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"Wie im Konzentrationslager": In einem russischen Gefängnis werden Schwule brutal gefoltert

09/05/2017 12:06 CEST | Aktualisiert 09/05/2017 13:09 CEST
Gleb Garanich / Reuters

Rotes Licht schimmert durch ein großes Glasfenster im New Yorker East Village. Menschen strömen in dicken Mänteln auf die Straße.

Es riecht nach Likör und schwerem Parfum. Drinnen: lachende Menschen, die sich leicht sexuelle Anspielungen zuwerfen - immer drauf und dran zuzuschlagen.

Einige Lesben trinken Shots in einer Ecke, während Drag Queens im Obergeschoss für eine kleine Menschenmenge auftreten. Im Stonewall Inn, der Geburtsstätte der Bewegung für die Rechte der Homosexuellen, wird seit dem 28. Juni 1969 die homosexuelle Identität gefeiert

In diesen historischen Hallen vergisst man leicht, wie es Schwulen und Lesben einst ging. In den Jahrzehnten nach den Stonewall-Aufständen hat sich die Einstellung der Menschen zu Homosexualität auf der ganzen Welt stark verändert.

Schwule werden gefoltert

Trotzdem ist die heutige Situation homosexueller Menschen in Amerika nichts anderes als Glück. Auf der anderen Seite der Welt, in der kleinen Stadt Tsotsi-Yurt in Tschetschenien, steht ein Gebäude, das Gefangene von den neugierigen Augen der Welt fern hält.

Das ist nichts Neues. Es ist das Jahr 2017 und es gibt nichts, was wir dagegen tun können.

In einem Artikel einer russischen Nachrichtenseite, den viele Menschen zuerst für einen Aprilscherz hielten, wurde geschrieben, dass die tschetschenische Regierung schwule Männer gefangen hält und foltert.

Für die, die nichts von der rigorosen Einstellung der Russen zu Schwulen wissen, ist das wohl überraschend.

Kaum jemand weiß etwas davon

Am Nationalen Tag der Stille hat das San Antonio College Pride Center einen Gedenkabend abgehalten, damit wir uns der homosexuellen Menschen auf dieser Welt bewusst werden, die in ihrem Land nicht akzeptiert werden.

Von den 20 Menschen, die daran teilnahmen, wussten nur zwei über die Verhältnisse in Russland Bescheid. Arnold Figuero, ein Soziologiestudent, sagte dazu:

"Deshalb haben auch viele dem anfänglichen Bericht über Schwulen-Konzentrationslager nicht geglaubt. Als ich das gelesen habe, dachte ich zuerst, es sei nur der doofe Scherz einer konservativen Gruppierung. Aber als ich herausfand, dass es wirklich stimmte, war ich absolut schockiert. Ich konnte nicht glauben, dass es wahr war."

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Der Nachrichtenseite "Novaya Gazeta" zufolge - und von zahlreichen anderen glaubhaften Quellen bestätigt - werden dort schwule Männer und Männer, die verdächtigt werden, schwul zu sein, aufgegriffen und in Nazi-ähnliche Gefängnisse gebracht.

Um die Behauptungen zu belegen, veröffentlichte die "Gazeta" einen Zeugenbericht, in dem ein Ex-Gefangener seine Situation in Haft beschreibt. Er schreibt, dass ein Schwuler blutig geschlagen in sein Dorf zurück gebracht wurde.

"Ich will nicht glauben, dass das hier passiert", sagte Figueroa, "aber je mehr ich über die Situation in Russland erfahre, desto mehr fühle ich mich dazu gezwungen zu akzeptieren, dass es wirklich passiert. Da bin ich gleich wieder dankbar für die Sicherheit, die wie im Vergleich dazu in den USA haben. "

Gemeinsam gegen das Unrecht

Aber was können wir tun?

In einem Statement, das die US Botschafterin Nikki Haley den vereinten Nationen gab, erklärten die USA folgendes:

"Die Berichte von Entführungen, Folter und Mord aufgrund von sexueller Orientierung in Tschetschenien beunruhigen uns noch immer. Wenn sie wahr sind, können diese Menschenrechtsverletzungen nicht ignoriert werden.

Die tschetschenische Regierung muss diesen Vorwürfen sofort auf den Grund gehen, alle, die involviert sind, zur Rechenschaft ziehen und Schritte einleiten, um diesen Missbrauch in Zukunft zu verhindern.

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Wir sprechen uns gegen jegliche Form der Diskriminierung aus, auch gegen Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung. Wenn wir das nicht verfolgen, können Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen zu Konflikten führen.

Morgen wird die USA das erste Treffen zur Einhaltung von Menschenrechten in internationalen Konflikten im UN-Sicherheitsrat abhalten, um unser Bekenntnis gegen Menschenrechtsverletzungen zu unterstreichen, wenn sie den internationalen Frieden und die Sicherheit bedrohen"

Organisationen sind aufmerksam geworden

Genauso kümmern sich andere Nationen und Organisationen um die, die Opfer von Verfolgung geworden sind oder im Gefängnis sitzen müssen.

Die Kanadischen LGBT-Fürsprecher "Rainbow Railroad" haben ein Statement abgeben, in dem sie angeben, sich auf die Hilfe der Schwulen in Tschetschenien zu konzentrieren.

"Um ihnen beizustehen arbeitet Rainbow Railroad jetzt sehr eng mit dem russischen LGBT-Netzwerk zusammen. Das ist eine Nichtregierungsorganisation, die den Opfern von Gewalt in Tschetschenien hilft. Die beiden Organisationen werden zusammenarbeiten, um die Menschen zu identifizieren, die evakuiert werden müssen."

Und trotzdem: Das alles braucht Zeit. Obwohl es "offiziellen" Berichten zufolge nur drei Tote und hundert Männer gibt, die inhaftiert wurden, sagte die "Gazeta", die Zahlen wären in Wirklichkeit viel höher.

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"Wir haben Informationen über die Verhaftung von mehr als hundert Männern erhalten. Novaya Gazeta wusste bereits die Namen der offiziellen drei Toten, aber unsere Quelle sagt, es gäbe viel mehr Opfer."

Das "Stonewall Inn"

Jetzt raucht jemand auf der Toilette - wahrscheinlich hofft er, der Uringeruch überdecke das Gras. Der Barkeeper ruft "letzte Runde" und ermuntert die übrigen, ihre Bestellungen aufzugeben. Oben haben die Dragqueens ihre Show beendet und trinken nun Schnaps mit ihren Fans.

Draußen auf der Straße flackert das Neonlicht des "Stonewall Inn" in der kalten New Yorker Nacht. Arnold Figueroa nimmt einen Zug seiner Zigarette und öffnet Grindr, um ein Date klar zu machen. Er weiß nicht, dass auf der anderen Seite der Welt, in der Tschetschenischen Stadt Tsotsi-Yurt schwule Männer sterben.

Dieser Beitrag erschein zuerst bei substance.media.

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