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Arbeitswelt 4.0: Die entscheidenden Faktoren künftiger Wettbewerbsfähigkeit

02/04/2017 13:57 CEST | Aktualisiert 02/04/2017 13:57 CEST
Portra via Getty Images

Warum Unternehmen agiler werden müssen

Die Digitalisierung der Gesellschaft im Allgemeinen und Industrie 4.0 im Besonderen haben das Potenzial, die derzeit schwierige demografische Entwicklung positiv zu verändern. Stellenbezeichnungen wie „Digital Officer", „Digital Content Strategy Manager", „Data Manager", „Digital Analyst" oder „CRM Analyst" werden künftig selbstverständlich werden. Das setzt allerdings Können und eine entsprechende Handlungskompetenzen in den jeweiligen Bereichen heraus. An die veränderte Bedarfssituation muss sich die Hochschul- und betriebliche Ausbildung anpassen, indem Personal für Entwicklung, Management und Überwachung von Industrie 4.0-Systemen ausgebildet und die betriebliche Ausbildung vor allem auf die Schaffung weitergehender IT-Kompetenzen auf Facharbeiterebene hin ausgerichtet wird.

Diese Faktoren, denen sich die Innovationsforscherin Prof. Marion Weissenberger-Eibl in ihren Publikationen detailliert widmet, prägen in Zukunft die Arbeitswelt 4.0:

• Dienstleistungen werden weiter an Bedeutung gewinnen.

• Der Arbeitsalltag wird zunehmend von innovativen Informations- und Kommunikationstechnologien geprägt sein.

• Wissen und Kreativität werden zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren künftiger Wettbewerbsfähigkeit.

• Immer mehr unbefristete Vollzeitstellen werden durch befristete Projektverträge, freie Mitarbeit und Teilzeit ersetzt.

• Die Bedeutung von räumlicher Flexibilität wird weiter zunehmen: Mobile Arbeit und das sogenannte Home Office gewinnen weiterhin an Bedeutung.

• Die Gehälter von Angestellten werden flexibler ausgestaltet (z.B. erfolgsbezogene Anteile).

• Es entwickelt sich ein neues Bewusstsein für Wertigkeiten von Arbeit.

Vor dem Hintergrund der stärker ausdifferenzierten Arbeitsumgebungen müssen Unternehmen entsprechend neue und faire Arbeitsweisen sowie innovative Führungstechniken entwickeln. Flexibilisierungspotenzial in der Arbeitswelt 4.0 bedeutet, dass Unternehmen den richtigen Level an Agilität finden müssen: Mitarbeiteragilität, Produktionsmaschinenagilität, Logistik, Produktionsnetzwerk, Einkauf und Agilität in der Produktgestaltung. Dafür braucht es eine entsprechende organisatorischen und kulturellen Rahmenbedingungen, unter denen sich Menschen entwickeln können, denn Agilität muss im organisatorischen Design sowie dem Mindset der Mitarbeiter gleichermaßen verankert sein.

Personalmanager und -experten geben Führungskräften hinsichtlich der Entwicklung und Umsetzung neuer Personal- und Organisationskonzepte sowie bei der Auswahl der hierfür geeigneten Mitarbeiter Unterstützung. Dazu gehört auch der Autor und Unternehmer Werner Neumüller, Dipl.-Ing. (FH) von der Neumüller Gruppe in Nürnberg. Aktuell beschäftigt das Unternehmen mehr als 300 Mitarbeiter/innen an fünf Standorten. Kerngeschäft ist die Rekrutierungsunterstützung über die Personaldienstleistung vor allem im akademischen Umfeld und bezüglich Ingenieurqualifikationen. Für die außergewöhnliche Arbeitsweise wurde Neumüller vielfach ausgezeichnet in Form von Kunden-, Mittelstandspreisen und Ehrungen.

Am 31. Januar 2017 wurden in der britischen Botschaft in Berlin im Rahmen der von RSM gesponserten European Business Awards die besten Unternehmen Deutschlands geehrt. Im Beisein des Britischen Botschafters Sir Sebastian Wood nahmen Werner Neumüller und Prokurist Christian Kaiser die Auszeichnung des National Champions entgegen. Der European Business Award ist ein unabhängiger europäischer Wirtschaftspreis, der Unternehmen in verschiedenen Kategorien würdigt und fördert. Ziel ist die Entwicklung einer stärkeren und erfolgreicheren Wirtschaftsgemeinschaft in Europa zu unterstützen. Über 33.000 Unternehmen aus 34 europäischen Ländern haben in diesem Jahr am Wettbewerb teilgenommen. In der nächsten Runde geht es um den "The RSM Entrepreneur of the Year Award". Die erneute Ehrung als "National Champion" ist für Neumüller Bestätigung der nachhaltigen wirtschaftlichen Handlungsweise des Unternehmens:

„Wir beschäftigen aus mehr als 26 Ursprungsnationen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, leben tatsächlich absolute Antidiskriminierung und fühlen uns erneut gestärkt in unserem Bestreben, die Zusammenarbeit Europas in menschlicher, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht zu fördern.", sagt der Geschäftsführer.

Im Oktober 2014 unterzeichnete das Unternehmen die Charta der Vielfalt, eine Initiative rund um Diversity Management, Geschlecht, Nationalität, sexuelle Orientierung, Behinderung, Religion, ethnische Herkunft, Interkulturalität. Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt erklären Arbeitgeber, dass sie Chancengleichheit für ihre Beschäftigten herstellen bzw. fördern werden.

„Spitzenleistung wird insbesondere dann erreicht, wenn das Unternehmen für möglichst heterogene Teams sorgt. Inzwischen wissen wir, dass diese sich durch einen größeren Ideenreichtum und mehr Kreativität in Forschung und Entwicklung auszeichnen, was eine verbesserte Innovationsfähigkeit und Qualität der Forschung bewirkt", bestätigt Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, die seit 2007 das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI leitet. Es analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. ISI-Studien des haben gezeigt, dass gerade gemischte Teams besonders erfolgreich zusammenarbeiten. „Nicht zuletzt kann Vielfalt auch dazu beitragen, Team- und Führungskulturen zu verändern und einen sozialeren Umgang miteinander zu fördern. Angesichts des demografischen Wandels und neuer Herausforderungen im Zuge globalisierter Innovationsprozesse ist eine stärkere Beteiligung von älteren Beschäftigten, Migranten und Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft geboten", sagt sie.

Weissenberger-Eibl plädiert dafür, dass wir unbedingt unsere Arbeitsweise überdenken und disziplinübergreifend arbeiten müssen. Nur auf diese Weise lässt sich das Innovationspotenzial umfänglich freizusetzen.

Warum der Wettbewerb um Innovation auch ein Wettbewerb um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist

„Im akademischen Umfeld gesucht werden möglichst innovative Mitarbeiter für zukunftsträchtige Lösungen und Entwicklungen", bestätigt auch der Personalexperte Werner Neumüller, der wie Marion Weissenberger-Eibl betont, dass zur Innovationskultur auch ein Führungsstil gehört, der den Mitarbeitern Freiräume lässt und sie ermutigt, neue Ideen weiter zu entwickeln und mit Risiken und Fehlern umzugehen. Jede/rmuss dazu allerdings seinen persönlichen Anteil zu einer Vertrauenskultur beitragen.

Ein aktuelles Beispiel für die konkrete Umsetzung:

Das Forschungsprojekt "Entscheidung für Energieeffizienz - Auswirkungen von Unternehmenskultur und Technikdiffusion in produzierenden KMU in Baden-Württemberg" der Hochschule Reutlingen hat sich zum Ziel gesetzt, den Entscheidungsprozess für Energieeffizienz-Maßnahmen in kleinen und mittelständischen Unternehmen zu untersuchen und Faktoren zu ermitteln, die die Umsetzungsbereitschaft erhöhen. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart und mit Unterstützung des Instituts für Soziologie der Universität Wien sollen konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft abgeleitet und Vorschläge für verbesserte Instrumente und Kommunikationsstrategien zur Steigerung der Energieeffizienz entwickelt werden.

Im Projekt wird ein besonderer Fokus auf die sozialen Prozesse im Zusammenhang mit Energieeffizienz in Unternehmen gelegt: Welchen Einfluss haben Unternehmenskultur und Werte, aber auch die Erwartungen der öffentlichen Anspruchsgruppen auf die Umsetzung von Energieeffizienz-Maßnahmen?

Für Praxisbezug sorgen die derzeit insgesamt fünf Industriebetriebe, die das Projekt unterstützen - unter anderem der Leinfeldener Druckluft- und Pneumatikspezialist Mader: Das Unternehmen, ebenfalls Unterzeichner der Charta der Vielfalt, bringt seine Erfahrungswerte bei der Umsetzung von internen Energieeffizienzmaßnahmen, aber auch in der Zusammenarbeit mit Kunden in Drucklufteffizienzprojekten mit ein. „Wir machen die Erfahrung, dass energieeffiziente Druckluft durchaus ein Thema in den Unternehmen ist, oft aber der letzte Schritt zu aktiven Umsetzung von Maßnahmen nicht gegangen wird. Und das trotz kurzer Amortisationszeiten und überzeugender Einsparpotenziale", sagt Marina Griesinger, Mitarbeiterin im Bereich Energieeffizienzmanagement und Ansprechpartnerin bei Mader für das Forschungsprojekt.

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Die Teilnehmer des Forschungsprojekts. Von Mader bringen Marina Griesinger, Mitarbeiterin Energie- und Umweltmanagement (vordere Reihe, 3. von links) und Werner Landhäußer, geschäftsführender Gesellschafter (ganz hinten, rechts) ihre Erfahrungswerte aus der Praxis ein. (Copyright: Hochschule Reutlingen)

Das Beispiel zeigt: Unternehmen müssen sich heute nicht unbedingt neu erfinden, sondern richtig vernetzen, um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten.

Literatur:

CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag. Berlin Heidelberg 2017.

Christan Ramsauer, Detlef Kayser, Christoph Schmitz: Erfolgsfaktor Agilität: Chancen für Unternehmen in einem volatilen Marktumfeld. Wiley VCH, Weinheim 2017.

Werner Neumüller und Alexandra Hildebrandt: Tun statt reden. Personalverantwortung 21.0 von A bis Z. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Marion Weissenberger-Eibl: "Persönlichen Gestaltungsspielraum ausbauen". In: PERSONALquarterly 1 (2016), S. 6-9.

Lesenswert:

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