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Es muss sich viel ändern, damit alles bleibt, wie es ist

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ALEXANDER DIERKS
Alexander Dierks
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Ein kluger Unions-Politiker sagte einmal, dass sich sehr viel ändern muss, damit alles bleibt, wie es ist. Was paradox und widersprüchlich klingt, trifft den Kern guter konservativer Politik.

Während rechte und linke Ideologen stets in der Erwartung leben, die Realität möge sich der eigenen Ideologie beugen, ist die Weltanschauung des im besten Sinne konservativen Politikers eben jene, dass die Realität nicht zu verändern, jedoch zu gestalten ist.

Der Konservative packt an, wo linke und rechte Ideologen den Wortlaut mehr oder minder brauchbarer Programme zu verteidigen suchen.

"Der Konservative ist Pragmatiker, begründet auf einem festen Fundament."

Es sind eben nicht die Werte, die sich wandeln, sondern die Realität, die neue Erfordernisse schafft. Einer dieser konservativen Werte ist es, jeden Menschen zu nehmen, wie er ist und ihm etwas zuzutrauen. Wenn ein Mensch Hilfe braucht, wird ihm geholfen.

Die Unterstützung soll jedoch die Grundlage für ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben schaffen und zielt auf eine Befähigung zur Selbsthilfe. Der Anhänger des rechten Populismus würde nichts tun, weil er den Staat nicht in der Pflicht sieht. Der linke Ideologe dagegen traut dem Menschen kein Selbsthilfepotential zu und bietet Hilfe eher um der Hilfsstrukturen Willen an.

Der Rechtspopulist liebt den Staat zwar, beschränkt ihn aber auf Polizei, Justiz und Verfassungsschutz - letzteren natürlich nur, wenn er die richtigen beobachtet. Für den Linken ist jede staatliche Struktur unabhängig von ihrer Wirkung gut, außer freilich der Polizei, der Justiz und dem Verfassungsschutz.

Der Konservative dagegen hat ein unvoreingenommenes Verhältnis zu öffentlichen Institutionen und bewertet sie nach Wirkung und Bedeutung für das Funktionieren des Gemeinwesens.

"Der Konservative ist Patriot und will den Nutzen seines Landes und seiner Mitbürger mehren."

Deshalb ist ein in Frieden und Freiheit vereintes Europa, in dem Deutschland Verantwortung übernimmt und im guten Miteinander mit seinen Nachbarn lebt, für den Konservativen ein unverzichtbarer Wert.

Dieser Wert muss verteidigt werden, auch wenn es unpopulär ist, die damit verbundenen Entscheidungen zu treffen.

Deshalb pflegt der Konservative "sein" Europa, in dem jedes Volk sein Land liebt und die anderen Länder achtet. Wer den Wert der Dinge kennt, fragt nicht nur nach dem Preis und ist bereit, Schwächen an komplexen Systemen nicht zur Fundamentalkritik auswachsen zu lassen. Das unterscheidet den Konservativen vom linken und rechten Ideologen.

Konservativ sein war gestern, ist heute und wird morgen das Gestalten einer sich verändernden Welt auf einem festen Fundament sein. Weil sich eben viel ändern muss, damit alles bleibt, wie es ist und weil die Realität unsere Ideologie ist.

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