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Der Kapitalismus muss den Ärmsten helfen - ein Ökonom erklärt, wie das funktionieren könnte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
REFUGEES AFRICA
James Akena / Reuters
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Vor kurzem konstatierte der Weltbank-Präsident Jim Yong Kim in einem Interview mit "Zeit Online", wir müssten "den globalen Marktkapitalismus so ausrichten, dass er den Armen hilft." Er wünscht sich mehr Engagement ausländischer privater Investoren in armen Regionen.

Allerdings nutzt er die Gelegenheit nicht, um auf die maßgebliche Rolle sicherer privater Eigentumsrechte hinzuweisen - sowohl für Ausländer als auch für Inländer.

Die Ärmsten der Welt können sich am besten selbst helfen, wenn sie in den Genuss der Vorteile des Kapitalismus kommen. Dafür sind sichere private Eigentumsrechte essentiell.

Bedauerlicherweise tragen Regierungen armer Länder häufig zur Unsicherheit der Eigentumsrechte der breiten Bevölkerung bei.

Direkt können ausländische Regierungen reicher Länder kaum auf die Beseitigung dieses Missstandes hinwirken. Aber sie könnten durch den unilateralen Abbau aller Handelsbeschränkungen zumindest indirekt zu einer Verbesserung beitragen.

Bekannt: Sichere private Eigentumsrechte ermöglichen Wohlstand

Wir wissen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Menschen ein selbstbestimmtes Leben frei von materieller Not führen können. Wo private Eigentumsrechte sicher und das Justizwesen verlässlich sind, investieren Menschen in den physischen Kapitalstock sowie in ihre eigene Ausbildung.

Sie steigern dadurch ihre Arbeitsproduktivität und folglich ihren Reichtum.

Menschen in den marktwirtschaftlich organisierten Demokratien des Westens profitieren heute davon, dass diese Voraussetzungen seit mehreren Generationen recht gut erfüllt werden.

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Die Tiger-Staaten Taiwan und Südkorea, ehemalige Ostblockländer wie Polen und die Tschechische Republik sowie Chile in Südamerika führen vor Augen, dass auch innerhalb kurzer Zeit massive Verbesserungen der Lebenssituation von Menschen möglich sind - sobald die Voraussetzungen für eine marktwirtschaftliche Ordnung erfüllt sind, wenn auch imperfekt.

Unbekannt: Weg hin zu sicheren privaten Eigentumsrechten

Wir wissen jedoch nicht, wie ein Land gekennzeichnet durch unsichere private Eigentumsrechte und ein korruptes Staatswesen zu einem Land sicherer privater Eigentumsrechte mit einem verlässlichen öffentlichen Sektor wird.

Diesbezüglich waren die Entwicklungshilfebemühungen des Westens gerade in Afrika nicht sonderlich erfolgreich.

Allzu oft führte die Zusammenarbeit mit den Vertretern autokratischer Regime gar zu einer Schwächung individueller Rechte von Menschen in armen Ländern, wie beispielsweise William Easterly in seinem Buch "The Tranny of Experts" darlegt.

Erstens nicht schaden

Geberländer und ihre Vertreter sind nicht frei von eigenen Interessen, haben nur begrenztes Wissen über die Auswirkungen ihrer Handlungen und interagieren mit Vertretern von Nehmerländern, die oft ihre eigenen Interessen über die der gesamten Bevölkerung stellen.

Aus diesen Gründen ist es auch um die Erfolgsaussichten des "Marshallplan mit Afrika" eher schlecht bestellt.

Bevor die Regierungen der reichen Länder direkte Maßnahmen in Form von Entwicklungshilfebemühungen ergreifen, sollten sie sich auf den ersten Grundsatz der Mediziner besinnen und zunächst keinen Schaden anrichten.

So könnten sie den "globalen Marktkapitalismus" eher zum Vorteil der Armen gestalten, indem sie einseitig alle Handelsbarrieren abbauen, die es derzeit Menschen in armen Ländern erschweren, ihre Güter zum Beispiel in der EU oder in den USA anzubieten.

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Zu diesen Hindernissen gehören neben tarifären und nicht-tarifären Handelsbarrieren auch die hohen staatlichen Subventionen, die landwirtschaftliche Betriebe in der EU und den USA erhalten.

Neben den ärmsten der Armen würden von einem derartigen Abbau auch die Konsumenten in reichen Ländern profitieren.

Das Verhalten aktueller und ehemaliger Diktaturen lässt den Schluss zu, dass Handelsbarrieren den Eliten autokratisch regierter Länder tendenziell nützen, während sie der breiten Bevölkerung schaden.

Die Herrscher Nordkoreas, Kubas oder der DDR sind, beziehungsweise waren, stets tunlichst darauf bedacht, den Austausch von Gütern und Ideen zwischen Mitgliedern ihrer eigenen Bevölkerung und den Mitgliedern freier Gesellschaften zu unterbinden.

"Wollen" impliziert nicht "können"

Ein ambitionierter Entwicklungsplan oder die staatliche Förderung ausländischer privater Investitionen in armen Ländern hören sich spektakulär an. Aber auch für Regierungen reicher Länder und supranationale Organisationen gilt, aus der Wahrnehmung eines Problems und dem Willen zur Lösung des Problems folgt nicht, dass die dafür notwendigen Instrumente bereitstehen.

Deshalb spricht vieles dafür, zunächst den den Ärmsten durch Handelsbarrieren direkt entstehenden Schaden zu verhindern und so potentiell indirekt die Rechte der Menschen in armen Ländern und damit auch ihre Position gegenüber Machthabern zu stärken.

Damit auch sie von den Vorteilen des Kapitalismus stärker profitieren können.

(jz)

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