BLOG

Bangladesch in unruhigen Zeiten

29/11/2015 15:56 CET | Aktualisiert 29/11/2016 11:12 CET
Getty

Im folgenden Gastbeitrag zeigt der Nachhaltigkeitsexperte Dr. Michael Arretz auf, wie sich das Reisen in Bangladesch verändert hat und was bei einem Blick auf Deutschland aus der Ferne bleibt.

Von Dr. Michael Arretz

Es sind besondere Zeiten, in denen die Kriegstrommeln geschlagen werden, russische Flugzeuge von dem Nato-Mitglied Türkei abgeschossen werden und Menschen wie Du/Sie und ich von fanatisierten Menschen einfach erschossen werden.

Ich selbst bin mal wieder in Bangladesch, dem Land, das sich abmüht in seinem Entwicklungsprozess, aber auch vorankommt.

Mit Textil- und Lederexporten von mehr als 25 Milliarden US Dollar ist man deutlich vorangekommen und auch bei der Erreichung von Millenniumszielen.

Das sind große Erfolge für dieses kleine Land mit seinen 160 Millionen Einwohnern. Wenn sich nun die Einkommenssituationen der Menschen noch weiter verbessern würden, haben diese noch mehr von diesen Erfolgen.

Auf der anderen Seite bleibt wie so oft die Umwelt auf der Strecke. Deshalb bin ich vornehmlich in den Textilfabriken unterwegs, um die Etablierung von Managementsystemen voran zu bringen. Damit kann sichergestellt werden, dass systematisch und Schritt für Schritt die CO2-Emissionen, die Wasserverschmutzung und der Verbrauch von gefährlichen Chemikalien reduziert werden können.

Nach meiner letzten Reise im September bin ich wieder in Dhaka und bewege mich anders als sonst. Wenn ich zuvor ganz normal im Toyota durch den Verkehr geschaukelt und gerüttelt wurde und ab und an mal einfach ausstieg - sei es um etwas anzuschauen oder einfach dem Stau ein Schnippchen zu schlagen - bleibe ich jetzt sitzen. Und das hinter gestreiften Vorhängen mit lieblichem Streifenmuster in Pastelltönen. Nur zur Vorsicht und um niemanden auf radikale Gedanken zu bringen.

Zwar hat unser Botschafter Dr. Prinz uns beruhigt und das Risiko für „Expat's", ob nun Christen oder nicht, im Diplomatenviertel als gering bezeichnet. Es ist hier auch wirklich alles ruhig, aber ich bewege mich ja auch in den Außenbezirken, und da will ich vorsichtig sein.

Doch es sind auch die Zeiten, in denen Helmut Schmidt gestorben ist und in einer mich bewegenden Trauerfeier zum Ohlsdorfer Friedhof geleitet wurde. Er, der vom Hamburger Bürgermeister Scholz als Gigant bezeichnet wurde, wird uns fehlen. Gerade in diesen Zeiten, wo seine Nach-, Nach-Nachfolgerin für das elementare Recht auf Freiheit, Sicherheit und Frieden kämpft. Ihr gebührt mein ganzer Respekt, und es ist hart zu sehen, wie ihr dem „Mainstream" folgend und der Parteiräson sich ergebend auf offener Bühne ein „Contra" gegeben wird. Gegen was, für wen?

Ich denke, wir sollten alle die unterstützen, die sich für die gute Versorgung der Menschen, die zu uns geflüchtet sind, einsetzen. Seien es die Politiker, die organisieren, die vielen deutschen Beamten, die unbürokratisch helfen und manch bislang unbedachte Lösung schnell in die Realität umsetzen, oder die vielen Freiwilligen mit ihrem vielfältigen Engagement.

Wir sollten helfen und das nicht nur mit Worten, Gebeten, für all die Gläubigen unter uns, sondern eben auch in Taten.

Von daher bin ich ein wenig beruhigt, dass ich nicht nur Kleidung der ganzen Familie zusammen suchen und diese zu den Messehallen bringen konnte, sondern wir als Gemeinde nunmehr sieben Flüchtlingen ein sicheres Zuhause geben konnten.

Es handelt sich um zwei Flüchtlinge aus Syrien, wobei der eine seinen Aufenthaltsstatus soeben zuerkannt bekommen hat. Zum anderen eine Familie aus dem Libanon, die nach dem Kirchenasyl und der Aufnahme in eine Flüchtlingsunterkunft hätten wechseln müssen. Für sie ist eine gute Zeit in dem Wohnhaus der Kirchengemeinde angebrochen.

Arbeiten wir alle dafür, dass es noch für mehr Menschen möglich wird, bei uns im reichen Deutschland ein neues Zuhause zu finden und sich hier sicher zu fühlen.

Zur Person:

Dr. Michael Arretz gründete 2014 das Unternehmen „Management in Accordance". Klienten erhalten eine intensive Begleitung bei der Darstellung der aktuellen Situationen in den Fabriken und der Entwicklung strategischer Stoßrichtungen für mehr Nachhaltigkeit in den Prozessen. Vor allem bei der Umsetzung der entwickelten Maßnahmen steht er ihnen zur Seite. Dabei kooperiert er mit erfahrenen Partnern in Deutschland, Europa und einigen asiatischen Ländern, um auch vor Ort in der Supply Chain tätig sein zu können.

Zuvor arbeitete Arretz über 17 Jahre für die Otto Group und baute dort die Systain Consulting maßgeblich auf. Seit 2010 war er für den Textildiscounter KiK in Bönen tätig, wo er für die Bereiche Kommunikation, Qualität und CSR verantwortlich war. Hier wurde nicht nur das Qualitätsmanagementsystem weiterentwickelt, sondern auch ein Umweltmanagementsystem aufgebaut und nach der ISO 14001 zertifiziert. Darüber hinaus wurden die ersten beiden Nachhaltigkeitsberichte erstellt und veröffentlicht.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite