BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Alexander Vogt Headshot

Ein deutlicher Appell an meine Parteikollegen: Eine Blockade der Homo-Ehe ist nicht länger tragbar

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LGBT GERMANY
NurPhoto via Getty Images
Drucken

Die Ehe für alle gehört zu den Kernanliegen des Bundesverbandes für Lesben und Schwule in der Union. Wir fordern deshalb seit jeher einen Kurswechsel von CDU und CSU bei der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Menschen.

Wir müssen aber auch klar machen: Die Öffnung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare ist eine Gewissensentscheidung par excellence. Ziel sollte es daher nicht sein, zu warten, bis auch der Letzte von der Richtigkeit überzeugt ist.

Vielmehr muss bei dieser Frage die Abstimmung freigegeben und somit ohne Fraktionsdisziplin erfolgen. Angesichts einer eindeutigen gesellschaftlichen Mehrheit ist eine Blockade nicht mehr tragbar.

Liebe ist nicht auf Mann und Frau beschränkt

Die Ehe gründet auf der gegenseitigen Übernahme von Verantwortung füreinander. Es geht um eine (idealerweise) lebenslange Paarbeziehung, die auf gegenseitiger Liebe gründet. Warum soll das auf Mann und Frau beschränkt sein? Ist die Liebe eine andere? Die Antwort lautet eindeutig NEIN!

Homosexuelle Menschen verspüren in genau demselben Maße wie heterosexuelle Menschen das Bedürfnis nach menschlicher Nähe und Partnerschaft.

Wir fordern also nicht ein Recht für uns ein, dass in Deutschland noch keiner hat (z.B. Geschwisterehe), sondern ausschließlich eines, das andere nicht verwandte Menschen in Deutschland seit Menschengedenken haben - das Recht, den geliebten Partner oder die geliebte Partnerin zu ehelichen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Der Blick in diejenigen Länder, in denen die Gleichstellung längst erfolgt ist - und das sind mittlerweile viele -, zeigt ganz deutlich, dass Ängste in Bezug auf die Eheöffnung unbegründet sind.

Zudem hat die Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Januar dieses Jahres sehr eindrucksvoll gezeigt, wie die Menschen in Deutschland über die "Ehe für alle" denken: Über 80% sprachen sich dafür aus.

Noch nie war die Zustimmung höher

Noch nie war die Zustimmung in Deutschland dazu höher. Das Ergebnis der Studie belegt ganz eindeutig die gewandelten gesellschaftlichen Anschauungen zu Homosexualität im Allgemeinen und zur Ehe im Besonderen.

Wir halten es in dieser Sache absolut mit Jens Spahn, der in einem Zeitungsinterview einmal sagte: „Die Schwulen und Lesben möchten genau das, was uns als CDU wichtig ist: Verlässlichkeit und Verbindlichkeit. Es ist eine Wertedebatte, und die sollten wir mutig und selbstbewusst führen.

Das tun wir bisher zu zaghaft (...) Die Schwulen und Lesben, die sich in ihrer Partnerschaft rechtlich verbindlich dauerhaft binden wollen, leben CDU-Programm. Wer heiratet, macht eine klare Ansage, das ist modern gelebtes Bürgertum. Da sollten wir stolz sein statt ängstlich".

Mehr zum Thema: Was ist eigentlich aus der Homo-Ehe geworden?

Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, sollte daher seine eigene Meinung, nämlich das die Ehe die Verbindung von Mann und Frau sei, nicht der gesamten Partei und speziell den Abgeordneten aufbürden, sondern jeden Parlamentarier frei nach seinem Gewissen über diese Entscheidung abstimmen lassen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Beobachter überrascht sein werden, wie viele selbst in den Reihen der Union längst die neuen Lebenswirklichkeiten in Deutschland anerkennen und, ebenso wie die überragende Mehrheit der Deutschen, für die "Ehe für alle" sind.

Wir sollten den Mut haben, jeden im Deutschen Bundestag den Weg zur Eheöffnung gehen zu lassen, der ihn beschreiten möchte - und zwar unabhängig davon, welche demokratische Partei den Gesetzesentwurf in den Deutschen Bundestag eingebracht hat.

Die LSU versteht sich als Interessenvertretung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender sowie Intersexuelle in der CDU und CSU. Unser Ziel ist es, die Rechte von LGBTTI*-Personen in Deutschland und Europa zu stärken und Diskriminierung zu beseitigen.

(jz)

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.