Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

AUF EIN WORT: Zuhören

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LISTENING
SIphotography via Getty Images
Drucken

2016-07-31-1470001252-7636931-Logo_Schrift.png

„Zuhören" ist der ausgewählte Begriff der Schauspielerin und Autorin Rike Schmid, die AUF EIN WORT unterstützt, eine von Valerie Niehaus, ihrer Schauspielkollegin Christina Hecke und der Fotografin Steffi Henn initiierte Gemeinschaftsinitiative:

"Das ist keine Aktion für oder gegen etwas: sondern eher eine Demonstration von Menschlichkeit und Zusammensein. So sympathisch unpolitisch und trotzdem mit Willen zum gesellschaftlichen Beitrag!" Sagt Rike Schmid auf der Website.

Wie bedeutsam dieser Begriff im Zeitalter der Hyperkommunikation ist, in der Mitteilen oft wichtiger als das echte Erleben zu sein scheint, bestätigt auch der jüngste Essay der Publizistin Carolin Emcke (Süddeutsche Zeitung, 30./31.7.2016):

Es ist im dauernden medialen Reproduktionswahn, („in dem alle sich selbst ernst nehmen, aber nicht mehr den anderen") selten geworden, sich wirklich konzentriert auf jemand anderen einzulassen - ohne Ablenkung oder Unterbrechung.

Sie zitiert in diesem Zusammenhang Daniel Barenboim, der Zuhören einmal als „Hören in Verbindung mit Denken und Konzentration" bezeichnete. Das bedeutet, sich nicht nur auf sich selbst einzulassen, sondern auf das, was zu hören und gedanklich nachzuvollziehen ist.

Zuhören bedeutet, von anderen zu lernen und sich vorbehaltlos auf sie einzulassen. Doch ein reines Ohr erfordert Feingefühl, Offenheit und ein tiefes Empfinden - eine Innigkeit, die aus der Seele geschöpft wird.

Wer verstehen will, muss zuhören können. Vielleicht haben wir deshalb zwei Ohren und nur einen Mund, damit wir uns erinnern, „dass wir zweimal so viel zuhören sollten als selbst zu sprechen", sagt der Neuromerchandising- und Handelsexperte Bert Martin Ohnemüller.

Er verweist auf neurowissenschaftliche Studien, in denen ermittelt wurde, dass wir in der Lage sind, rund 150 Worte in der Minute zu sprechen, aber mehr als 500 Worte hören können.

In seinem aktuellen Buch „Lead. Speak. Inspire." kritisiert er ebenfalls unseren Umgang mit Kommunikation: „Jeder will möglichst laut und schnell seine Botschaften durchsetzen. Für aktives und bewusstes Zuhören fehlt einfach die Zeit."

2016-07-31-1470001437-8493539-BertMartinOhnemuellerPortraet.jpg

Foto: Bert Martin Ohnemüller

Ohnemüller plädiert für ein aktives Zuhören, das zu einem zufriedenstellenden Umgang mit anderen führt - denn es verbessert Beziehungen und macht das Leben sehr viel leichter und angenehmer. „Aktiv" bedeutet aber auch, wertfrei und empathisch zuzuhören, den ganzen Menschen und die Kommunikation insgesamt wahrzunehmen, also nicht nur das gesprochene Wort.

Idealerweise sollte auch die entsprechende Schwingung des Gesprächspartners adäquat gespiegelt werden. Wer sich auf die Tonalität des anderen einlassen kann, hört auch besser die Zwischentöne des Lebens.

Ohnemüller gibt unumwunden zu, dass ihn das Nicht-Wissen darum früher das eine oder andere Geschäft oder Auftrag gekostet hat:

„Ich habe mich eben nicht ausreichend auf die Tonalität meines Gesprächspartners konzentriert, sondern meine mir eigene Art des Sprechens genutzt."

Das tun viele Menschen, denn ihre Erwartungen gegenüber einer Sache beeinflussen ihr Verhalten so, dass ihre „Erwartungen erfüllt werden". Dies ist nicht zuletzt auf unsere „selektive Wahrnehmung" zurückzuführen. In der Psychologie wird vom Effekt der „Self-fulfilling phrophecy" gesprochen.

Beim so genannten Bestätigungsfehler hören wir nur, was wir hören wollen. Dabei werden vorgefasste Meinungen oft beibehalten, die uns nur das wahrnehmen lassen, was mit unseren Erwartungen konform ist, „während gegenläufige Signale gern ignoriert werden", so Ohnemüller.

Der Schauspieler und Theaterregisseur Jürg Montalta hat diesem Thema in der Huffington Post ebenfalls einen Beitrag gewidmet, der Zuhören als eine anspruchsvolle Tätigkeit beschreibt, die zwar „in hohem Maß Energie kostet, aber eine Schlüsselkompetenz ist, die es wieder zu entdecken gilt."

Denn wir be-greifen und verstehen nur, wenn wir zuvor empathisch zugehört haben.

Warum ich die Gemeinschaftsinitiative AUF EIN WORT unterstütze

2016-07-31-1470001337-8011154-aew_Dr_Alexandra_Hildebrandt_web.jpg

Copyright: Steffi Henn

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: