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Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung: Worauf es jetzt ankommt

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Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wird die Überzeugung der internationalen Staatengemeinschaft ausgedrückt, dass sich die globalen Herausforderungen nur in Gemeinschaft lösen lassen. Grundlage dafür ist die Agenda 2030, die im September 2015 auf einem Gipfel der Vereinten Nationen von allen Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde. Sie ist für alle Staaten dieser Welt gültig.

Das Kernstück bildet ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs, die alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales) gleichermaßen umfassen. Die Ziele sind unteilbar und bedingen einander. Ihnen vorangestellt sind fünf Kernbotschaften als handlungsleitende Prinzipien: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden, Partnerschaft (im Englischen "5 Ps": People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership).

Im April 2017 wurde Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und Inhaberin des Lehrstuhls Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut für Technologie KIT, in den Lenkungskreis der Sustainable Development Goals (SDG)-Wissenschaftsplattform "Nachhaltigkeit 2030" der Bundesregierung berufen. Diese Plattform ist Teil der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Zu ihrer Hauptaufgabe gehört es, die Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wissenschaftlich zu begleiten und Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Die Innovationsexpertin, die am 8. Mai 2017 am 1. Lenkungskreissitzung SDG „Nachhaltigkeit 2030" der Bundesregierung teilnahm, beschreibt nachfolgend, worauf es jetzt ankommt.

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Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl (Copyright: BMBF-Dienstleistungstagung 2014)

1. Neue Qualität: Nachhaltigkeit als Indikator für Leistungsfähigkeit

Den Sustainable Development Goals werden national wie global ein hoher Stellenwert im politischen Diskurs eingeräumt. Dennoch sind objektiv in zentralen Bereichen wie der CO2-Emission kaum Änderungen zu verzeichnen. Ein „Weiter so" wird nicht genügen, um die Sustainable Development Goals zu erreichen. Die Anstrengungen in Richtung Nachhaltigkeit müssen eine neue Qualität erlangen: Nachhaltiges Handeln sollte die Potenzialträger und leistungsfähigsten Akteure auszeichnen - auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher ebenso wie auf globaler Ebene. Nachhaltigkeit ist eine spannende Zukunftsaufgabe wie Eisenbahnbau oder Mondlandung.

2. Priorisieren auf der Basis von Effektivitäts-Kennwerten

Um die Umsetzung der Sustainable Development Goals voranzubringen, erscheint es insbesondere wichtig, die verschiedenen Handlungsoptionen nach Effektivität zu priorisieren. Ein Nebeneinander von gleichrangigen Optionen birgt die Gefahr der vollständigen Handlungsunfähigkeit. Daher sollten die verschiedenen Maßnahmen nach Relevanz und Effektivität bewertet werden. Basis dafür sind zunächst differenziertere Indikatoren. Da es sich um hoch komplexe Zusammenhänge handelt sind zusätzlich Modelle wichtig, um Handlungswirkungen abschätzen zu können.

3. Neues Wachstums-Dilemma auflösen

Nach wie vor besteht ein entscheidender Zielkonflikt hinsichtlich Wachstum und Nachhaltigkeit. Im 20. Jahrhundert stand das Wachstumsziel im Vordergrund insbesondere, um den Wohlstand zu fördern. Heute geht es vermehrt darum, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu fördern, um Handlungsspielräume zu erhalten - auch auf globaler Ebene im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit. In Zukunft kommt es daher bei Wachstum darauf an, eine Mehr an struktureller Stärke wie Flexibilität, Adaptionsfähigkeit und Potenzial sicherzustellen, als ein Mehr an Waren und Dienstleistungen.

(Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl)

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