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Die Frage nach der Willensfreiheit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BRAIN
John Lund via Getty Images
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Kann der Mensch frei entscheiden? Oder ist der Wille determiniert? Die Frage nach der Willensfreiheit ist schon lange keine alleinige Frage der Philosophie mehr. Ein Essay.

Sind wir frei in unseren Entscheidungen und unseren Handlungen, oder in anderen Worten: können wir wollen, was wir wollen? Sind wir es, die bewusst für das eine oder das andere entscheiden? Die Frage nach dem freien Willen ist zwar eine der großen Fragen der Philosophie, jedoch ist es aus meiner Sicht keine Frage der Philosophie (mehr). Wie, warum und durch welche Prozesse unsere Entscheidungen zustande kommen ist in erster Linie eine Frage der Neurowissenschaften.

Die Wissenschaft klärt über ungeklärte Fragen auf (oder versucht es zumindest so gut es im Rahmen ihrer Möglichkeiten geht), die Aufgabe der Philosophie besteht darin, die Ergebnisse der Wissenschaft zu deuten, und Überlegungen darüber anzustellen, was diese Erkenntnisse für das praktische Leben bedeuten (könnten). Deshalb ist es auch falsch, die Frage nach dem freien Willen ohne jegliche Einbeziehung von wissenschaftlichen Erkenntnissen beantworten zu wollen.

Aus diesem Grund möchte ich zuerst mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaften (ich werde diese anhand von Experimenten erläutern) beginnen, um später zu zeigen, dass wir weder in unserem Denken, noch in unseren Entscheidungen, kurz gesagt: in unserem Leben „frei" im Sinne des „auch bewusst anders hätte können" sind. Dass trotzdem unser Leben deshalb genauso wertvoll ist, eben nicht „alles egal" ist und wir uns trotzdem Ziele setzen sollten, soll auch Thema in diesem Essay sein.

Was genau versteht man unter „Bewusstsein"?

Wenn ich einen Text über den freien Willen schreibe, so tue ich dies mit dem steten Bewusstsein, dass es „ich" bin, der diesen Text schreibt, und nicht etwa irgendjemand anderes. Doch was genau ist dieses „Ich" und wie kommt es zustande? Bin „ich" mir „bewusst", dass „ich" ich bin und nicht irgendwer anderer?

Bis heute streiten sich Philosophen und Neurowissenschaftler darüber, was genau man unter „Bewusstsein" verstehen sollte und wie wir es sinnvollerweise definieren könnten. Eine klare Antwort auf diese Frage blieben sie uns bis heute schuldig.

Bis wir das Bewusstsein des Menschen endgültig entschlüsselt haben, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Trotzdem wäre es falsch zu glauben, dass wir keinerlei Aussagen darüber anstellen können, warum der Mensch sich so verhält wie er es tut, und warum er so entscheidet, wie er entscheidet.

Warum ist jemand so, wie er ist, und nicht anders? Wie kommt seine Persönlichkeit zustande? Warum denkt jemand so, wie er denkt? Und vielmehr entscheidend: Könnte er auch anders denken und sein? Dazu möchte ich alle LeserInnen zuvörderst auf folgendes Gedankenexperiment einladen: Stell dir vor, du hättest in deinem Leben ganz bestimmte Menschen niemals kennengelernt. Stell dir vor, du wärst ein einem anderen sozialen Umfeld aufgewachsen. Wärs du derselbe Mensch wie heute?

Alle Handlungen und Entscheidungen sind Folge von neuronalen Prozessen

Die Antwort auf diese Frage liegt wohl für jeden Menschen auf der Hand. Man wäre nicht derselbe Mensch geworden, der man heute ist. Aber liegen für jeden Menschen auch die Konsequenzen dieses Gedankenexperiments auf der Hand? Wenn dem nämlich wirklich so ist, so müssten wir uns auch eingestehen, dass wir nicht anders sein können, als wir sind.

Aus meiner Sicht sind wir nicht nur genetisch determiniert (von Krankheiten bis zum Körperbau), sondern auch unsere gesamten Handlungen und Entscheidungen, die wir im Laufe unseres Lebens glauben eigenständig zu treffen. Wenn wir etwas Bestimmtes tun, so stand dies Bruchteilen von Sekunden bereits im Gehirn fest.

Diese Determiniertheit hält der renommierte Neurowissenschaftler Wolf Singer deswegen folgendermaßen fest: „Neurobiologen müssen davon ausgehen, dass alle Handlungen und Entscheidungen Folge von neuronalen Prozessen sind. Ein Mensch hat im Augenblick einer Entscheidung nicht anders entscheiden können, als er entschieden hat, denn sonst hätte er ja anders gehandelt."

Mancher würde einwerfen, dass wir doch zweifelsfrei „frei" in unseren Entscheidungen sind. Niemand sagt uns, wie wir zu entscheiden haben und was wir zu denken haben. Deswegen muss man zweierlei Freiheiten unterscheiden: erstere betrifft die Freiheit von externen Zwängen, d.h. das niemand für uns entscheidet.

Der freie Wille ist eine Illusion

Die zweite Freiheit betrifft jene Freiheit von Ursachen, die unsere Entscheidungen beeinflussen. Hierbei handelt es sich um die Willensfreiheit im metaphysischen Sinne. Die Freiheit in dem Sinne, dass eine übergeordnete Entität (ob man diese nun Seele, Geist oder Ich nennt, spielt dabei keine Rolle) unser Handeln bestimmt, ist eine Illusion.

Dies haben bereits viele Philosophen vor geraumer Zeit erkannt: Friedrich Nietzsche bezeichnete bereits im 19. Jhdt. den freien Willen als eine der „grundlegenden Irrtürmer" der Menschheit. Auch Arthur Schopenhauer erklärte den freien Willen für eine Illusion. Beide konnten dabei noch nicht ahnen, dass ihre Annahmen hunderte Jahre später von den modernen Hirnwissenschaften bestätigt werden sollten.

Verschiedene Experimente haben zwar nicht endgültig bewiesen, dass wir keine Willensfreiheit haben, aber zeigen jedoch sehr stark in eine Richtung. Das erste und zugleich bekannteste Experiment zur Willensfreiheit wurde Ende der 70er Jahre von Benjamin Libet durchgeführt. In diesem berühmten Experiment sollten Probanden völlig willkürlich entweder ihre rechte oder linke Hand heben.

Noch bevor sie dies taten konnten die WissenschaftlerInnen um Libet mittels EEG erkennen, welche Hand der bzw. die ProbandIn heben wird. Das Bemerkenswerte an diesem Experiment ist, dass die Handlungsabsicht die rechte oder linke Hand zu heben, erst bewusst wird, nachdem die Motorik bereits zu arbeiten begonnen hat.

Experimente mit sogenannten Split-Brain Patienten

Das Libet-Experiment ist dabei als Startschuss für eine ganze Reihe an anderen Experimenten zu sehen, von denen ich ein weiteres aufgreifen möchte: In den 90er Jahren hat der renommierte US-amerikanische Neurowissenschaftler Michael Gazzaniga viele Experimente mit sogenannten Split-Brain Patienten durchgeführt.

Bei Split-Brain Patenten handelt es sich um Personen, deren beiden Gehirnhälften nicht wie normal üblich, durch den sogenannten Corpus callosum, verbunden sind. Der Corpus callosum funktioniert als eine Art Brücke zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte und sorgt dafür, dass die beiden miteinander Informationen austauschen können.

Diese Tatsache wurde in verschiedenen Experimenten auf erstaunliche Art und Weise gezeigt. Dabei liefen die Experimente, die Gazzaniga mit Split-Brain Patienten durchgeführt hat, auf folgende Weise ab: Die rechte Gehirnhälfte bekam Anweisungen eine bestimmte Handlung durchzuführen. Wenn nun der Patient diese Anweisung durchführte, wurde er vom Versuchsleiter gefragt, warum er eben diese Handlung gerade macht.

Auf diese Frage hin suchte die linke Gehirnhälfte nach einer Begründung für die Handlung. Um ein konkretes Beispiel zu bringen: Ein Patient setzte sich vor einen Computerbildschirm, auf dem er verschiedene Dinge zu lesen bekam. Als er die Aufforderung zu lesen bekam, aufzustehen und aus dem Zimmer zu gehen, registrierte dies nur die linke Hemisphäre, die für das Lesen zuständig ist.

Entscheidungen, und vor allem die Dinge, die wir tun und denken sind durch Hirnprozesse determiniert

Als der Patient dann vom Versuchsleiter gefragt wurde, warum er aufgestanden sei, antwortete er nicht etwa wahrheitsgemäß, dass er es nicht wisse (aufgrund des fehlenden corpus callosum wurde die Information, die gelesen wurde, nicht in die rechte Hirnhemisphäre transportiert). Die Antwort, die Split-Brain Patienten dann gaben, ist viel erstaunlicher.

Ihr Gehirn suchte nach einer vernünftigen Erklärung für das Aufstehen - etwa, dass man aus Durst aufgestanden ist, und sich gerade ein Wasser holen wollte. Diese Tatsache ist das Erstaunliche beim Split-Brain Experiment. Denn es legt den Schluss nahe, dass sich Menschen der Gründe ihrer Handlungen nicht bewusst sind, sondern vielmehr unbewusst von ihren Gehirnen gelenkt werden.

Die Konsequenzen dieses Experiments sind in Wahrheit aber noch weitreichender: Wenn man davon ausgeht, dass das Gehirn ständig auf der Suche nach vernünftigen Erklärungen für bestimmte Handlungen ist, und wir uns selbst (nicht immer) der wahren Hintergründe unser Handlungen sind, so muss man davon ausgehen, dass unser Hirnorgan andauernd Verhaltenserklärungen generiert und so unser ganzes Leben zu einer „stimmigen" Geschichte zusammenbündelt.

Das Erstaunliche am Split-Brain Experiment ist ja auch, dass die Patienten dann tatsächlich jene Erklärung glaubten, die sie für ihr Verhalten angaben. Sie wären niemals auf die Idee gekommen, dass ihr Gehirn für sie eine Erklärung suchte. Diese Experimente legen eins deutlich nahe: Die Entscheidungen, und vor allem die Dinge, die wir tun und denken (oder glauben zu denken) sind durch Hirnprozesse determiniert.

Wir müssen uns eingestehen, dass eine Willensfreiheit nicht existiert

Wir können nicht anders denken und entscheiden als wir es tatsächlich tun. Dass wir trotzdem uns so fühlen als ob wir in unseren Entscheidungen frei wären, hat nichts damit zu tun, ob dem auch tatsächlich so ist. Dass wir uns so fühlen als ob wir „Herr im eigenen Haus" wären und vollständig über uns selbst bestimmen, hat einen guten evolutionären Grund.

Der Wiener Universitätsprofessor Franz M. Wuketits hält dies in folgenden Worten fest: „Da der (menschliche) Geist nicht autonom existiert, sondern aufgrund komplexer neuronaler Prozesse alle möglichen Informationen betreffend unseren jeweiligen Gesamtzustand (Schmerzen, Wohlbefinden, Freude, Leid, Ärger, Zorn und so weiter) auf spezifische Weise verarbeitet, bleibt auch das subjektive Gefühl von Autonomie und Freiheit letztlich bloß eine Folge jener Prozesse, die zwar im Allgemeinen unserem Überleben dienen, uns aber - gerade aus diesem Grunde - auch täuschen können." Wir werden also tagtäglich von unserem eigenen Gehirn in die Irre geführt. Dass wir glauben, einen freien Willen zu besitzen, ist dabei sozusagen „Part of the Game".

Je mehr wir verstehen, wie unser Gehirn funktioniert und Entscheidungen trifft, desto mehr müssen wir uns eingestehen, dass so etwas wie eine Willensfreiheit nicht existiert. So etwas wie eine Seele, als eine vom biologischen Körper autonome Entität gedacht, ist schon längst nicht mehr haltbar. Die Frage nach dem freien Willen ist aus meiner Sicht längst geklärt: Wir sind nicht frei.

Unser Leben ist determiniert von vielerlei Faktoren, die wir selbst nicht beeinflussen können. Sie werden durch neuronale Prozesse in unserem Gehirn selbst determiniert, und diese Prozesse werden wiederum von vorherigen (Umwelt)einflüssen determiniert. Hier von einem freien Willen zu sprechen ist grotesk und realitätsverweigernd.

Körper-Geist Dualismus ist heute durch verschiedenste Untersuchungen der Hirnforschung nicht mehr haltbar

Franz M. Wuketits hält deswegen zurecht fest, dass die sogenannten Rätsel des menschlichen Geistes im Wesentlichen entschlüsselt seien. Das bedeutet nicht, dass wir das menschliche Gehirn in seiner Vollständigkeit entschlüsselt haben (die Forschung befindet sich wahrscheinlich gerade einmal auf der Startlinie).

Es sind zwar noch bei weitem nicht alle Ereignisse bekannt, die die Vorgänge in unserem Gehirn hervorrufen, jedoch ist laut dem deutschen Neurowissenschaftler Gerhard Roth eines klar: „Bewusstsein ist vollständig an bestimmte physikalische, chemische und physiologische Prozesse in unserem Gehirn gebunden."

Nur weil wir noch nicht alle Rätsel des menschlichen Gehirns entschlüsselt haben, können wir im Umkehrschluss nicht davon ausgehen, dass wir „Herr im eigenen Haus" sind, nur weil wir das so fühlen. Dass uns unser eigenes Hirnorgan sehr leicht in die Irre führen kann, habe ich dabei anhand der Split-Brain Patienten dargelegt.

Der Körper-Geist Dualismus ist heute durch verschiedenste Untersuchungen der Hirnforschung längst nicht mehr haltbar. Wir wissen, dass das Ich, was wir in uns tragen, nicht mehr ist, als ein Theaterstück, das sich das Gehirn selbst erzählt um im praktischen Leben besser zurecht zu kommen.

Diskussion über ethische Fragen ist ein wichtiger Einflussfaktor

Wenn es tatsächlich so etwas wie einen Dualismus geben sollte, wie erklären sich dann beispielsweise die tausenden demenzkranken Menschen, denen Schritt für Schritt Erinnerungen und der praktische Bezug zum Leben verloren gehen? Wenn es eine vom Körper autonome Entität gäbe, so würde diese Krankheit doch gar nicht erst existieren.

Wie aber schauen nun die Konsequenzen aus, wenn wir den Glauben an den freien Willen ablegen? Wenn wir davon ausgehen, dass wir zwar frei von externen Zwängen, aber nicht frei im metaphysischen Sinne sind, so könnte man natürlich den Einwand bringen, dass dann alles was wir tun und sagen egal ist, da ohnehin das Ergebnis determiniert ist.

Denn wenn wir keinen freien Willen mehr haben, so wären dann alle Fragen der Moral hinfällig, so die Argumentation. Wenn man von der allgemeinen Unterscheidung zwischen Moral und Ethik ausgeht, so wird die Moral insofern hinfällig, als dass es keinen Sinn mehr macht, Menschen und ihre Taten in „gut" und „böse" einzustufen.

Im Gegensatz dazu wird allerdings die Ethik (als Reflexion über die Moral) durch die Negierung der Willensfreiheit alles andere als überflüssig. Denn alle Handlungen, die von uns getätigt werden, werden durch externe und interne Faktoren beeinflusst. Und gerade die Diskussion über ethische Fragen ist ein Einflussfaktor, der nicht unterschätzt werden darf.

Wir würden im Umgang mit uns selbst viel gelassener werden

Konkret gesagt: Ethische Fragen sind deshalb nicht irrelevant, weil durch die alleinige Diskussion selbiger Menschen ihr Verhalten ändern und bestimmte Handlungen tätigen. Ob und in welcher Form dies geschieht ist dabei allerdings determiniert. D.h. ob ich mein Konsumverhalten ändere, und z.B. weniger Fleisch esse, ist durch das Nachdenken darüber determiniert.

Das Nachdenken darüber ist wiederum determiniert durch eine Diskussion über das Thema. Und die Diskussion über das Thema ist wiederum bspw. durch eine Lehrveranstaltung, an der ich teilgenommen habe, determiniert. Dass ich genau diese Lehrveranstaltung besucht habe, ist wiederum von dem Studienplan meines Philosophiestudiums determiniert. Und so weiter.

Die weiter oben erwähnten Einflussfaktoren sind auch der Grund, warum Bestrafungen nicht hinfällig werden. Wenn wir davon ausgehen, dass ein Mensch nicht anders handeln konnte, so können wir ihn zwar nicht persönlich für seine Tat verantwortlich machen (bspw. kann ein Hirntumor das Empathiezentrum einer Person zerstören, so dass diese zum Gewalttäter wird). Aber durch die Bestrafung wird ein Einflussfaktor geschaffen, der bei einem anderer Person eben genau dieselbe Tat verhindert.

Daneben sind aber noch andere Konsequenzen durch die Ablegung des Glaubens an den freien Willen relevant. Wir würden im Umgang mit uns selbst, und vor allem im Umgang mit anderen Menschen, viel gelassener werden. In Bezug auf seine eigene Persönlichkeit wird man gelassener, wenn man akzeptiert, dass man eben nicht anders handeln konnte und nicht anders werden konnte als man ist.

Das „Ich" ist keine vom Körper unabhängige Entität

Dies wird mit einer geringeren Selbsteinbildung korrelieren, die Fähigkeit über sich selbst zu lachen wird hingegen steigen. Diese Gelassenheit wird man dann auch in Bezug auf andere Menschen an den Tag legen können. Man wird weniger Rachegefühle hegen, weniger auf Menschen „böse" sein und zwischenmenschliche Beziehungen generell total gelassen sehen.

Fassen wir also nun zusammen: Wir sind in unsren Handlungen und Entscheidungen nicht frei. Wir können nicht anders, als wir tun. Und trotzdem ist deswegen das Leben nicht sinnlos, sondern kann vielmehr befreiend sein. Menschen sollten wir nie selbst verurteilen, sondern immer nur ihre Handlungen.

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Der Mensch kann in einer bestimmten Situation nicht anders, sonst hätte er es anders gemacht. Dass er dabei vielleicht im Nachhinein zur Einsicht gelangt, dass die andere Option doch die bessere gewesen wäre, ist genauso ein Gedanke, der vom Gehirn erzeugt wird, wie der Glaube daran, dass er eine Wahl hatte.

Diese Wahl hatte er jedoch nie. Niemand kann sein Leben so „frei" gestalten und entscheiden; durch verschiedenste Einflussfaktoren ist jede Handlung und Entscheidung determiniert. Wie wir entscheiden und was wir tun, entscheidet unser Gehirn für uns, und spielt uns im Nachhinein vor, dass „wir" es waren, die entschieden haben.

Das „Ich" ist keine vom Körper unabhängige Entität, sondern ein Theaterstück unseres Gehirns, das sich im Laufe der Evolution entwickelt hat. Man könnte nun ein trauriges Fazit ziehen und behaupten, dass wir eben doch nicht mehr als unser Gehirn sind. Man kann es aber auch positiv sehen, und all die Chancen nützen, die sich daraus ergeben. Ich plädiere für letzteres.

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