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Ausdauer und Wendigkeit: Warum sich die besten Digitalisierungsmacher im Mittelstand nicht ausknocken lassen

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„Wer sich nicht rechtzeitig digitalisiert, der wird im übertragenen Sinne ausgeknockt." (Wladimir Klitschko)

Erstklassig im Kleinen - marode im Großen

„Wer interessiert sich schon für Hydraulik?", fragt der Mathematiker und Autor Gunter Dueck in seinem aktuellen Newsletter (DD298). Wo bewerben sich Studenten? Natürlich bei einem Großkonzern. Bevorzugt wird bekanntlich das Stereotype: „Germans eat sourcrout". Dabei könnten sie bei den Hidden Champions der deutschen Wirtschaft wundervoll arbeiten, schreibt Dueck und führt einige triftige Gründe an: Dort werden „auch nie gleich Tausende vor die Tür gesetzt, wie jetzt bei Banken und Computerfirmen. Wer ängstlich ist, Sicherheit braucht und in Großunternehmen Geborgenheit vermutet, überschreitet wahrscheinlich gerade die Torheitslinie."

Er kritisiert zu Recht, dass die Besten „wegen mangelnder Anstrengung für Detailerfahrung" in den üblichen Großkonzernen landen. Die nicht so Guten „müssen" dann eben in den Mittelstand. Doch was macht ihn so erstklassig? Und weshalb sind viele der Großkonzerne mit den „Besten der Besten" so marode? Weil sie sich in „schwarmdumm-frustigen Meetings" zusammenfinden und die Digitalisierung verschlafen.

Wer Deutschland rettet, sind nach Dueck die „nicht so Guten" durch die weltbekannte Exzellenz „of German Mittelstand". Was ihnen leider häufig fehlt, sei schlicht die öffentliche Aufmerksamkeit und nachhaltige Kommunikation.

Luft nach oben

Der deutsche Mittelstand ist alles andere als digital naiv und weniger gut. Hier gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die den technologischen Wandel als Chance verstehen. Elf von ihnen haben es mit ihren smarten Projekten in die Endrunde des Digital Champions Award 2017 geschafft, darunter die Mader GmbH & Co. KG.

Seit mehr als 80 Jahren versorgt das Unternehmen aus Leinfelden-Echterdingen Kunden mit Druckluft. Dabei wird vor allem Wert darauf gelegt, ihnen nicht nur ein Produkt zu verkaufen, sondern ihnen auch nachhaltige Dienstleistungen anzubieten: von der Planung, Wartung und Reparatur von Druckluftsystemen bis hin zur Beratung, wie sich die Energieeffizienz erhöhen lässt.

Dazu gehört auch eine App, die die Jury beeindruckt hat: Sie erlaubt es, in Systemen Löcher zu erfassen, durch die Druckluft entweicht. Sie sei „ein hervorragendes Beispiel, dass die Digitalisierung alle Branchen erfassen kann und erfassen wird - und jeder daraus einen Vorteil zieht".

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Foto und Copyright: Mader GmbH & Co KG

Das Unternehmen steht im Ballungsraum Stuttgart mit Namen wie Daimler und Porsche im Wettbewerb, wenn es um gut ausgebildeten Nachwuchs geht und darum, ihn zu gewinnen bzw. zu halten. „Es gibt sehr viele junge Menschen, die sich bei einem Mittelständler wohler fühlen als in einem Konzern. Hier haben sie einen großen Gestaltungsspielraum, eine überschaubare, schlanke und transparente Organisation sowie kurze Entscheidungswege. „Es ist allerdings wichtig, dass der Mittelstand in einem enger werdenden Arbeitsmarkt diese Vorteile noch deutlicher nach außen kommuniziert", bestätigt auch Werner Landhäußer, geschäftsführender Gesellschafter der Mader GmbH & Co. KG die Aussage von Gunter Dueck. Denn für junge Menschen ist die Art und Weise, wie Unternehmen kommunizieren, zum Auswahlkriterium für einen attraktiven Arbeitgeber geworden.

Der richtige „Treffer"

Mit dem Digital Champions Award 2017 ist Jörg Mittelsten Scheid, der langjährige Chef von Vorwerk, ausgezeichnet worden. Laudator war der ehemalige Boxweltmeister im Schwergewicht Wladimir Klitschko, der mit Werner Landhäußer zu Deutschlands Gesichtern der Nachhaltigkeit gehört. Anlässlich der Preisverleihung führte Klitschko mit Jörg Mittelsten Scheid im Juni 2017 ein Gespräch in der WirtschaftsWoche, das eine wichtige Ergänzung zur Buchpublikation „Challenge Management" von Wladimir Klitschko ist.

Im Interview mit Jörg Mittelsten Scheid kritisierte er vor allem die „Folklore" im Digitalisierungskontext, denn Kapuzenpulli statt Anzug sagen noch nichts über digitale Fähigkeiten und nachhaltige Ergebnisse aus. Auf seine Frage, wie man es schafft, sich als Mittelständler auf das zu konzentrieren, was zukunftsentscheidend ist, antwortete der Unternehmer, dass der große Vorteil des Familienunternehmens darin liegt, keine Quartalsberichte zu erstellen und keine befristeten Managerverträge zu machen. Die wichtigste Aufgabe sei es, das Unternehmen im Sinne der Nachhaltigkeit gesund an die nächste Generation zu übergeben.

Der über 80-Jährige verschließt sich nicht der Digitalisierung. Er ist immer neugierig geblieben und weiß, dass keine Welle ewig hält und nichts sicher ist. Mit dem Thermomix, dem Bestseller des Unternehmens, zeigte sich der richtige „Treffer" des Unternehmens: der Lucky Punch.

Klitschko weiß aus eigener Erfahrung, dass das in Wirtschaft und im Sport nicht einfach ist: Er dominierte zwar fast zehn Jahre lang die Schwergewichtsklasse, hörte aber mit zunehmendem Erfolg auf anzugreifen, verharrte nur noch in der Deckung und verteidigte seine Titel. Dabei entwickelte er sich nicht weiter, scheute das Risiko und war nur noch zufrieden mit dem, was er hatte. „Und dann kommt irgendwann der Konkurrent und haut dich um - im Boxen und in der Wirtschaft."

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Seinen letzten Kampf gegen seinen Herausforderer Anthony Joshua verlor er im Londoner Wembley Stadion durch technischen K.o. Einige Zeit später verkündete er seinen Abschied aus dem Profiboxsport.

Warum scheiterten einige Menschen, während sich andere überdurchschnittlich gut schlugen? Seine Thesen stellte Klitschko in den Mittelpunkt seiner Dissertation. Als Mittelsten Scheid an seiner Habilitation arbeitete, beneidete er Tischler, weil sie am Ende des Tages einen ein greifbares Ergebnis fertiggestellt hatten - mit einem sinnvollen Nutzen. Später, als Jurist, erkannte er den Vorteil, den Kern einer Sache zu analysieren - eine wichtige Voraussetzung, um ein Unternehmen zu führen. Handwerk, Hightech und eine vorausschauende Unternehmenssteuerung zeichnen heute die erfolgreichsten mittelständischen Unternehmen in Deutschland aus.

„Sich jedoch über einen langen Zeitraum an der Spitze zu halten, erfordert Weitblick und Nachhaltigkeit." (Wladimir Klitschko)

Weitere Informationen:

Wladimir Klitschko: Challenge Management. Was Sie als Manager vom Spitzensportler lernen können. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2017.

Werner Landhäußer und Stefanie Kästle: Druckluft 4.0 goes green: Herausforderungen, Chancen und innovative Lösungen am Beispiel der Mader GmbH & Co. KG. In: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler, Heidelberg und Berlin 2017.

Alexandra Hildebrandt: CSR und Nachhaltigkeitsmanagement richtig umsetzen: Die wichtigsten Schritte und Werkzeuge - mit zahlreichen Praxistipps und Mustervorlagen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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