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Europa muss sich als Wertegemeinschaft bewähren

15/09/2015 15:46 CEST | Aktualisiert 15/09/2016 11:12 CEST
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Für die Wartenden an den Grenzübergängen muss es sich angefühlt haben wie eine Zeitreise: Kilometerlange Schlangen auf den Straßen von Österreich nach Deutschland. Wer heute 20 oder jünger ist, hat dies zum ersten mal überhaupt erlebt. Für diese Generation ist der freie Personenverkehr ohne Grenzkontrollen eine Selbstverständlichkeit.

Vielleicht führt die Erfahrung geschlossener Grenzen ja dazu, dass wir die Freiheiten wieder mehr schätzen lernen, die uns das vereinte Europa gebracht hat. Momentan sieht es aber eher düster aus.

Europa versagt in der Flüchtlingskrise total

Nationale Egoismen und blinder Aktionismus bestimmen die Politik, nicht das gemeinsame Bemühen, eine gewaltige Herausforderung zu meistern. Daran ist Deutschland nicht unschuldig. Jahrelang haben wir uns einen schlanken Fuß gemacht und Länder wie Italien oder Griechenland, wo Flüchtlinge in der Regel das erste mal europäischen Boden betreten, alleine gelassen. Schon viel früher hätten wir eine gemeinsame europäische Asylpolitik anstoßen müssen, die Lasten fair verteilt und sich nicht in Abschottung erschöpft.

Vor allem aber müssen wir Europäer begreifen, dass wir die Probleme an unserer Peripherie nicht ignorieren können. Irgendwann holen sie uns ein. Europa ist weder eine Festung noch eine Insel. Wenn in Syrien seit Jahren ein blutiger Bürgerkrieg tobt, ist das spätestens dann auch "unser" Problem, wenn die Menschen, die vor der Gewalt fliehen, an unsere Pforte klopfen.

Und wenn die Bürger der an die EU angrenzenden Balkanstaaten keine Perspektive für sich und ihre Familien sehen, werden noch so hohe Zäune sie nicht aufhalten. Europa braucht eine entschlossene Außen- und Sicherheitspolitik und muss Wohlstand und politische Stabilität in seiner unmittelbaren Nachbarschaft fördern.

Krisen von solchen Ausmaßen, wie wir sie in diesen Tagen erleben, können nur gesamteuropäisch bewältigt werden. Dabei muss Deutschland eine Vorbild- und Führungsrolle übernehmen. Europa muss sich jetzt als Wertegemeinschaft bewähren.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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