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"Dann schick es doch nach Afrika" - ein geflügelter Satz, der Hilflosigkeit und Faulheit demonstriert

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FOOD TRASH
Tim Platt via Getty Images
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Über einen geflügelten Satz, der Hilflosigkeit und Faulheit demonstriert.

Es ist schon fast ein geflügelter Satz. "Dann schick es doch nach Afrika". Er wird so oder ähnlich gerne gesagt, wenn es darum geht, auf die Verschwendung von Ressourcen hinzuweisen beziehungsweise man selbst darauf hingewiesen wird.

Es ist ein geschickter Satz, ist es doch völlig richtig, dass die Reste auf dem Teller oder die abgelaufenen Lebensmittel im Kühlschrank Menschen auf dem afrikanischen Kontinent, die von massiver Nahrungsmittelunsicherheit bedroht sind - oder schlicht hungern - nicht helfen.

Nimmt man ihn ernst und lässt die ihm innewohnenden Gehässigkeit beiseite, ist es eine Frage der Logistik (ganz abgesehen von der ethischen Frage, inwiefern man den eigenen Müll oder in der eigenen Wahrnehmung nicht Genießbares anderen Menschen als "Hilfe" anbieten sollte).

Wir schmeißen Dinge, die noch einen Wert hätten, zunehmend weg

Auch bei Wasser ist es richtig, dass die zunehmende Wasserproblematik in weiten Teilen der Welt nicht ohne weiteres durchs Wassersparen zuhause beseitigt werden kann. Dass Sparen von Wasser aber auch meist das Sparen von Energie bedeutet (niemand müsste seltener die Toilette spülen, beim Abspülen unter laufendem warmen Wasser sieht es anders aus) ist unbestritten.

Mehr zum Thema: Kanzlerin Angela Merkel reist nach Afrika - um die nächste Flüchtlingskrise zu verhindern

Außerdem geht es auch um die Frage, ob wir wirklich davon ausgehen sollten (zum Beispiel aufgrund der Nitrat-Problematik), dass Wasser im Überfluss zur Verfügung steht.

Vor allem - und nun sind wir beim eigentlichen Thema - bedeutet in einer globalisierten Welt der Konsum zuhause Auswirkungen anderswo.

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Quellen: Foodisfoundation

Genau dies ist auf den beiden Grafiken zu sehen. Zunächst das Offensichtliche: Wir schmeißen Dinge, die noch einen Wert hätten, zunehmend weg. Weil uns das Aussehen nicht mehr gefällt, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, weil es doch nicht so schmeckt wie gedacht. Schon hier kommt einiges zusammen.

Die eigentliche Problematik spielt sich aber "unter Wasser" ab. Der Verbrauch von Flächen, Emissionen, die Zerstörung von Artenvielfalt durch Monokulturen, die Abholzung von Wäldern, ...

All das ist nicht neu. Und all das ist bekannt. Das kann sich dann so lesen:
"Pro Tag wird für jeden Erdbewohner Nahrung mit dem Energiegehalt von 4.600 Kilokalorien geerntet. Davon werden nur ungefähr 2.000 Kilokalorien durchschnittlich auch verzehrt." Oder so: "Ein Viertel des weltweiten Wasserverbrauchs wird für den Anbau von Lebensmitteln verwendet, die später auf den Müll geworfen werden."

Genau das macht es so schlimm, dass wir als Gesellschaft daran nichts ändern und macht es nötig, diese schlichten Fakten öfter zu wiederholen.

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Denn all diese Tatsachen machen den obigen Satz im Kern zu einer ideologischen Aussage. Wer ihn sagt, weigert sich, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Es ist ein Satz für ein "weiter so" und für ein "es lässt sich doch eh nichts ändern". Es ist eine Art von Konservatismus, welcher die Zukunftsfähigkeit genauso gefährdet wie eine fehlende Reflexion über Grenzen des Wachstums.

Bezeichnend ist, dass ja eigentlich das Gegenteil der Fall ist. Egal wie komplex die Zusammenhänge und wie winzig der eigene Anteil sind, die Interdependenz, also die tatsächlich bestehende Vernetzung, ist Teil unserer heutigen Welt. Damit macht gerade das eigene Handeln einen Unterschied und das den Satz zu einer schlechten Ausrede.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf medium.

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