.

Die lückenlose Historie entsteht hier durch Aneinanderreihung von nicht veränderbaren Richtigbefundanzeigen („block"), die aus vier Komponenten bestehen:

• der Vergangenheit (dem vorangegangenen Block)
• dem aktuellen Zeitstempel („timestamp") zur Einordnung auf der Zeitachse
• den noch nicht bestätigten, laufenden Transaktionen, heruntergebrochen in einem kryptografischen Code („root hash")
• einer Einmalnummer, die über Versuch und Irrtum gefunden werden muss („number used once = nonce").

Das System stellt sicher, dass eine neue Richtigbefundanzeige nur entstehen kann, wenn sie am neusten Block andockt. Deshalb wird von einer Kette (Blockchain) gesprochen. Dass mit Blockchain Transaktionen (Inhaltsveränderungen) durchgeführt werden können, ist einem System von Schloss („public key") und Schlüssel („private key") zu verdanken, über den nur der Berechtigte verfügt. Die Grundlage des Blockchain-Systems bildet dabei eine Verschlüsselungstechnik („Hashfunktion"), bei welcher der Zielwert ohne viel Aufwand graduell, aber um Potenzen verschärft werden kann.

„Das System läuft seinen Gegnern deshalb sozusagen hoffnungslos voraus und davon. Es ist extrem sicher, weil die Richtigbefundanzeigen dezentral - im Extremfall in jedem teilnehmenden Computer auf der Welt - abgespeichert sind", schreiben die Omnichannel-Experten Tina Düring und Hagen Fisbeck im Herausgeberband „CSR und Digitalisierung".

Wie verändert Blockchain unser Handelssystem und unsere Gesellschaft? Welches Potenzial hat diese Technologie? „Was wäre, wenn Strom, Immobilien und Dienstleistungen ausschließlich über blockchainbasierte Plattformen gehandelt, und wir unsere digitale Identität beim Standesamt oder beim Urnengang über die Blockchain verifizieren würden?" Antworten auf diese Fragen wurden im Rahmen der Vortrags- und Diskussionsrunde "Fokus: Zukunft. Unser Leben 2050" am 8. November 2017 gegeben. Die Veranstaltung des Lehrstuhls für Innovations- und TechnologieManagement am KIT, der EnBW Energie Baden-Württemberg AG und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI widmete sich gesellschaftlich relevanten Technologiethemen der Zukunft aus Forschungs- sowie aus Praxissicht.

Gastgeberin der Veranstaltung "Blockchain or Flopchain - Wie könnte eine Blockchain-Gesellschaft 2050 aussehen?" war Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl (Lehrstuhlinhaberin am KIT sowie Institutsleiterin am Fraunhofer ISI), die bereits 2014 in der WirtschaftsWoche auf die strategischen und organisatorischen Herausforderungen verwies, die mit dem Thema verbunden sind.

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Foto: Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl

Nachdem sich die Veranstaltung 2016 mit den Themen Industrie 4.0 und Mobilität befasst hatte, stand in diesem Jahr Blockchain im Fokus. Diese grundlegenden Fragen standen u.a. im Mittelpunkt:

• Sicherheit: Ist die Blockchain sicherer als bisherige verteilte Datenspeicherungstechnologien gegenüber Hackerangriffen und Manipulation oder sind die Miner ein Schwach-punkt im Blockchain-Konstrukt?

• Vertrauen: Kann die Blockchain ähnliches Vertrauen wie Ämter, Notare, Banken, Versicherungen erringen?

• Regulierung: Ist die Blockchain freier Markt und muss daher nicht reguliert werden und muss nicht dafür ein internationales Register eingerichtet werden?

• Markt: Werden private Blockchains eine viel größere Bedeutung erlangen als öffentliche Blockchains, weil sie zu komplex für den Massenmarkt ist?

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Veranstaltung "Blockchain or Flopchain - Wie könnte eine Blockchain-Gesellschaft 2050 aussehen?"

(Foto: Fraunhofer ISI)

Auch ein Workshop mit dem Titel "Blockchain: Die Lösung für nachhaltiges Lieferkettenmanagement?" beschäftigte sich kürzlich mit der Frage, inwieweit die für nachhaltiges Lieferkettenmanagement zentralen Werte Transparenz und Vertrauen mit Hilfe der Blockchain-Technologie adressiert werden können. Die Experten Prof. Dr. Nils Urbach (Stellv. Wissenschaftlicher Leiter der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik, Fraunhofer Blockchain-Labor), Dian Balta (Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzfeld Open Data and Information Management, fortiss) und Prof. Dr. Julia Schwarzkopf (Sustainability Management, HTW Berlin) diskutierten die Erwartungen in die Blockchain-Technologie.

Die Technologie hat das Potenzial, Korruption einzudämmen und für Transparenz und Sicherheit bei Transkationen zu sorgen, ja sie könnte sogar als eine unternehmensneutrale Plattform für CSR-Audits genutzt werden. Ob sich die Technologie nachhaltig durchsetzen wird, werden Praxistests zeigen. Das gilt auch für die Akzeptanz der (potenziellen) Nutzer.

Befürworter wie Tina Düring und Hagen Fisbeck sind davon überzeugt, dass durch die Blockchain Geld oder Nachrichten sicher, verschlüsselt, anonymisiert, direkt und ohne Mittler von einer Person zu einer anderen Person geschickt werden können. „Die Blockchain macht es somit überflüssig, einer zentralen Autorität zu vertrauen und ermöglicht die Interoperabilität der Systeme über Servergrenzen hinweg. Etwas ist wahr, weil es nachprüfbar ist und nicht mehr, weil es jemand oder eine Institution sagt."

Weitere Informationen:

Tina Düring und Hagen Fisbeck: Einsatz der Blockchain-Technologie für eine transparente Wertschöpfungskette. In: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017, S. 449-464.