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Keine Täuschung: Warum wir mit gesundem Menschenverstand bessere Führungskräfte sind

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Warum wir keine übertrainierten Führungskräfte brauchen

Wer heute Führungsverantwortung anstrebt, wird durch die schiere Masse an Entwicklungsangeboten und Denkschulen zwangsläufig verunsichert. „Führungsfähigkeit wird zu einer komplexen Wissenschaft mit einander widersprechenden Theorien stilisiert. Es ist Zeit, dem gesunden Menschenverstand den Stellenwert widerzugeben, den ihm Trainingsagenturen seit Jahren streitig machen". Sagt der Geschäftsführer der WÖHRL Akademie Dr. Sebastian Gradinger.

Der gesunde Menschenverstand spielt heute vor dem Hintergrund vielfach „übertrainierter Führungskräfte" eine zentrale Rolle. Der Manager bedauert, dass viele teure Entwicklungsprogramme in den vergangenen Jahren „den Führungskräften das Zutrauen nahmen, dass auch eigene, erfahrungsbasierte Entscheidungen sinnvoll und erfolgversprechend sein können."

Gemeinsam mit WÖHRL Vorstand Robert Rösch hat er nun als Herausgeber eine große Bandbreite an Managementerfahrungen zu einem spannend zu lesenden Essayband verbunden. Mit ihrem Buch „Nachhaltig führen - mit gesundem Menschenverstand" verfolgen sie bewusst nicht die Absicht, „eine wissenschaftliche Abhandlung über den gesunden Menschenverstand zu bieten.

Es soll für den Leser vielmehr Inspiration und Ermutigung sein, sich im Umgang mit den beruflichen Herausforderungen als Führungskraft weniger durch Lehrbuchwissen als vielmehr vom gesunden Menschenverstand und bewährter Erfahrung leiten zu lassen", heißt es in ihrem Vorwort.

Es ist „eine Art Buch gewordenes Mentoren-Programm" aus der Praxis für die Praxis: Einfach verständlich, anschaulich und sofort umsetzbar.

Führen durch systemisches Fragen, durch Motivation oder durch Vorbild: Es gibt eine Vielzahl von Konzepten, die Managern die Arbeit erleichtern sollen.

Was aber finden erfahrene Führungskräfte selbst hilfreich bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und der Steuerung ihrer Teams? Was macht eine gute Führungskraft aus? Wie lässt sich die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit mit der notwendigen Erneuerung unserer Führungskultur verbinden? Und was hat der viel gerühmte gesunde Menschenverstand unseren hoch differenzierten Methoden der modernen Führungskräfteentwicklung voraus?

Auf diese und viele weitere Fragen, denen sich Manager, HR-Experten, angehende Führungskräfte von morgen und auch eine interessierte Öffentlichkeit gegenübersehen, geben 13 namhafte Autoren in dieser Essay-Sammlung „Nachhaltig führen - mit gesundem Menschenverstand" Antworten aus unterschiedlichsten Perspektiven und ehrliche Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen.

Vom Leiter Personal in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit, Hans-Christian Witthauer, bis zum Gründer der OBI-Baumärkte, Prof. Manfred Maus, dem ehemaligen ALDI-Manager Dieter Brandes und dem Ex-IG Metall-Vorstand Gerd Lobodda beschreiben die Manager ihr Verständnis von einer nachhaltigen Personalführung.

Stefan Scheller, einer der führenden deutschen HR-Blogger, nimmt dazu die Perspektive der Geführten ein: „Der gesunde Menschenverstand ist und bleibt ... das ultimative Korrektiv, an der sich jede Führungsarbeit messen lassen muss."

Und Manager Dieter Brandes macht deutlich, dass es bei diesem Thema keineswegs um bloße „Wohlfühlfaktoren" geht: „Eine gefestigte Unternehmenskultur, gesichert durch gesunden Menschenverstand vieler Mitarbeiter, macht in der Unternehmensführung den Erfolg oder Misserfolg aus."

Die Arbeit an diesem Buch war eine bereichernde Erfahrung für Sebastian Gradinger, die ihm auch selbst das gegeben hat, was er den Lesern vermitteln möchte: Zutrauen in die eigene Urteilsfähigkeit. "Weil es so viele erfolgreiche Manager gibt, die vorrangig auf ihren gesunden Menschenverstand bauen als auf theoretisches Führungswissen."

Das Buch:

Nachhaltig führen - mit gesundem Menschenverstand. Hg. Sebastian Gradinger und Robert Rösch. Hardcover, Goldegg Verlag 2015.

Mit Beiträgen von: Dieter Brandes, Arndt Brockmann, Utho Creusen, Guido Fassbender, Alexandra Hildebrandt, Michael J. Kolodziej, Gerd Lobboda, Manfred Maus, Stefan Scheller, Michaela Schmeken, Georg Sieber, Christiane von der Heiden, Sophia von Rundstedt, Marco Freiherr von Münchhausen und Hans-Christian Witthauer.

Die Herausgeber:

Sebastian Gradinger begann nach Studium und Promotion im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Trier seine Handelskarriere bei dm-drogerie markt, wo er nach Stationen in mehreren Ressorts Filialverantwortung übernahm. Danach internationale Tätigkeit bei Peek & Cloppenburg als Geschäftsleiter und interner Verkaufsleiter in Österreich und Tschechien. Seit 2010 ist Sebastian Gradinger Geschäftsführer der WÖHRL Akademie GmbH und verantwortet in dieser Funktion die Weiterbildungsmaßnahmen von rund 2.500 Mitarbeitern.

Robert Rösch ist seit 2002 Mitglied des Vorstands der Rudolf Wöhrl AG. Nach seiner Ausbildung bei WÖHRL bildete sich Robert Rösch zum Handelsfachwirt weiter und führte mehrere Häuser der Gruppe als Geschäftsleiter, bevor er im Jahr 2000 in die Unternehmenszentrale wechselte. Dort übernahm er zunächst die Personalleitung der Rudolf Wöhrl AG. 2005 trat Rösch so auch in die Geschäftsführung der WÖHRL Akademie GmbH ein.

Die WÖHRL Akademie

Die WÖHRL Akademie www.woehrl-akademie.de, seit 2010 unter der Leitung von Dr. Sebastian Gradinger, ist eine der ältesten Unternehmensakademien Deutschlands. Sie wurde 1988 zur Weiterbildung von Führungskräften der Rudolf Wöhrl AG gegründet. Seit über 25 Jahren verantwortet sie die Qualifizierung und Weiterbildung für aktuell rund 2.400 Mitarbeiter des Unternehmens. Neben einem breiten Angebot an über 120 Seminaren für jährlich 1.500 interne Teilnehmer profiliert sich die WÖHRL Akademie seit vier Jahren auch mit einem unternehmensübergreifenden Programm für den Führungskräfte-Nachwuchs.

Wo sich der gesunde Menschenverstand noch findet

In ihrem Buch „7 Schlüssel für mehr innere Stärke" (GRÄFE UND UNZER Verlag, 2013) verwies die Resilienz-Expertin Prof. Jutta Heller auf den Psychologen Gerd Gigerenzer, der Bauchgefühl oder Intuition als Urteil beschreibt, das rasch im Bewusstsein auftaucht, dessen tiefere Gründe uns nicht ganz bewusst sind und das stark genug ist, um danach zu handeln.

Beide bestätigen, dass gerade bei komplexen Sachverhalten unsere Bauchentscheidungen deutlich besser als rationale Entscheidungen sind. Sie lassen sich „trainieren", indem damit begonnen wird, mehr auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu achten.

Auch die Unternehmerin, Tiefenpsychologin, Pädagogin und Autorin Theresia Maria Wuttke bestätigt: „Wie gut, dass wir ihn haben den gesunden Menschenverstand: Verstand kommt von verstehen, gesund von dem Sund, dem Grund, also den Menschen und die Dinge verstehen und ihnen auf den Grund gehen.

Das können Frau und Mann am besten, wenn sie ihr wunderbares Werkzeug, ihr Gehirn vollumfänglich nutzen: Da braucht die ganzheitliche Wahrnehmung und die wertfreie Kommunikation eben Struktur und Dynamik, die Unterschiedlichkeit der Betrachtungsweise das Verständnis vom Mehrwert und die Strategie, neben den Maßnahmen und Meilensteinen ein Wertefundament, das für Stabilität und Identität sorgt.

Es gibt sie, die zwei ‚Saiten' unseres Gehirns, die rechte und die linke Hemisphäre mit ihren gänzlich unterschiedlichen Arealen und Zuständigkeiten. Die Kunst ist es, den Bogen so zu führen, dass aus dem Cello die Musik erklingt. Ja es ist gesund, den Menschenverstand in seiner Ganzheit zu Wort kommen zu lassen."

Aber auch in anderen Kontexten begegnet das Thema - beispielsweise im aktuellen Buch des Schriftstellers und Marathonläufers Matthias Politycki: „42,195. Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken".

Sein Fazit: Im Leben gewinnt nicht selten derjenige, der am besten täuschen kann - im Rennen hingegen gewinnt stets der Schnellere: „Tarn- und Schutzmechanismen sind für die Dauer des Laufs überflüssig geworden, der ‚gesunde Menschenverstand' bricht sich Bahn."