Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Alexander Pohl  Headshot

So stören Rechte die friedliche Flüchtllings-Demo in München

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken


Seit Mittwoch, dem 7. September, besetzten Geflüchtete den Sendlinger-Tor-Platz. Angefangen hat das Ganze mit einer Demo, die am Stachus begann und durch die Innenstadt bis zum Odeonsplatz zog. Diese Demonstration war sehr friedlich. Gelegentlich gab es aber Passanten, die versuchten, die Demonstranten zu provozieren.

So gab es zu Beginn einen Mann, der in Richtung Geflüchtete den Hitlergruß zeigte. Die Polizei stand direkt daneben. Auch obwohl ein Reporter den Beamten den Videobeweis zeigen konnte. Das Video ist auf Youtube zu finden. Auch ich hatte einen Livestream gemacht, wo man dies sehen kann.

An der Demonstration nahmen wohl insgesamt 300 Menschen teil. Das besondere war, dass fast ausschließlich Geflüchtete an der Demonstration teilnahmen. Klasse gegen Klasse hat ein schönes Video von der Demonstration zusammengestellt. 

Anschließend besetzten die Geflüchteten, vom KVR genehmigt, den Sendlinger-Tor-Platz. Es gab große Solidaritätswellen. Es blieb aber nicht nur bei positiven Resonanzen. Auch Rassisten oder Neonazis versuchten die Versammlung zu stören. So kam am Samstag Michael Stürzenberger, der für PI-News schreibt. Dieser Blog rühmt sich offen damit, islamophob zu sein. Die Kommentare unter Stürzenbergers Artikel waren deutlich. Voller Hass und Gewaltandrohung.

Eine Gruppe von Pegida-Menschen kam nach ihrer Versammlung zum Sendlinger Tor, um sich die Situation anzusehen und evtl. zu stören. Auf ihrer Facebookseite veröffentlichten sie dann einen Beitrag, in dem sie gegen die Dauerkundgebung der Geflüchteten hetzten. Am 13. September waren dann vormittags vier Aktivisten der neonazistischen Partei 3. Weg anwesend und verteilten Flyer, in denen es um die angebliche „Asylflut" ging.

Ein besonderer Fall des Rassismus ist wohl von einem städtischen Arbeiter ausgegangen. Dieser sollte eigentlich die umliegenden Pflanzen bewässern, hat aber mit dem Schlauch absichtlich auf die Schlafsäcke gezielt. Wenn diese nass werden, sind sie unbrauchbar und sie können entsorgt werden. Das war wahrscheinlich eine rassistisch motivierte Tat. Die Polizei schritt zunächst nicht ein.

Am Abend des 13. gab es dann eine Spontandemo vom besetzten Sendlinger-Tor-Platz zum Stachus. Diese Demo war lautstark und sehr motiviert. Zurück am Platz sangen die Geflüchteten alle kurz miteinander. Später abends gab es dann ein Plenum von Unterstützern, wo einige Dinge geklärt wurden. Dort ging es um Dinge wie, wer denn Schichten wie auch nachts übernehmen solle.

Dort wäre man gegebenenfalls Ansprechpartner für Passanten oder für die Polizei oder man passt einfach nur auf, dass keine Neonazigruppen die Versammlung angreifen. Man bespricht andere logistische Angelegenheiten. Da sieht man die große Solidarität von einigen Akteuren, die dort auch in einer eher kalten Nacht vor Ort bleiben. Sie verbringen dort einen sehr großen Teil ihrer Freizeit, um zu helfen.

Was erwarten sie sich davon zurück? Nichts. Dennoch kommt etwas zurück. Ein Geflüchteter, der neben den Helfern vom Plenum saß, sagte: „Hey, Leute, darf ich etwas sagen? ... Ihr seid so tolle Menschen!" Ein Aktivist antwortete darauf, indem er die Aktionen kleinredete. Doch der Geflüchtete rückte von seiner Aussage nicht ab und bekräftigte sie.

Am Freitag, den 16., fand eine Demonstration vom Odeonsplatz startend bis zum Sendlinger Tor statt. Das Motto war „We will rise!". Die Demo war verregnet und alle Teilnehmer wurden nass. Viele der Geflüchteten sind nach der Demonstration zum Duschen und Umziehen gegangen. Das Protestcamp ging in der Folgezeit unter teils starkem Regen weiter. 

Die ganze neonazistische Szene Münchens veranstaltete am Samstag Kundgebungen um den Sendlinger-Tor-Platz in München. An der Veranstaltung vom 3. Weg nahmen auch einige Pegida-Organisatoren teil. Darunter Pegida-Vorstand Heinz Meyer.

Montag Abend fand dann auch eine Pegida-Versammlung am Sendlinger Tor statt.  Dort rechtfertigte Heinz Meyer seinen Auftritt bei der neonazistischen Kleinstpartei. Der Marsch wurde durch eine Blockade verkürzt. Die Pegida-Teilnehmer mussten mehr als 20 Minuten im Regen stehen bleiben. Viele Antifaschisten blieben nach der Pegida-Versammlung beim Protestcamp der Non-Citizens, damit sich keine Neonazis oder ähnliche der Versammlung näherten.

In den anschließenden Tagen fanden die Hetzjagden auf junge Asylbewerber in Bautzen statt. Die Geflüchteten vom Sendlinger Tor solidarisierten sich mit den Bautzenern. Das hatte zur Folge, dass von Seiten einiger CSUler Attacken gegen die Geflüchteten gestartet wurden. Der Vorsitzende der bayerischen Linkspartei verteidigte die Non-Citizens vor den rassistischen Ausfällen der CSU.

In der Folgewoche demonstrierte Pegida am Stachus. Die eigentliche Route wurde geändert, damit man wieder am Sendlinger Tor hetzen konnte. Dort hielt man eine kurze Zwischenkundgebung. Dort wurden Unwahrheiten verbreitet. Die Polizei ging gewaltsam gegen Gegendemonstranten vor. Auf der Abschlusskundgebung soll Heinz Meyer die Teilnehmer der Pegida-Demo aufgefordert haben, zum Protestcamp zu gehen und „den Refugges eins über's Fell zu ziehen".

Es kamen keine Pegida-Demonstranten mehr an diesem Abend. Dafür wurde am Dienstag eine Pressekonferenz veranstaltet. Diese ging ungefähr eine Stunde. Dort wurden die folgenden Programme angekündigt. Unter anderem ein Protestmarsch von München bis nach Nürnberg soll am 7. Oktober beginnen und vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge enden.


Zum Schluss fand am 29. September um 13 Uhr eine Demonstration zum bayerischen Landtag statt. Zum Ende wurde einige Reden gehalten, in denen vor allem das geplante Integrationsgesetz kritisiert wurde. Die Non-Citizens nannten es einen „Angriff auf uns alle". Deshalb war auch der Ort der Abschlusskundgebung so ausgewählt worden. Das Protestcamp wird am 7. Oktober zu Ende gehen. Über die anschließenden Aktionen wird eine weitere Pressekonferenz stattfinden.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.