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Liebe Frauen, wollt Ihr Männer ohne Eier? Ihr seid nämlich auf dem Weg dahin.

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Im Juli 2016 ist es offiziell: In Nottingham, Großbritannien, ist es jetzt ein Hassverbrechen (hate crime), einer Frau zu sagen, dass man sie hübsch findet.

Im Januar 2012 wurde mir von einer Hamburger Polizistin erklärt, wenn ich einer Frau sage, dass sie schöne Brüste hat, könnte ich wegen Beleidigung verurteilt werden. Nun ist das nichts, was ich in den ersten 5 Minuten sagen würde, aber gut zu wissen.

Wohlgemerkt, es handelt sich hier nicht um körperliche Gewalt oder die Androhung derselben. Es handelt sich nicht mal um Schimpfworte. Noch nicht einmal plumpe Sprüche. Es handelt sich um Komplimente.

Gewalt gegen Komplimente

Wer körperliche Gewalt initiiert, soll Konsequenzen erfahren. Von mir aus auch der, der mit körperlicher Gewalt droht.

Verbale Beleidigung sollte nach meiner Meinung überhaupt nicht bestraft werden. Wie oft bin ich von Männern und Frauen beleidigt worden? Na und? Bin bisher nicht daran gestorben.

Mehr zum Thema: Wir Frauen sind in Deutschland nicht mehr sicher: Schulen müssen Mädchen beibringen, sich zu verteidigen.

Plumpe Sprüche habe ich bis in meine Zwanziger hinein auch mal abgelassen. Zum Glück war das damals noch nicht strafbar. Jetzt ist es das.

Und jetzt, jetzt sind KOMPLIMENTE strafbar?

Liebe Frauen, die Ihr diese Gesetze zum Teil angeregt habt und alle miteinander duldet, wollt Ihr das wirklich?

Wollt Ihr nun nicht mehr, dass ein Mann den ersten Schritt macht? Dass er seinen Mut zusammen nimmt und eine Ablehnung riskiert?

Denn mit solchen Gesetzen blüht dem Mann mehr als eine einfache Ablehnung. Ihm blühen Geldbußen und Gefängnisstrafen.

Wer keinen Korb einstecken kann, ist auch nicht tough genug für eine Beziehung, sei sie kurz oder lang. Aber wenn ich meine wirtschaftliche und körperliche Gesundheit riskiere, weil Diener des Staates mich bestrafen, wenn die Frau schon lange weg ist, will ich das Risiko dann noch eingehen?

Ablehnung gehört zum Spiel, übertriebene Gewalt nicht

Ich bin in meinem Leben von Frauen oft angenommen worden, und, natürlich, viele, viele Male mehr abgewiesen worden. Das ist für mich OK, das gehört dazu.

Meistens war die Ablehnung freundlich, manchmal nicht. Auch in Ordnung.

Mehr zum Thema: Frauen macht euch klar, dass ihr sexy seid und manche Männer damit nicht umgehen können

Wenn aber nach der Ablehnung eine Horde Gorillas auf mich einschlägt oder mich in einen Käfig sperrt, ist das für mich nicht mehr in Ordnung.

Nein heißt Nein? Oder nicht?

Jahrzehnte bevor ein Gesetzesentwurf unter diesem Titel vorlag, war für mich klar, wenn eine Frau mir klar "Nein" sagt, dann heißt das nein. Ich habe das immer respektiert und auch keine pampigen Sprüche zurückgegeben.

Also lehne ich mich zurück, und wir unterhalten uns über alles Mögliche. Als ich dann vom WC zurückkomme, hat sie sich nackig gemacht und auf mein Bett gelegt. Dieses "Nein" finde ich jetzt nicht mehr so klar.

Das ist genau so mindestens dreimal passiert.

Damals habe ich das so interpretiert, sie hat wohl ihre Meinung geändert, und bin langsam und vorsichtig voran gegangen.

Nach der jetzigen Rechtslage ist mir nicht klar, was ich tun würde. Sie hat einmal Nein gesagt. Wenn sie dann nackt auf dem Bett liegt, ist das ein Widerrufen des Nein? Brauche ich vorher eine schriftliche Erklärung, dass es jetzt doch ein Ja ist? (In manchen Staaten ist es bereits so weit.)

Und, ob Ihr es mögt oder nicht, Frauen verhalten sich ANDAUERND widersprüchlich. Andauernd kündigen sie das Eine an und tun dann sofort danach das Andere. Sie äußern sich auch widersprüchlich.

Schutz der Schwächsten

An dem Gesetzesentwurf gefällt mir der Gedanke, auch die ganz Schwachen zu beschützen, die sich nicht mal wehren können. Ich war selbst lange Zeit schwach und gelähmt vor Angst. Und ich war froh, dass andere mich beschützt haben. Es hat sehr lange gebraucht, mich da heraus zu arbeiten.

Was mir nicht gefällt, ist die Interpretationsfreiheit. Hat sie vielleicht "Nein" gesagt, während ich draußen war?

Seit jeher habe ich die Frauen gebeten, mir mit einer klaren Handlung ihre Absichten zu zeigen, z.B. das Kondom überzuziehen oder sich auf mich zu setzen, oder ähnliches, damit sie klar zeigen, dass sie auch Sex wollen.

Ist das hysterisch?

Ist das von mir übertrieben oder hysterisch? Ich glaube nicht. Die Gesetze existieren so, wie sie existieren.

Der Wert einer Gesellschaft zeigt sich darin, wie sie mit den Schwächsten umgeht.

Er zeigt sich NICHT darin, mit einem Riesenaufgebot an Gewalt einige von den Starken unter den Bus zu werfen, weil sie ein unangenehmes WORT benutzt haben.

Das Plumpe ist überall

Wenn einer Frau dauernd hinterher gepfiffen wird und sie dauernd hört "Hey, Schnecke!", dann findet sie das vielleicht nicht toll.

Das ist ja auch kein bekennender Annäherungsversuch, sondern eine Art emotionaler Rülpser aus sicherer Entfernung.

Während meiner Coaching-Ausbildung hat einer der Trainer mal die Frauen aufgefordert, uns Männer als Stücke von nutzbarem Fleisch anzuschauen, nur für fünf Minuten. So, wie sie sich oft angesehen fühlen. Das fand ich unangenehm.

Wenn das jeden Tag passieren würde, würde es mir auf die Nerven gehen. Ich weiß aber nicht, ob ein konstruktives Umgehen damit so aussehen würde, die Hingucker wirtschaftlich zu ruinieren und in einen Käfig zu sperren.

Hintern kneifen und Rempeln

Ich selbst bin mehrmals von Frauen in den Hintern gekniffen worden, die ich gar nicht oder nur oberflächlich kannte. Selbst tue ich das nur bei Frauen, bei denen klar ist, dass wir eine sexuelle Beziehung haben.

Offensichtlich habe ich es überlebt, selbst gekniffen zu werden. Ich habe auch kein Verlangen, das wegen sexueller Belästigung zur Anzeige zu bringen.

Manche Frauen sind noch plumper in ihrer Annäherung.

Ich erinnere mich an einen Fall, wo mich eine junge Dame auf der Tanzfläche angerempelt hat. Ich war allein auf einer 8x8 Meter großen Tanzfläche, in der Mitte. Sonst niemand dort. Sie rennt mit voller Fläche in mich hinein. Eine Minute später nochmal. Ich wage jetzt mal zu vermuten, das war Absicht.

Grob fahrlässiger Leichtsinn ist kein männliches Privileg

Ein paar Male habe ich Frauen in letzter Sekunde davon abgehalten, mich ohne Kondom in sich hineinzustecken. Bis zu diesem Zeitpunkt wirkten die völlig normal, aber in dem Moment kriegte ich Angst. Ich habe ihnen erklärt, dass die Ansteckungsgefahr für alle möglichen bösartigen Sachen für sie viel größer ist und dass ich natürlich was überziehen will.

Fällt Sex ohne Kondom nicht unter Gefährliche Körperverletzung, wenn dabei was passiert?

Eine schöne Unbekannte warf sich in einer Disco so heftig in meinen linken Arm, dass ihr Schädel wahrscheinlich gebrochen wäre, wenn ich sie nicht mit letzter Kraft vor dem Aufprall auf den Boden gehalten hätte. Sie kam mit solcher Wucht an, dass ich auch hätte unglücklich fallen können. Sie schob mir ihre Zunge in den Mund und schmeckte nicht nach Alkohol.

Wäre sie jemals wegen einer gefährlichen Handlung belangt worden? Im gegenwärtigen politischen Klima wäre wohl eher ich verknackt worden.

Der männliche Teil des Traumas

Die Männer meiner Altersgruppe sind ohnehin geprägt durch einen tiefen Glauben von "Aller Sex ist Vergewaltigung der Frau durch den Mann, auch wenn die Frau die Initiative ergriffen hat."

Das sitzt sehr tief.

Überall, wo ich Männer in meiner Altersgruppe treffe, ist das ein Thema. Nicht für alle, aber für sehr viele.

Deshalb sind viele von uns ohnehin tief verängstigt und befürchten dauernd, Fehler zu machen.

Auch nach 30 Jahren Dating, auch nachdem Dutzende Frauen auf mich zugegangen sind und mich aktiv verführt haben, glaubt ein Teil von mir immer noch, dass Frauen Sex verabscheuen und dass jede Form von Sex Gewalt gegen Frauen ist.

Eine immer rigidere Gesetzgebung trägt nicht dazu bei, das Trauma aufzulösen. Andererseits verhindert sie es auch nicht.

Après moi, la deluge, vraiment

OK, ich schreibe dies mit 47. In meinen Dreißigern, als das politische Klima noch anders war, habe ich gefickt wie ein Tier, und hatte zum Glück auch Entgegenkommen von der weiblichen Seite, musste niemanden zwingen.

Tatsächlich bin ich am Anfang so zurückhaltend und vorsichtig, dass der Sex fast immer von den Frauen initiiert wurde.

Jetzt, wo ich alt und fett bin, finde ich Sex nicht mehr so brennend wichtig. Wenn Ihr die sexuelle Kultur des Abendlandes zerstören wollt, viel Spaß und viel Glück.

Ist es das, was Ihr wollt?

Wollt Ihr Männer, die nicht nur die normalen neurotischen Ängste haben, sondern ganz konkret und realistisch die Gewalt des Staates fürchten müssen, weil sie ein WORT verwenden, das Euch nicht gefällt?

Nochmal in aller Deutlichkeit, ich bin NICHT dafür, dass jemand, der außerhalb von realer Notwehr körperliche Gewalt anwendet, sei es in Form von Vergewaltigung oder anders, ohne Konsequenzen bleibt.

Und ich bin nicht dafür, jemanden wegen WORTEN einzusperren. Auch nicht jemanden, der sich etwas ungeschickt verhält. Je nach Ausmaß der Ungeschicklichkeit wird er darauf hingewiesen, dass sein Verhalten nicht cool ist und dass er das ändert oder nicht mehr zur Party eingeladen wird.

Mir macht das nicht mehr so viel aus, ich hatte ein sehr reiches Leben, und wenn Leute, die zu Übertreibung neigen, die freiheitliche Zivilisation abfackeln wollen, more power to you. Ihr müsst in dem Bett schlafen, das Ihr bereitet, ich nicht mehr lange.

Rettung vor dem eigenen Selbst

Vor einer Weile hörte ich einen Podcast von einer Frau aus der Ukraine, die Tips für Beziehungen zwischen Ost und West gibt. Vieles von dem, was sie sagte, finde ich nationenunabhängig übertragbar.

Unter anderem sagte sie, eine Aufgabe des Mannes sei, die Frau vor ihrer eigenen verwirrenden Emotionalität zu retten, die sie selbst nicht versteht. Sie braucht die Zentriertheit des Männlichen, damit sie in alle Richtungen ausflippen kann und dann den Weg zur Mitte leichter wiederfindet.

Und, ist da was dran, oder ist diese Frau nur gehirngewaschen vom unterdrückerischen Patriarchat?

Ich vermute, da ist was dran.

Ich vermute, einige (nicht alle) Frauen haben sich in verwirrende Emotionen hineingesteigert, und ihnen fehlt nun das Zentrum, zu dem sie zurückkehren können. Sei es bei einem Mann, bei ihren Freundinnen oder wo auch immer.

Eine Freundin von mir war 2001 in einer Frauengruppe, die das mit dem Zentrieren ganz gut hinbekommen hat.

Und was jetzt?

Wenn Ihr wollt, dass der Arm des Gesetzes, dass bewaffnete Staatsdiener gegen Männer vorgehen, die ein Wort verwendet haben, das Euch nicht passt, wenn Ihr wollt, dass jemand, der mal ungeschickt war, sehr hart bestraft wird, dass er seine wirtschaftliche Existenz verliert, dann weiter so.

Wollt Ihr das oder nicht?

Frauen, die dies nicht wollen, sollten ihre Stimme erheben und gegen diesen ganzen Unsinn vorgehen.
Darüber hinaus: Versuche wir ALLE, cool zu sein und jemand zu sein, vor dem niemand Angst haben muss.

Versuchen wir, die Ängste auf BEIDEN Seiten zu verstehen. Und damit meine ich nicht, der Angst auszuweichen, sondern sie tatsächlich wahrzunehmen.

Das könnte mehr bringen als übertriebene Bestrafungen.

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