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Nazis wollen in Dachau wieder Fuß fassen - ich stelle mich ihnen in den Weg

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ALEXANDER ERDMANN
Alexander Erdmann
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"Ausländer raus", "Deutschland den Deutschen" oder "Wehr dich! Es ist dein Land" - Aufkleber mit solchen Sprüchen sind in meiner Stadt leider keine Seltenheit mehr. Im Gegenteil: In den letzten Monaten sind sie sogar mehr geworden.

Seit acht Jahren lebe ich in Dachau. Die Stadt nördlich von München ist zwar nicht so groß wie die Landeshauptstadt, doch wahrscheinlich genauso bekannt.

Zwischen 1933 und 1945 verloren hier in einem Konzentrationslager der Nazis rund 40.000 Menschen ihr Leben. Heute ist das Lager eine weltbekannte Gedenkstätte, die jährlich von circa 800.000 Menschen besucht wird.

Darunter sind leider auch immer wieder Rechtsextreme, die diesen Ort aufsuchen, um gezielt zu provozieren - sei es mit Pöbeleien auf der Straße oder rassistischen Aufklebern in der KZ-Gedenkstätte.

Meine Stadt ist voll mit Stickern rechtsextremer Gruppierungen

Es ist auch keine Seltenheit, dass rechte Gruppierungen und Parteien wie die AfD und andere Dachau immer wieder als Location für Aufmärsche und Parteiveranstaltungen aussuchen.

Einen Tag später ist die Stadt dann voll mit Stickern von rechtsextremen Gruppierungen. In der letzten Zeit kommt das immer häufiger vor. Ich sehe mehr Sticker, mehr Plakate, mehr Parolen. Mich stört das sehr und genau deswegen tue ich etwas dagegen.

Sehe ich einen Sticker an einer Hauswand, auf einem Straßenschild, oder an der Bushaltestelle, zücke ich meinen Haustürschlüssel und kratze ihn ab. Denn ich weiß sehr gut, was passieren kann, wenn rechtsextreme Äußerungen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden: Erst werden sie toleriert und irgendwann akzeptiert.

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In meiner Heimatstadt Eisenach in Thüringen hatte ich öfter auch mit Neonazi-Gruppen zu tun, die deutlich offensiver und aggressiver vorgehen als in Dachau. Sie organisieren gemeinsame Fackelmärsche und erzeugen durch das Grölen von Parolen eine Gruppendynamik, die besonders junge Menschen anzieht und fasziniert.

Genau das gilt es zu verhindern. Man muss rechtzeitig eingreifen und den Jugendlichen zeigen, dass Extremismus eine absolute Einbahnstraße ist. Deswegen sorge ich ohne viel Aufwand dafür, dass Sticker und Parolen aus der Öffentlichkeit verschwinden.

Jeder kann helfen

Dabei kann jeder helfen. Wem ein Aufkleber auffällt, kann ihn einfach direkt entfernen. Das ist kein großes Ding und dauert keine 10 Sekunden.

Übersprühen oder übermalen kommt für mich allerdings auch nicht in Frage. Vandalismus mit Vandalismus zu bekämpfen, halte ich für absoluten Unsinn. Ich kann doch nicht über das illegale Verhalten einer Gruppe schimpfen und im selben Moment das Gesetz brechen.

Mehr zum Thema: Seit 30 Jahren übermale ich Hassparolen und kein Gerichtsurteil der Welt wird mich davon abhalten

Was ich tue, hat für mich wenig mit politischem Aktivismus zu tun. Ich betrachte es schlicht und ergreifend als meine Bürgerpflicht, verfassungsfeindliche Propaganda aus dem öffentlichen Raum zu entfernen.

Die Macht der Wörter sollten wir nicht unterschätzen. Denn am Anfang steht immer erst die Idee. Verhindern wir die Verbreitung von extremistischen Gedankengut, verhindern wir auch einen Aufstieg von extremistischen Gruppierungen - und das muss unser wichtigstes Anliegen sein.

Von Alexander Erdmann.

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