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Ich will den feigen Arschlöchern, die uns das angetan haben, in den Arsch treten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
NICE ATTACKS
Getty
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Vor 24 Stunden war alles noch in Ordnung. Menschen in Nizza bereiteten sich auf die Feier des französischen Nationaltags vor. Doch dann geschah das Unfassbare. Wieder wird Frankreich Opfer einer hinterhältigen Terrorattacke.

Ich sitze hier und beobachte die Nachrichtenlage. Jede Minute leuchten neue Informationen auf, doch eine sticht besonders heraus:

"Die Anzahl der Toten steigt auf Achtzig."

80 Menschenleben, einfach so ausgelöscht. Menschen, die gestern Morgen aufgestanden sind und sich auf einen Tag voller Freude, Lachen und auf das gemeinsame Feiern gefreut haben. Und dann, aus dem nichts, Terrorangriffe.

Ich kenne diese Menschen nicht. Ich wohne mehr als sechstausend Kilometer entfernt. Dennoch bin ich tief erschüttert. Das ist keine Attacke gegen die französischen Bürger, das ist eine Attacke gegen uns alle. Währenddessen erscheint eine neue Information auf meinem Bildschirm.

"Frankreich verlängert den Ausnahmezustand um drei Monate"

Ich bin sprachlos. Ich wünschte, ich hätte eine Antwort, eine Idee, die zur Lösung dieser Bedrohung gegen unsere Freiheit beitragen könnte. Wahrscheinlich geht es vielen wie mir. Wir alle sind betroffen und wollen eine Lösung finden, aber es scheint aussichtslos zu sein.

Ständig hört man Phrasen wie "Bleibt Stark!" oder "Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren, sonst haben sie gewonnen!". Doch aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, das ist einfacher gesagt als getan. Es ist verdammt schwer, stark zu bleiben. In letzter Zeit ist so viel Schreckliches passiert, dass wir nicht einmal mehr die Zeit haben, zu trauern. Wieder eine Nachricht:

"Frankreich ist getroffen, aber es ist stark. Und bald wird es sogar noch stärker sein. So antwortet Präsident Francois Hollande auf das Attentat."

Man ist dazu geneigt die Terroristen gewinnen zu lassen

Vielleicht ist das der Schlüssel. Gemeinsam stark sein. Alleine haben wir wahrscheinlich keine Chance, gegen das rücksichtslose Übel zu bestehen, aber zusammen können wir es überwinden. Und sicher, das klingt gut auf dem Papier, aber in Wirklichkeit tut es furchtbar weh. Man ist verdammt noch mal dazu geneigt, das Handtuch zu.... Naja, ihr wisst schon.

Was zu sagen versuche, ist einfach, dass ich diese Ausrufe und Solidaritätsbekundungen nicht mehr ertragen kann. Ich kann es nicht mehr sehen, wenn #prayfor__ Hashtags bei Twitter die Runde machen. Und ich kann es auch nicht mehr ertragen, einfach zu hoffen, dass es besser wird. Ich komme mir vor wie auf dem Präsentierteller und alles, was uns gesagt wird, ist, zu beten, dass es einen nicht selbst erwischt.

Es gibt Leute in Frankreich, die haben ihren Bruder, ihren Vater oder eine gute Freundin verloren und ich sitze hier und schreibe meine verdrehten Gedanken auf. Ich will endlich was tun, ich will den dummen Arschlöchern, die uns das angetan haben, in den Arsch treten. Ich will Gerechtigkeit, und dass diese feigen Mörder vom Angesicht der Erde gefegt werden.

Ich will dass alles wieder in Ordnung kommt

Während ich das alles schreibe, laufen mir Tränen das Gesicht runter. Ich musste noch nie wegen einer Terrorattacke anfangen, zu weinen, ich kenne diese Leute ja nicht mal. Aber dennoch fühle ich ihren Schmerz. Unseren Schmerz. Es ist okay, Angst zu haben. Es ist auch okay, sich Sorgen über die Zukunft zu machen. Genau wie es okay ist, zu trauern.

Stark zu bleiben heißt nicht, sich so zu verhalten, als ob nichts gewesen wäre, denn wir alle wissen, dass es absolut nicht so ist. Überhaupt nicht. Stark bleiben bedeutet, zusammen zu stehen, zusammen zu weinen, zusammen zu trauern. Und vielleicht, auch zusammen mit dem Leben weiterzumachen.

Wir alle haben unsere Rolle zu spielen. Für manche bedeutet das, an die Front zu gehen und dem Übel Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen. Für andere bedeutet es einfach, mit ihrem Leben weiterzumachen, nicht in Panik zu verfallen. Denn das ist die menschliche Natur, richtig? Wenn uns jemand umhaut, dann stehen wir wieder auf und machen weiter. Niemals nachlassen, niemals aufgeben.

Eine neue Nachricht poppt vor mir auf.

"Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve erklärt, dass alle Opfer identifiziert und ihren Familien übergeben werden."

Das will ich mir nicht einmal vorstellen. Meine Gedanken sind bei dir, Frankreich. Du bist nicht allein, wir stecken da alle mit drin.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei medium.com und wurde von Julius Zimmer aus dem Englischen übersetzt.

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