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Dritter Weltkrieg oder eine andere Welt?

16/02/2016 09:54 CET | Aktualisiert 22/04/2017 16:43 CEST
Getty Images

Nach den harschen Reden auf der Münchner Sicherheitskonferenz ist die Verunsicherung groß. Was sollte die Warnung des russischen Premiers Dmitri Medwedew vor einem Dritten Weltkrieg? Was bewog NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit westlichen Atomraketen Säbelrasseln zu veranstalten?

Welchem Ziel dienten die Brandreden der Staatschefs Polens, Litauens und der Ukraine? Und der US-Senator John McCain schlug nur noch wild um sich - gegen seinen Hauptfeind Vladimir Putin und diejenigen im Westen, die mit Russland sympathisieren.

Was will Russland?

Gerne hätte man Medwedew gefragt, was er tatsächlich sagen wollte. Wahrscheinlich, dass der Westen aufhören muss, Russland in Fragen der Demokratie zu erziehen und Moskaus angestammte Einflusszone in der slawischen Welt und den Status Russlands als Großmacht auf globaler Ebene akzeptieren soll.

Dann wäre Moskau bereit, mit der NATO und EU einen Deal über einen gemeinsamen Wirtschafts- und Sicherheitsraum von Lissabon bis Wladiwostok zu schließen. Die Idee eines starken Kontinentaleuropas wäre dann Wirklichkeit, das transatlantische Modell - Geschichte.

Was will Westen?

Stoltenberg hätte geantwortet, dass Russland sich an die Spielregeln der Nachkriegszeit zu halten habe, die durch den Sieg des Westens im Kalten Krieg globalen Bestandteil hätten. Russland könne souveränen Staaten nicht verbieten, der NATO oder EU beizutreten.

Mit der Annexion der Krim habe Moskau Völkerrecht gebrochen und das westliche Wertesystem angegriffen. Die Transatlantische Wertegemeinschaft sei unerschütterlich. Sollte Russland sich nicht zurückziehen, würde die NATO wieder zum Instrument der Eindämmung Russlands ausgebaut.

Und was sagen die Mittelosteuropäer? Sie sehen sich längst im Krieg mit Russland, der Westen solle jegliches Appeasement aufgeben, die Ukraine militärisch aufrüsten und Russland mit brutalen Sanktionen ganz in die Knie zwingen. Ein Russland als Teil der europäischen Ordnung ist für sie undenkbar.

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McCain würde Russland auch in Syrien militärisch bekämpfen, den NATO-Partner Türkei im Konflikt mit Moskau unterstützen und Putins Versuche, einen Großmachstatus wiederzuerlangen, niederringen.

Es existiert kein Dialog, kein Zuhören - nur Propagandavorwürfe, Misstrauen, Drohungen - sogar Hass. Jede Seite wartet, bis das Gegenüber schwächelt und aufgibt. Der Traum von einem gemeinsamen Raum Lissabon - Wladiwostok oder gar Vancouver - Wladiwostok ist ausgeträumt. Statt dessen gewinnt die Idee eines transatlantischen Blocks von Seattle bis Donezk die Oberhand.

Russland raus aus Europa, Europa ohne Russland - das hätte dramatische Folgen für die multipolare Weltordnung. Die asiatische und europäische Sicherheitsarchitekturen müssten sich völlig neu aufstellen.

Absurdes Szenarium?

Allerdings kann schon Ende des Jahres Europa ganz anders ticken - wenn die Massenmigration aus dem Nahen Osten nach Deutschland weiter anhält, die Terrormilizen der IS ihre Angriffe gegen den Westen fortsetzen, Syrien und Irak kollabieren und in Amerika Donald Trump Präsident wird.

Europa, mit all seinen wachsenden Problemen, eingekeilt zwischen Trump und Putin und dem islamischen Extremismus im Süden.

Die heutigen Probleme mit Russland würden sich bis zur nächsten Münchner Sicherheitskonferenz wie von selbst lösen.

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