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Wenn Trump gewinnt

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DONALD TRUMP
scarletsails via Getty Images
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Sollte Donald Trump tatsächlich die Präsidentschaftswahlen in den USA gewinnen, wird am 9 November - genau 27 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer - die Europäische Union im Schock verharren, während in Russland freudig die Glocken geläutet werden. Der Tag könnte eine Zeitenwende markieren.

Die Europäer werden viel Zeit brauchen, um sich an den extravaganten Trump zu gewöhnen. Nach dem Austausch zahlreicher Beleidigungen zwischen westeuropäischen Spitzenpolitikern und Trump im Wahlkampf, wird das Verhältnis zum Chef der westlichen Führungsmacht lange Zeit verkrampft sein.

In Moskau wird man dagegen signalisieren, dass ein vollständiger Reset in den Beziehungen der beiden Großmächte nun möglich ist.

Versöhnung USA - Russland

Trump hat im Wahlkampf mehrere Bemerkungen gemacht, die aufhorchen ließen. Er scheint bereit zu sein, das russische Referendum auf der Krim, das zur Abspaltung der Halbinsel von der Ukraine führte, positiver zu bewerten, als es der Westen heute tut.

Er scheint bereit zu sein zuzugeben, dass der Westen mit seiner Politik der letzten 25 Jahre Russland in die Ecke gedrängt und den gegenwärtigen geopolitischen Konflikt mit verschuldet hat.

Weiterhin scheint er mit dem Gedanken zu spielen, zwischen NATO und Russland einen Deal abzuschließen, der die jetzigen Auseinandersetzungen in der Ukraine, Baltikum und Kaukasus beendet.

Mehr zum Thema: Die ungeschönte Wahrheit über den Russen Donald Trump

Trump wird argumentieren, dass die Interessensgegensätze zwischen Westen und Russland in der Ukraine und Syrien nicht wert sind, einen Dritten Weltkrieg der beiden führenden Atommächte zu riskieren. Natürlich erhofft man sich im Kreml von ihm das Ende westlicher Sanktionen gegen Russland.

Zumindest wird der NATO-Russland-Rat wieder reaktiviert und der gemeinsame Kampf gegen den islamischen Terrorismus in Syrien neu justiert.

Auf dem diesjährigen Valdai Forum in Sotschi, ließ Präsident Vladimir Putin in seiner Diskussionsrunde mit den führendsten westlichen und asiatischen Russlandexperten kaum Zweifel daran, dass ein Wahlsieg Trumps eine positive Wende bedeuten würde.

Mit Hillary Clinton liegt Russland, vor allem nach der mutmaßlichen Cyberattacke gegen ihre Partei, über Kreuz. Putin wies die Beschuldigungen gegen Russland weit von sich. In Russland glaubt man, dass sich im Westen die Herrschaftselite von ihrer Bevölkerung entfremdet hätte und deshalb Millionen Protestwähler alternative Politiker wie Trump begehrten.

Trump - Putin: Gespräch unter Männern

Ein überraschendes Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin gleich nach der Wahl, aber noch vor der Amtseinführung 2017, soll in Planung sein. In den Diskussionen im Valdai Klub schimmerte durch, was Gegenstand eines Reset zwischen USA und Russland werden könnte.

Amerika würde auf eine weitere NATO-Erweiterung in den postsowjetischen Raum verzichten, Washington und Moskau sich auf die Verfestigung gemeinsamer Regeln im internationalen Völkerrecht im Rahmen der UNO verständigen, nicht mehr aufrüsten und möglicherweise die Idee einer gemeinsamen Raketenabwehr aufwärmen.

Trump ist scheinbar bereit, anders als seine Vorgänger im Weißen Haus, die Moskau als Verlierer im Kalten Krieg betrachteten, Putins Russland größeren Respekt zu zollen. Genau das will Putin.

Rückkehr zur Idee Kontinentaleuropa

Und die Europäer? Ein Wahlsieg Trumps und seine Annäherung an Russland würde die Ukraine zu Zugeständnissen im Minsker Friedensprozess drängen. Die Frage der Waffenlieferungen an Kiew wäre vom Tisch. Die EU bekäme freiere Hand, mit der Eurasischen Wirtschaftsunion das Projekt eines gemeinsamen Raumes von Lissabon bis Wladiwostok anzugehen. Wird Europa unter Trump weniger transatlantisch?

Die Spannung ist groß. Mit welchen Gefühlen wacht Europa frühmorgens am 9. November auf?

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