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Wider die Ungleichheit: EIB-Preis 2015 geht an Tony Atkinson

07/08/2015 11:23 CEST | Aktualisiert 07/08/2016 11:12 CEST
Kevin Russ via Getty Images

Mit Sir Anthony B. Atkinson (Nuffield College, Oxford) erhält einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der ökonomischen und sozialen Ungleichheit den "Outstanding Contribution Award" des EIB-Instituts der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg.

Über mehr als vier Jahrzehnte hat der britische Ökonom die moderne Ungleichheits- und Armutsforschung mitbegründet und - im wahrsten Sinne des Wortes - "maßgeblich" geprägt: Nach ihm ist das "Atkinson-Maß" benannt, mit dem die Einkommens- oder Vermögensungleichheit in einer Gesellschaft berechnet werden kann. "Seine Erkenntnisse haben einen enormen Einfluss nicht nur auf die theoretische Forschung, sondern auch auf die angewandte Wirtschaftspolitik weltweit", erklärt der Vorsitzende des Preiskomitees, Sir Christopher Pissarides (London School of Economics; Nobel- und IZA-Preisträger).

In seinem aktuellen Buch "Inequality - What can be done?" argumentiert Atkinson, dass ein hohes Maß an Ungleichheit in der Gesellschaft nicht unausweichlich sei. Eine kluge Wirtschafts- und Sozialpolitik könne Ungleichheiten abbauen, ohne Einbußen bei der wirtschaftlichen Effizienz in Kauf nehmen zu müssen.

In dem Fachartikel „Reducing Income Inequality in Europe" diskutiert er Lösungsansätze zur Verringerung der Ungleichheit in Europa. Er legt dar, dass Ungleichheit auch ein Resultat der eingeführten Institutionen und Wirtschaftspolitik auf den Arbeits- und Kapitalmärkten sei. Um Ungleichheit wirksam zu bekämpfen, sollte die EU Lehren aus der Vergangenheit ziehen und sich dabei auf wissenschaftliche Evidenz stützen. Insbesondere müsse es darum gehen, konventionelle Denkmuster und Politikansätze aufzubrechen.

„Durch seine exzellente Forschung, die stets den Bezug zum wahren Leben hält, hat Atkinson die globale Debatte um die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit entscheidend vorangebracht", so Klaus F. Zimmermann (Institut zur Zukunft der Arbeit, IZA), der 2013 mit dem ersten EIB-Preis ausgezeichnet wurde. Zimmermann gehörte in diesem Jahr der Jury an, um einen Preisträger mit dem Themenfokus „Ungleichheit und Wachstum" zu küren.

Mit dem jährlichen EIB-Preis würdigt die Europäische Investitionsbank herausragende Leistungen in der Wirtschafts- und Sozialforschung sowie deren Umsetzung und Verbreitung. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf Forschung mit direktem Bezug zur europäischen Entwicklung und Integration gelegt.

Der parallel dazu ausgelobte EIB-Nachwuchspreis 2015 für Ökonomen unter 40 Jahren geht an Benjamin Moll (Princeton University). EIB-Präsident Werner Hoyer wird die Auszeichnungen im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am 11. November in Luxemburg überreichen.


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