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Donald Trumps Reise an die Wiege der großen monotheistischen Religionen

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PAPST FRANZISKUS DONALD TRUMP
dpa
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Es gibt Stimmen, die sagen, die Reise von US-Präsident Donald Trump an die Wiege der großen monotheistischen Religionen, sei kein Misserfolg gewesen. Das ist dahingehend richtig, dass ein als wahrscheinlich erachteter und befürchteter Supergau ausgeblieben ist.

Dabei war es bisweilen knapp: Der Eintrag von Herrn Trump ins Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, achtzehn knappe Worte, wurde von US-Medien mit einem Teenager-Eintrag in einem Highschool-Jahrbuch verglichen.

Die USA, die ein enger Verbündeter Israels sind, haben einen Commander-in-Chief, dem die sensible Sprache abgeht, die der Umgang mit dem Horror des Holocaust erfordert.

In Saudi-Arabien zeigt Donald Trump mit dem Finger auf den Iran, der die Brutstätte des islamistischen Terrors sei. Das ist nicht falsch, aber nur die halbe Wahrheit: Der Gastgeber Saudi-Arabien ist eifriger Finanzier von islamistischen Terrorgruppen.

Beim Papst wird hinter verschlossenen Türen gesprochen

Der Waffendeal über 100 Milliarden US-Dollar wird den Friedensschluss im Nahen Osten, den herzustellen Donald Trump sich für diese Reise vorgenommen hatte, sicher nicht beschleunigen.

Und beim Papst wird hinter verschlossenen Türen gesprochen. Allzu groß sind die Unterschiede in der Weltanschauung der beiden Personen. Donald Trump hält den Klimawandel für eine hintertückische Erfindung der Chinesen.

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Der Papst hat maßgeblich am Pariser Klimaabkommen mitgewirkt. Ob er hinter verschlossenen Türen Donald Trump wirklich gebeten hat, nicht aus dem Klimaabkommen auszusteigen? Donald Trump hatte es im Wahlkampf versprochen und nach seinem Sieg beim Umgang mit dem Umweltministerium alles andere als mit Glace-Handschuhen operiert.

Beim Termin mit den Fotografen dankt Herr Trump dem Papst und verspricht, sich dessen Worte zu merken. Um welche Worte es sich handelt, erfahren die Umstehenden nicht.

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Das ist eine Ironie der Geschichte

Wenn man die Tour von Donald Trump als Begegnung von Politik und Religion bewerten will, dann liegen die Gründe für das Scheitern auf der Hand: In einem Zeitalter der Identität, wo Populisten und Scharfmacher mit "die gegen uns"-Parolen auf Stimmenfang gehen, sind es häufig die Religionsgemeinschaft, die sich gegen diese Radikalisierung stellen.

Das ist in der Tat eine Ironie der Geschichte, dass Institutionen, wie die katholische Kirche, die früher mit der Einteilung der Welt in "die und uns" Umsatz machte, heute diese Mechanismen der Dämonisierung und Ausgrenzung bekämpft.

Wird die Welt wirklich ein besserer Ort, wenn man versucht, Schiiten gegen Sunniten zu positionieren? Oder Mexikaner, Chinesen oder Muslime pauschal verurteilt, zum Sündenbock macht? Sicher nicht. Ein solches Verhalten wird von Geistlichen aller Couleur verurteilt. Religion und Donald Trump, das passt nicht zusammen.

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