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Ausgeschöpft: Was wir gegen die weltweite Wasserknappheit tun können

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DRINKING WATER
Geber86 via Getty Images
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„Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser." (Thales von Milet, 6. Jahrhundert vor Christus)

Unbändiger Durst

Mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt heute ohne ausreichende Wasserversorgung. Weltweit leiden derzeit etwa 30 Länder unter Wassermangel. Wächst die weltweite Wassernachfrage weiter, wird sie das verfügbare Angebot im Jahr 2030 (in Milliarden Kubikmetern) um 40 Prozent übersteigen (Quelle: 2030 Water Resources Group).

3900 Liter Wasser verbraucht jeder von uns täglich. Nur 122 Liter davon fließen durch Wasserhähne, Toiletten oder Waschmaschinen. Der größte Teil steckt in Lebensmitteln, Textilien und anderen Produkten. Allein die Herstellung eines T-Shirts aus Baumwolle (sie gehört zu den wasserintensivsten Kulturpflanzen) verbraucht 4100 Liter Wasser, für ein Auto sind es bis zu 400.000 Liter. In den USA liegt der Durchschnittsverbrauch pro Person und Tag bei 300 Litern, in der EU bei 150 Litern. In ländlichen Regionen afrikanischer Trockengebiete stehen der Bevölkerung pro Person nur 20 Liter täglich zur Verfügung.

Obwohl die Erde zu drei Vierteln mit Wasser bedeckt ist, ist nur der geringste Teil davon (2,6 Prozent) Süßwasser, und nur 0,3 Prozent können als Trinkwasser verwendet werden. Es ist kostbar und rar - vor allem in trockenen Regionen der Welt. Weltweit müssen nach Angaben der WHO mehr als eine Milliarde Menschen verunreinigtes Wasser trinken, weitere 2,3 Milliarden leiden unter Wassermangel, täglich sterben Tausende Menschen an Durchfallerkrankungen.

Wenn heute von weltweiter Wasserknappheit gesprochen wird, bedeutet das allerdings nicht nur, dass es faktisch zu wenig Wasser gibt - sie kann auch durch andere Umstände wie die Privatisierung von Gewässern entstehen: Private Konzerne kaufen sich beispielsweise verstärkt in die Wasserversorgung von Städten ein. In Deutschland verdienen sie bei vier bis zehn Wasserhähnen mit. In Entwicklungsländern ist der Anteil häufig sogar noch höher. Dabei hatte die UNO am 28. Juli 2010 beschlossen, dass sauberes Trinkwasser ein Menschenrecht sei und keine Handelsware, Konsum- oder Geldanlage.

Warum wir unseren Umgang mit Abwasser ändern müssen

Die Hälfte des Grundwassers in Deutschland ist mit Nitrat belastet - am höchsten sind die Werte in Regionen mit viel Massentierhaltung. Der Naturforscher Josef H. Reichholf blickt in seinem Buch „Mein Leben für die Natur" nicht nur auf sein Leben in Fülle und Schönheit zurück, sondern sorgt sich auch um die Gegenwart. Der Zoologe und Evolutionsbiologe kritisiert, dass ökologisch kaum näher untersucht wird, was Gülle, die häufig am Wochenende oder zur Ferienzeit im Hochsommer ausgefahren wird, wirklich enthält. Sie gilt als „Wertstoff" (obwohl bekannt ist, dass sie Antibiotika aus der Tierhaltung enthält), der das Landleben auf eine nicht nachhaltige Weise beeinträchtigen darf. Es gibt keine Prüfverfahren, wie sie etwa für die Zulassung neuer Pestizide oder Medikamente vorgeschrieben sind.

Vor allem chemische Substanzen und Arzneimittelrückstände belasten deutsche Abwässer (und wurden sogar in Trinkwässern nachgewiesen): Viele Kläranlagen können diese Rückstände nicht vollständig herausfiltern, und so gelangen diese in die Gewässer. Deshalb müssen neue Filter entwickelt und zusätzliche Reinigungsstufen in die Kläranlagen eingebaut werden.

Effizienter als die nachträgliche Reinigung ist es, wenn Abwässer in geschlossenen Kreisläufen direkt vor Ort gereinigt und wiederverwendet werden (weltweit hat Singapur das Wasserrecycling am nachhaltigsten vorangetrieben).

Nachhaltiges Engagement: Menschen in ihrem Element

Viele Menschen, die sich für Nachhaltigkeit engagieren, nennen Wasser als „ihr" Element. Dazu gehört auch Ralf Otterpohl, Autor des Buches „Das neue Dorf": Sein Vater hatte ein Segelboot, mit dem er als Kind häufig auch allein auf dem Steinhuder Meer unterwegs war. Als Jugendlicher brachte ihn sein Onkel zum Schnorcheln. Später begleitete ihn das Thema auch in seinem Studium des Bauingenieurwesens in Aachen: Hier lernte er die Siedlungswasserwirtschaft kennen, und ihm wurde bewusst, dass er mit Kläranlagen Gewässer schützen wollte.

In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Computersimulation von Kläranlagen. Dabei wurde ihm klar, dass Kanalnetze und Kläranlagen in der herkömmlichen Form nicht wirklich sinnvoll sind:

„Toiletten müssten Humus und Dünger produzieren, statt Wasser zu verschmutzen! Damit wurde ich ein Rebell, und das, ehrlich gesagt, gar nicht so ungern. Um neue Wege gehen zu können, gründete ich ein Ingenieurbüro in Lübeck - am Wasser."

Mit der Computersimulation von Großklärwerken und dem Vertrieb entsprechender Software verdiente er genug Geld für ein Haus. Etwa die gleiche Summe setzte er für die Entwicklung neuer Abwasserkonzepte ein.

In Lübeck entwickelte er ein Abwasserkonzept mit Flüssigdünger- und Energieproduktion aus dem getrennt gesammelten Toilettenabwasser und Bioabfall für eine Neubausiedlung. Heute werden nach diesem Vorbild viele solcher Anlagen gebaut, vorwiegend in China.

Was wir selbst tun können:
Tipps zum Wassersparen im Haushalt von A bis Z

Bad

Für ein Vollbad braucht man 150 Liter Wasser, beim Duschen nur 50 Liter. Wird beim Einseifen das Wasser abgestellt, sind es nur noch 20 Liter. (So viel haben weltweit über 1 Milliarde Menschen pro Tag überhaupt zur Verfügung.)

Durch einen normalen Wasserhahn fließen pro Minute 6n bis 12 Liter Wasser. Durch die Verwendung eines Wasserhahnaufsatzes, der den Durchfluss verringert, können bis zu 50% eingespart werden (bei einer vierköpfigen Familie sind das bis zu 47 500 Liter jährlich). Bei einem tropfenden Wasserhahn werden täglich bis zu 20 Liter Wasser vergeudet.

Die Toilettenspülung kann mit einer Spartaste oder einem automatischen Spülstopp ausgestaltet werden.

Alte WC-Spülkästen verbrauchen bis zu 14 Liter bei jedem Spülvorgang. Neue Spülkästen verbrauchen rund 9 Liter, mit einer Spartaste nur 3 bis 4 Liter. Ist bei einem Spülkasten der Dichtungsring defekt, laufen bis zu 200 Liter Wasser unnötig in die WC-Schüssel.

Im Bad sind die Waschmaschine, das Warmwasser und der Wäschetrockner die größten Energieverbraucher. Bettwäsche beispielsweise muss bei normaler Verschmutzung gar nicht bei 60 oder gar 90 Grad gewaschen werden (40 Grad erfüllen denselben Zweck). Das Vergleichsportal Netzsieger.de hat dazu eine übersichtliche Anleitung mit Tipps zum Wäschewaschen erstellt:

Verschmutzungsgrad Waschtemperatur

Leichte Verschmutzung: 40 Grad
Starke Verschmutzungen: 60 Grad
Kranken-Bettwäsche : 95 Grad
Hygienespülmittel für keimfreies Waschen: 40 Grad

Einkaufen

Das Kaufen langlebiger Produkte spart Wasser, denn für die Herstellung von Industrieprodukten und die dafür nötigen Kunststoffe ist viel Wasser erforderlich. Zudem sollten Produkte bevorzugt aus Ländern mit hoher Wassereffizienz sowie hohen Nachhaltigkeitsstandards importiert werden.

Garten

Regenwasser sammeln spart Geld und ist gut für die Pflanzen. Eine Regenwassertonne mittels Adapter an eine Regenrinne angeschlossen, ist nicht sehr arbeitsintensiv. Das Wasser ist weicher als vielerorts aus der Leitung, weniger kalt als aus dieser und kostenlos noch dazu. Es gibt sogar spezielle Tanks, die im Garten oder der Einfahrt eingegraben werden können und Regenwasser sammeln.

Beim Wässern im Sommer gilt: Weniger gießen, dafür reichhaltig.

Küche

Ein moderner Geschirrspüler spart mehr als die Hälfte an Wasser und Energie im Vergleich zum Abwasch von Hand. Es kann deshalb auch einen Tag gewartet werden, bis der Geschirrspüler eingeschaltet wird (Quelle. memolife).

Jährlich gelangen rund 150.000 Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel ins Abwasser. Besser ist es deshalb, auf ökologische Reinigungsmittel zu setzen. Zudem sollte das Wasser erst gewechselt werden, wenn der Schaum vollständig verschwunden ist. Auch beim Geschirrspüler sollten biologisch abbaubare Mittel bevorzugt werden.

Der Elektroherd ist ein Stromfresser und sollte für kleinere Mengen kochendes Wasser gar nicht angestellt werden. Ein Wasserkocher arbeitet wesentlich effizienter und liefert das für Kaffee, Tee oder beispielsweise eine Nudelsuppe benötigte kochend heiße Wasser schneller und sparsamer.

Statt auf Mineralwasser in Plastikflaschen zu setzen, sollte in einen Wassersprudler investiert werden. Damit kann eigenes Mineralwasser gemacht werden, mit genau so viel „Zisch", wie jeder es mag. Noch besser ist das Wasser aus der Leitung, das überall in sehr guter Qualität frei Haus erhältlich ist (Quelle: memolife).

Weiterführende Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben; Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen; Küchen-Kultur und Lebensart: Warum Verantwortung nicht zwischen Herd und Kühlschrank aufhört. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Ralf Otterpohl: Das neue Dorf. Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren. Oekom Verlag, München 2017.

Ernst Bromeis: Jeder Tropfen zählt. Schwimmen für das Recht auf Wasser. Rüffer & Rub Sachbuchverlag, Zürich 2016.

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Lesenswert:

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