Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

Kroatien-Krimi Kommissar Lenn Kudrjawizki gründet das erste nachhaltig aufgestellte Orchester

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ORCHESTRA
Alvis Upitis via Getty Images
Drucken

Herr Kudrajwizki, weshalb gründet ein erfolgreicher Schauspieler ein eigenes Orchester?

Meine Seele ist in vielen Welten zu Hause. Die Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben lang, und durch das Musikstudium habe ich viele wunderbare Menschen kennengelernt, mit denen ich nun beim Berlin Show Orchestra zusammenarbeiten kann.

Der Traum von einer eigenen Band war früh geboren. Jetzt ist daraus halt ein Orchester geworden. Tatsächlich geht es mir in meinem Leben um das Kreieren von wertvoller Lebenszeit - egal in welcher Form.

Was verbindet das Orchester mit Green Entertainment? Und was sind Green Events aus Ihrer Sicht?

Grundsätzlich bedeutet es für mich, dass es in der heutigen Zeit sinnvoll ist, ein Umweltmanagement auch bei Veranstaltungen zu installieren. Und dass geschaut wird, wie sich die Auswirkungen auf die Umwelt reduzieren lassen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die wir im Alltag auch unseren Kindern beibringen: kein Müll auf die Straße werfen, Mülltrennung, Vermeidung von unnötigem Müll etc.

Was für uns alltäglich ist, will ich nicht über Bord werfen, wenn ich auf Veranstaltungen gehe. Wir merken schon, dass wir viel Zuspruch erhalten, sich die Branche schnell wandelt und viel in Bewegung ist. Es hat ja auch seine wirtschaftlichen Vorteile auf Effizienz zu achten...

Als Orchester wird die Sache aber deutlich aufwendiger, und für diesen Weg braucht man die richtigen Partner. Da haben wir mit Sascha Lafeld (First Climate AG) und Jürgen May (2bdifferent) tolle Experten an unser Seite.

Inwiefern stellt Sie jede Veranstaltung vor neue Herausforderungen?

Bühnenoutfits, Logistik, Catering - es ist eine enorme Herausforderung, im Sinne der Klimaneutralität zu agieren. So reisen wir möglichst mit der Bahn, sind immer auf der Suche nach neuen nachhaltigen Lösungen für Logistik, passende Stoffe, Merchandising, Technik usw.

Es wird immer ein Teil CO2 bleiben, den wir nicht verhindern können. Um den Ausgleich auch dafür zu schaffen, engagieren wir uns für Biogasanlagen für private Haushalte in Indien, wo am Ende mit Kuhdung Biogas erzeugt werden kann.

Das in den Anlagen hergestellte Biogas verwenden die Haushalte zum Kochen von Speisen und Wasser als auch zur Beleuchtung ihrer Hütten. Ein Großteil der Haushalte in den ländlichen Regionen Indiens ist seit je auf Holz zur Deckung des Energiebedarfs angewiesen.

Traditionell ist das Sammeln von Holz eine Aufgabe für die Frauen und Kinder, die hohen Belastungen ausgesetzt sind. Durchschnittlich werden pro Haushalt bis zu 5 kg Holz am Tag verwendet. Darüber hinaus entsteht bei der Verbrennung in den Hütten gesundheitsschädlicher Rauch.

Woher kommt ihr Engagement für nachhaltige, klimaneutrale „Green Events", und warum verbinden sie dieses Engagement mit ihrem Orchester?

Der Begriff Ecotainment beschreibt unsere Idee recht gut: Wir wollen mit dem Berlin Show Orchestra einen Beitrag leisten für einen umweltbewussteren Umgang mit den Ressourcen, die uns diese Welt bietet. Mit Zeigefinger und Moral braucht man niemanden zu versuchen zu überzeugen. Was wir wollen, ist, möglichst viele Menschen mit dem Thema in Berührung bringen.

Es geht darum zu zeigen, dass jeder mit ganz einfachen Dingen schon was bewegen kann, und dass es sinnvoll ist, sich mit dem Thema umweltfreundliche Veranstaltungen zu beschäftigen. Und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es ja eigentlich nicht sein kann, dass Veranstaltungen, die Spaß machen sollen und ein Erlebnis für einen sind, dann am Ende eine Umweltsauerei darstellen.

Das muss aber gar nicht sein und der Besucher kann einerseits von Veranstaltern eine Umweltfreundliche Lösung erwarten und andererseits auch selber etwas tun.

Inwiefern?

Indem er z.B. seinen CO2-Austoß bei der Anreise reduziert bzw. sich an der Neutralstellung der CO2-Emissionen beteiligt, die durch die Veranstaltungen entstehen. Das geht ja mittlerweile ganz einfach per Knopfdruck, wenn man sein Ticket bestellt. Einige der Ticketanbieter haben solche Green Ticketing- Lösungen bereits integriert.

Doch nur, wenn möglichst viele Menschen mitmachen, kann Umweltschutz erfolgreich sein?

Ja, deshalb bieten wir qualitativ hochwertige Unterhaltung. Nicht nur Musik, sondern Unterhaltung bzw. Shows mit Artisten, Stars, Showacts, Aerial Acts. Wir wollen das allgemeine Verständnis von einem Orchester revolutionieren. Ich möchte die Grenzen zwischen Film und Live Entertainment ineinander übergehen lassen. Wir wollen im positiven Sinne mit Live Entertainment „süchtig" machen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Stars wie Jimmy Somerville, Ute Lemper oder Schiller? Wie stellen sie sich auf die unterschiedlichen Anforderungen und Stile ein?

Für die Live Entertainment-Konzepte ist bei uns Stefan Lohmann zuständig, der für die unterschiedlichsten Veranstalter das Artist Relations Management macht - u.a. für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis, wo wir mit dem Orchester auch schon gespielt haben und auch wieder für 2016 gefragt wurden.

Wir sind ein Netzwerk von vielen kreativen Menschen, die sich alle mit Herz und Seele in das Projekt einbringen. Insbesondere die Arbeit unseres Musical Directors Felix Neumann zeichnet sich durch große musikalische Empathie aus, was auch draußen wahrgenommen wird.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Jeder Gast-Star erhält auf ihn zugeschnittene Arrangements, und auf der Bühne tragen wir ihn buchstäblich auf Händen. Wer einmal mit uns gespielt hat kommt wieder.

Was sind ihre Ziele für die Zukunft?

Alle Projekte mit dem Privatleben weiterhin im Einklang zu halten und die Balance zwischen Leben und Arbeit weiter zu verbessern. Die schönen kleinen Momente noch mehr genießen, um kreativ und offen für Neues zu bleiben.

Ich freue mich auf die Arbeit an neuen Folgen des ARD-Kroatien-Krimis mit einem wundervollen Team, auf die Realisierung meines eigenen Spielfilms zusammen der Produktionsfirma Pantaleon, auf weitere schöne Konzerte in der ganzen Welt, und dass wir eine positive Lebenseinstellung verbreiten können.

Wohin soll es mit dem Berlin Show Orchestra gehen?

Wir wollen zeigen, was alles möglich ist mit einem modernen Klangkörper. Wir wollen Bilder kreieren, die begeistern. Wir arbeiten mit Licht, Video-Mapping und mit Soundvisionären wie Schiller. Diese Arbeit ist so inspirierend und macht so viel Spaß - auch mit unseren tollen Musikern, die alle für dieses Projekt brennen.

Zudem möchten wir auf auch auf die positiven Auswirkungen aufmerksam machen, die die umweltfreundliche Durchführung von Veranstaltungen bieten und dass jeder etwas dafür tun kann - ohne großen Aufwand, z.B. durch Green Ticketing. Den meisten ist aber das Ausmaß der Möglichkeiten nicht bewusst. Denn es werden Millionen und aber Millionen von Tickets verkauft in Europa. Da muss man kein Mathegenie sein, um zu erkennen, dass diese Summen Möglichkeiten bieten.

CO2 ist ein weltweites Problem, und es lässt sich interessanterweise ein viel größerer Effekt der CO2 Reduzierung pro Euro in Ländern realisieren, die außerhalb der EU Grenzen liegen. Viele dieser Länder benötigen dringend Investitionen und Jobmöglichkeiten. Die Projekte zur CO2 Reduzierung bieten also Lösungen für die Probleme in den Schwellenländern.

Ich habe das große Bedürfnis nach wertvoller Lebenszeit, und vielleicht können wir mit unseren Projekten auch die Welt ein Stück weit verbessern.

Sind sie auch privat so grün aufgestellt?

Ich bewege mich durch die Stadt zum größten Teil mit dem Rad. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder ganz individuell seinen eigenen Mix finden muss. Aber wer sich einmal mit dem Thema beschäftig hat, wird merken, dass es eigentlich ganz leicht ist, etwas zu finden, wo man CO2 einsparen kann ohne dass es große Einschränkungen bedeutet.

Uns geht es darum, alle mitzunehmen auf eine Reise in eine umweltfreundlichere Lebensweise. Es macht Spaß zu schauen, wo ich noch optimieren kann - ganz ohne Zwang, einfach aus Spaß an etwas Gutem und Sinnvollem.

Zur Person:

2016-09-29-1475152765-1525272-image002.jpg

Lenn Kudrjawizki (Copyright: Markus Nass / T&T)

Geboren in Leningrad, absolvierte Lenn Kudrjawizki zunächst in Ost-Berlin eine umfassende Schauspiel-, Sprach- Klavier- und Violinenausbildung, die er 2003 mit dem Diplom erfolgreich abschloss. 1994 hatte er sein Fernsehdebüt mit der Rolle des Wladimir in dem Film "Katrin und Wladimir". Es folgten Jean-Jacques Annauds "Duel - Enemy at the Gates" sowie Alain Gsponers Kinofilm "Kiki und Tiger".

Von 2001 bis 2006 hatte er die Ensemblehauptrolle in der Krimiserie "Abschnitt 40". Seitdem spielte er in vielen erfolgreichen Fernseh- und Kinoproduktionen wie Die Päpstin, Die Fälscher (Oscargewinner 2008 für den besten ausländischen Film), in der Paramount -Produktion "Jack Ryan", neben Kevin Costner und Keira Knightley unter der Regie von Kenneth Branagh, "The Transporter Refueled" produziert und geschrieben von Luc Besson und kürzlich als erfolgreicher ARD-Kommissar im Kroatien-Krimi.

2007 gab er mit seinem Kurzfilm "Today is my day" sein Regiedebüt. Seine zweite Arbeit als Regisseur war "Thank you Mr. President" fertiggestellt 2009), er feierte eine große Festivalkarriere und gewann den Murnaupreis.

Beiden Filmen wurde das Label "Prädikat wertvoll" von der FBW verliehen. 2014 drehte er seinen dritten Kurzfilm "Business as usual- Der Prophet fliegt mit", für den er unter anderem den Menschenrechts Preis von Amnasty International verliehen bekommen hat.

2016 gründet und produziert er das erste nachhaltig aufgestellte Orchester "The Berlin Show Orchestra" zusammen mit Live Entertainment Experten Stefan Lohmann und engagiert sich damit für die CO2 Reduzierung und damit globale Nachhaltigkeit.

Weitere Informationen:

Sind wir bereit für Green Ticketing?


Grün rockt! Nachhaltige Veranstaltungs- und Tourneeplanung


Klimaneutrale Veranstaltungen mit Green Ticketing

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.